Die Deutsche Jugendbewegung

Pro und Contra


Vigrid



Das ausgehende 19. Jahrhundert war für die Menschen Europas eine Zeit rasanter Umwälzungen. Die neuen Fabriken, die überall aus dem Boden schossen und das Gesicht von Stadt und Land veränderten, zogen wie Magneten unzählige junge Menschen an, für die auf dem Land kein Platz mehr war, weil es die 60 Millionen lebenden Deutschen nicht mehr aufnehmen konnte. Diese Fabriken wurden damals allenthalben als die lang erwartete Lösung der sich bereits abzeichnenden Raum- und Versorgungsfrage in Deutschland gefeiert. Endlich war es möglich, viele Menschen auf kleinstem Raum in Brot und Lohn zu halten. Nur wenige kritische Stimmen merkten an, daß es sich hier um eine Scheinlösung handele. An der Abhängigkeit von Auslandsimporten änderten die Fabriken rein gar nichts, denn Lebensmittel und Kleidungsrohstoffe für die vielen Menschen rauchten nun einmal nicht aus Schloten, sondern wuchsen auf Feldern. Und ob man die Landfrage dadurch löst, die Menschen auf engstem Raum unter unwürdigsten Bedingungen zusammenzupferchen, darüber läßt es sich wohl streiten. Eine bis dahin beispiellose Verstädterung setzte ein, und rund um die rapide wachsenden Industriemetropolen, in denen nun unzählige in Schmutz, Enge und Lärm leben mußten, schwanden die Wälder und Grünflächen und alle natürlichen Spielplätze.

Parallel zu dieser Entwicklung verlief die zunehmende Technisierung, die mehr und mehr auch das Alltagleben durchdrang und die Abhängigkeit der Menschen von natürlichen Rhythmen und Begebenheiten hinfällig machte. In der Öffentlichkeit wurde damals ein geradezu überschwenglich optimistischer Fortschrittsglaube gepflegt. Der damals berühmte Chemieprofessor und spätere Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald (1853-1932) wagte sogar die Prognose, daß es so etwas wie Schicksal schon in Kürze nicht mehr geben würde, weil bald Technik und Wissenschaft das Leben und alle äußeren Ereignisse beherrschbar gemacht hätten.

In eben dieser Zeit, im Sommer des Jahres 1896, kam in Steglitz bei Berlin ein Student namens Hermann Hoffmann auf die Idee, einige Schüler des örtlichen Gymnasiums um sich zu sammeln, um ein wenig durch die unberührten Naturgebiete der Mark Brandenburg zu wandern. Dieser Fahrt mit dem Steglitzer Schülerstenographenverein folgten weitere. Man zog zu Fuß durch das weite Land, möglichst weit weg von den Städten, und nächtigte in Ruinen, Heuschobern und Kornfeldern - inmitten einer Zeit, in der das Reisen durch die Eisenbahn gerade so bequem geworden war. Doch diese Gruppe von Sonderlingen erhielt überraschenden Zulauf. 1901 zog Hoffmann fort. Sein Nachfolger Karl Fischer gab dem wandernden Stenographenverein den Namen Wandervogel (WV), der unter seiner Führung innerhalb weniger Jahre zu einer großen Bewegung heranwuchs. Die Idee des Wandervogels verbreitete sich wie ein Lauffeuer über das gesamte Reich. Aus einer Handvoll junger Menschen wurden Zigtausende, die dem zersetzenden Zeitgeist den Rücken kehrten, um der Stimme ihres Blutes zu folgen. Die Deutsche Jugendbewegung war geboren. Sie erschuf eine neue Ära der Naturnähe, brachte Heimatliebe und gelebtes Volkstum zu neuer Blüte und befreite die Jugend aus der stickigen, kleingeistigen Enge, die damals die Schulen beherrschte: Dreißig deutsche Jahre gehörten ihr.

Ur-Wandervogel (Schülerstenographenverein des Steglitzer Gymnasiums), Grunewaldwanderung Winter 1896/97, links Karl Fischer, Mitte Hermann Hoffmann

Ur-Wandervogel (Schülerstenographenverein des Steglitzer Gymnasiums),
Grunewaldwanderung Winter 1896/97, links Karl Fischer, Mitte Hermann Hoffmann

Als Fischer Hoffmanns Nachfolge antrat, um dessen Anregungen zu verwirklichen, waren Schülervereine jeglicher Art verboten. Offiziell durfte es sich bei seiner Neugründung also nicht um einen Bund wandernder Schüler handeln. Es gelang ihm aber, einige angesehene ältere Männer für sich zu gewinnen, die sich bereit erklärten, mit ihrem Namen für seine Idee einzustehen. Fortan war der Wandervogel offiziell ein Herrenverein, der unter dem Namen Ausschuß für Schülerfahrten geführt wurde. Bald schon bildeten sich weitere Ortsgruppen, und der Wandervogel verbreitete sich bald über den gesamten Ost- und mitteldeutschen Raum. Der westliche Teil wurde zunächst vom Bund Deutscher Wanderer dominiert, der seinen Ursprung in Hamburg hatte und als zweite Keimzelle der Bewegung betrachtet werden muß. Grundidee und Aktivität dieser Vereinigung waren der des WV praktisch identisch, doch die Gründung geschah unabhängig, und erst Jahre später erfuhren beide voneinander.

Bei den Fahrten des Steglitzer Stenographenvereins ging es lange Zeit um nichts anderes als die Sache an sich. Das änderte sich aber mit der Zeit, als die neue Idee sich ausbreitete und zur Bewegung heranreifte. Nachdenkliche Menschen schlossen sich an und begannen, die Bewegung ideologisch zu unterlegen. Zum zentralen Identifikationssymbol wurde die Blaue Blume, im Bild meist als Kornblume dargestellt. Seit Novalis (Friedrich von Hardenberg, 1772-1801) dieses Symbol 1801 in seinem Roman Heinrich von Ofterdingen einführte, gilt sie als Symbol der Sehnsucht [Für Novalis ist die blaue Blume ein Sinnbild mythischen Welterlebens. Bereits im Wachzustand, den der Romanheld Heinrich im „Schimmer des Mondes“ erlebt, erscheint diese als erstrebenswertes Sehnsuchtsziel. Der anschließende Traumweg, der Heinrich zur blauen Blume führt, ist die Reise zurück zu einem mythischen Urzustand, den der Romanheld als Wanderer erreicht. Er erfährt dabei das Leben als Kreislauf: Leben, Tod, Wiedergeburt sind die Bedingungen des mythischen Lebens. Schließlich badet er in einer Felshöhle. Das Bad muß als Initiation begriffen werden, denn im Zuge dessen gerät Heinrich mit den Elementen in einen Zustand entrückender Einheit: Kraft und Wohlbefinden durchströmen ihn. Er schwimmt von dem Felsenbecken zur Quelle des Wassers und entdeckt nun auf einer Wiese die blaue Blume. Das Streben der deutschen Romantik, nämlich eine „Wiederverzauberung der Welt“ hin zu mythischen Zuständen zu erreichen oder anklingen zu lassen, ist an dieser Schlüsselszene besonders gut zu erkennen. Angemerkt sei zuletzt, daß die Farbe Blau von Novalis allgemein als mythische Farbe gedeutet wird, so schimmern die Wände der Felsenhöhle in einem „bläulichen Licht“, die Felsen sind „dunkelblau“ und schließlich wölbt sich der Himmel über Heinrich „schwarzblau“. Der blauen Blume kommt aber der größte Symbolgehalt zu, sie steht am Anfang und Ende des intensiven, mythischen Traums].

So wie es für die damalige Jugend die Sehnsucht nach dem Wahren und Ursprünglichen war, die sie immer wieder in die unberührte Natur hinauszog. Das Streben eines Wandervogels sollte der Suche nach dieser Blume gelten, die man in den lärmenden Großstädten niemals finden kann. In vielen Fahrtenliedern dieser Zeit wurde sie besungen. Ein sehr bekanntes Beispiel ist das Lied Wir wollen zu Land ausfahren von Hjalmar Kutzleb. Die letzte Strophe lautet:

Es blüht im Walde tief drinnen die Blaue Blume fein
Die Blume zu gewinnen zieh'n wir ins Land hinein
Es rauschen die Bäume, es murmelt der Fluß,
und wer die Blaue Blume finden will, der muß
ein Wandervogel sein.

Leider führt Weltanschauung immer auch zu Uneinigkeit, und in der Jugendbewegung etablierte sich mehr und mehr eine Leidenschaft zum Polemisieren, die starke Zwistigkeiten erzeugte. 1904 kam es zur ersten Spaltung des Wandervogels, die nächste folgte 1907. Diese Neigung sollte der gesamten Bewegung bis zu ihrer Niederschlagung im Jahre 1933 wie ein Fluch anhängen. Es gab immer wieder Einigungsversuche. Der erste kam 1913, als sich die drei schon bestehenden Wandervogelgruppen im Wandervogel, Bund für Deutsches Jugendwandern, e.V. (WV e.V.) zusammenschlossen. Ein kleiner Teil des Alt-WV, wie die ursprüngliche Garde Karl Fischers damals hieß, verweigerte sich und machte unter ihrem bisherigen Namen weiter. All diese Versuche konnten aber die allgemeine Tendenz nicht stoppen. Besonders nach 1920 begann sich neben den verschiedenen, mitunter zerstrittenen großen Verbänden eine Unzahl lokaler Splittergruppen herauszubilden. Manche sehen darin einen Beleg für die Vielfältigkeit und Schöpferkraft der Bewegung. Traurige Tatsache ist aber, daß das große Potential, das in ihr steckte, viel zu oft in sinnloses weltanschauliches Gegeneinander verschwendet wurde und dadurch wirkungslos verpuffte.

Stockfechten im Grauen Corps, Lager am Reibersee, Pfingsten 1930

Stockfechten im Grauen Corps, Lager am Reibersee, Pfingsten 1930


Lager Ludwigswinkel, Sommer 1930, Graues Corps

Lager Ludwigswinkel, Sommer 1930, Graues Corps

Zum Glück gab es zu jeder Zeit aber auch verbindende Elemente. Das wohl wichtigste war die Leidenschaft zum gemeinsamen Singen. Zunächst erlebte das deutsche Volkslied, das wie alle volkstümlichen Überlieferungen hinter Großmannssucht und Börsendünkel mehr und mehr in Vergessenheit geraten war, eine ungeahnte Renaissance. Und bald wurden auch eigene Lieder geschrieben, so wie das schon genannte Lied von Kutzleb, die zumeist die wilde Romantik und Freiheit des Lebens auf der einsamen Landstraße besangen. Diese Lieder sind es, die heute als Fahrtenlieder bekannt sind.

Ein Standardwerk des auf diese Weise neuerwachten Volkslieds wurde der von Hans Breuer (1883-1918) herausgegebene Zupfgeigenhansl. Die Idee kam auf, als in Heidelberg zufällig eine Gruppe wandernder Studenten zusammentraf, Breuer einer von ihnen. Ein Freund von ihm schrieb später: „Allen gemeinsam war ein besonderes Empfinden für Deutschheit und Volkstum. Sie brachten es jeder von anderswoher. (...) Ihre Gespräche drehten sich um Heimat und Volkswesen, und wenn sie von den Schätzen ihrer Erinnerung etwas ausgruben, klangen Lieder mit herauf, deren Weisen an allerhand Erlebtem hafteten. (...) Da bemerkten die Freunde - sie waren es bald geworden - an sich selbst den gleich gestimmten Klang, den Worte und Weisen der im Volke gesungenen Lieder in den Seelen der verschiedensten Landsleute wachriefen.“ So eindrucksvoll wirkte diese Begegnung auf Breuer, daß er beschloß, die in dieser Runde gesammelten Lieder in Druck zu geben. Der Erfolg war durchschlagend. Das Buch machte das Volkslied neben der Fahrt zum zweiten Grundpfeiler der Bewegung, und für die zahlreichen späteren Auflagen wurden Breuer von überall her immer neue Lieder zugeschickt. Viele wurden nicht angenommen, denn der Zupfgeigenhansl sollte nur unverfälschtes Volkstum enthalten. Seichte Gassenhauer standen im Gegensatz zu dem, was Breuer sich mit seinem Buch gedacht hatte und wurden deshalb ausnahmslos aussortiert: „Wir müssen alle, alle mithelfen, aus dem Niedergang der schaffenden Volkspoesie zu halten, was noch zu halten ist“, schrieb er im Vorwort zur ersten Auflage, und später in der vierten: „Was uns draußen beim freien, frohen Wandern erfreut, was unser Suchen und Streben ist, es ist - kurz gesagt - eine fest in heimatlicher Erde wurzelnde treue deutsche Art.

Wappentafel des Nerother Bundes

Wappentafel des Nerother Bundes

Neben dem Wandervogel etablierte sich noch ein zweiter Hauptträger der Jugendbewegung, der eine separate Betrachtung verdient, da er zahlenmäßig vergleichbar war, sich aber in vielem unterschied. Es handelt sich um die Pfadfinderbewegung, die 1907 in England ihren Anfang nahm. Ganz wie in Deutschland zog es dort unzählige Jugendliche in die freie Landschaft hinaus. Ihre Inspiration war das Buch Aids for Scouting, das der verdiente und als geniale Führungspersönlichkeit bekannte General Lord Robert Baden Powell (1857-1941) eigentlich als Feldlehrbuch für britische Soldaten verfaßt hatte, sich dann aber völlig unerwartet zu einem Renner bei der englischen Jugend entwickelte. Baden Powell selbst betrachtete dies mit gemischten Gefühlen. Einerseits freute ihn diese Welle der Naturverbundenheit, die er unverhofft losgetreten hatte, andererseits betrachtete er es mit Sorge, daß ein für Kriegszwecke geschriebenes Buch das Weltbild tausender junger Menschen formte. So schrieb er für seine neue Anhängerschaft ein neues Buch, das er Scouting for Boys nannte und übernahm die Führerschaft der neuen Bewegung.

Mit einem so altgedienten und bewährten General an der Spitze war das Scout Movement, wie es in England hieß, natürlich von Anfang an deutlich straffer organisiert als der zu dieser Zeit noch sehr anarchische Wandervogel und verbreitete sich, sicher auch begünstigt durch Englands großen weltweiten Einfluß, mit großer Geschwindigkeit über die ganze Welt.

Bald schon faßte es auch in Deutschland Fuß. Da es hier aber bereits eine einflußreiche und ähnlich geartete Jugendbewegung vorfand, fügte es sich rasch in diese ein. Während die Pfadfinderei in anderen Ländern meist eine mehr oder weniger britisch geprägte Bewegung blieb, übernahm sie in Deutschland den völkischen Geist der Bewegung und emanzipierte sich stark von der Weltorganisation. Dies ging so weit, daß der Deutsche Pfadfinderbund (DPB) im Jahr 1920 den Kontakt zum gerade gegründeten Internationalen Büro (IB) verweigerte, solange deutscher Boden besetzt war, woran dann auch bis zur Räumung des Rheinlandes konsequent festgehalten wurde.

Trotz dieses Sonderweges, den die deutsche Pfadfinderei einschlug, fühlte sie sich den Idealen des weltweiten Pfadfindertums nach wie vor verpflichtet. Von einem Pfadfinder wurde eine Lebensführung verlangt, die auf den drei Grundmaximen Treue, Selbstzucht und Hilfsbereitschaft aufbaute. Präzisiert wurden diese in den zehn Pfadfindergesetzen. Diese forderten unter anderem Ehrhaftigkeit, Duldsamkeit, Treue und Zuverlässigkeit. Der Pfadfinder sollte sich einzuordnen wissen, einfach und sparsam leben, Pflanzen und Tiere schützen und hilfsbedürftigen Menschen zur Seite stehen. Kurz gesagt, er sollte sich als Teil einer Gemeinschaft auffassen und sich jederzeit bewußt sein, daß er als solcher Verantwortung trägt. Diese Grundsätze, deren Einhaltung unabhängig vom Kulturkreis die Lebensfähigkeit jeder Gesellschaft ausmacht, kombinierte das deutsche Pfadfindertum mit der Volksbewußtheit, die es in der schon vorhandenen Jugendbewegung vorfand. Es war international im Sinne der Völkerverständigung, aber nicht internationalistisch. Die Vertretung nationaler Interessen sowie die Pflege der eigenen völkischen Identität wurden dabei nie vergessen.

Als im August 1914 der Krieg ausbrach, war die Jugendbewegung bereits zu einer Größe gelangt, von der man in den Anfangstagen wohl nicht zu träumen gewagt hätte. Der DPB zählte 90.000 aktive Mitglieder, der Wandervogel 30.000, und noch einmal 30.000 waren in kleineren Vereinigungen versammelt. Und der Zuwachs war mehr als rasant. Der gesellschaftliche Einfluß reichte zudem noch weiter, denn der Bekanntheitsgrad war hoch und das Wandern nach Art des Wandervogels modern geworden. Oft sah man damals sogenannte „Wilde“, die in typischer Wandervogelkluft durch die Lande zogen, ohne diesem tatsächlich anzugehören (und ihn nicht selten in Verruf brachten, wenn sie etwa durch Unkenntnis und Unachtsamkeit einen Waldbrand verursacht hatten oder sich gegenüber Gastgebern als undankbare Schmarotzer zeigten). Doch die folgenden vier Jahre versetzten der blühenden Bewegung einen Schlag, von dem sie sich nie wieder ganz erholte. Von den 13000 Wandervögeln, die - zumeist freiwillig! - unter Waffen standen, kehrten 7000 nicht zurück. Die Prozentzahlen bei den anderen Bünden waren ähnlich.

Um diese Zahlen richtig einschätzen zu können, muß man sie mit den Gesamtverlusten auf deutscher Seite vergleichen. Diese lagen nach Kriegsende nämlich „nur“ bei etwa einem Sechstel der Eingezogenen. Wie kommt es dann, daß von den jugendbewegten Soldaten mehr als die Hälfte im Felde blieb? Mit dem Zufall läßt eine so hohe Differenz sich unmöglich erklären. Demnach bleibt wohl nur, von einer besonders hohen Opferbereitschaft dieser Soldaten auszugehen. Diejenigen, die sich ihres Deutschseins und der daraus erwachsenden Verantwortung schon in Friedenszeiten am stärksten bewußt waren und deshalb der völkischen Wiedergeburt der Jugend (wohl zu unterscheiden von dem sinnleeren Nationalchauvinismus, der damals modern war) ihr Leben gewidmet hatten, legten nun auch in Zeiten der höchsten Not die größte Selbstlosigkeit an den Tag. Dementsprechend waren es dann auch vor allem die fähigsten Köpfe und die tragenden Führer der Bewegung, die aus diesem sinnlosen Abschlachten zwischen Europas Völkern nicht wiederkehrten.

Wilhelm Kotzde, Bund der Adler und Falken, nach einem Gemälde von Hans Schroedter

Wilhelm Kotzde, Bund der Adler und Falken,
nach einem Gemälde von Hans Schroedter

Nach Kriegsende einfach an 1914 anzuknüpfen, wäre undenkbar gewesen. Zu verheerend waren die Verluste, die erlitten waren. Die Lücken, die die gefallenen Kameraden hinterlassen hatten, konnten nur von den Jüngeren wieder aufgefüllt werden, und mit diesen setzte eine grundlegende Erneuerung der Bewegung ein, die sie endgültig ihren Kinderschuhen entwachsen ließ. Eine starke Disziplinierung setzte ein, die vor allem während der letzten Jahre nicht selten geradezu militaristische Züge annahm. Die Jugendbewegung organisierte sich in sogenannten Bünden, weswegen man von 1918 an meist von der Bündischen Jugend spricht.

Es war diese Phase, in der sich die Abspaltungssucht ins inflationäre steigerte, und die Zahl der existierenden Bünde nahm schon bald geradezu absurde Züge an, wobei es sich freilich bei den meisten nur um unbedeutende lokale Splittergruppen handelte. Andererseits gab es aber natürlich auch große Bünde, die mit neuen Ideen und Impulsen die späte Jugendbewegung entscheidend geprägt haben und deshalb eine Erwähnung verdienen. Zu nennen wäre der Pfadfinder Martin Völkel, der jene hinter sich sammelte, die mit den erstarrten Traditionen des DPB nichts mehr anfangen konnten und mit ihnen 1920 den ersten wirklichen Bund, die Neupfadfinder, ins Leben rief, dessen Weltsicht unter anderem auf den Lehren Nietzsches beruhte. Im Februar desselben Jahres kam es zur Gründung des Bundes der Adler und Falken durch Wilhelm Kotzde, der sich ausdrücklich dem Kampf gegen die grassierende Entwurzelung, Entfremdung und Naturentfernung verpflichtete und bald im gesamten deutschen Sprachgebiet Raum faßte. In der Wander- und Lebensordnung des Bundes stand geschrieben: „Wer in unseren Bund tritt, verpflichtet sich zu unbedingter Wahrhaftigkeit, zur Kameradschaft in Gesinnung und Tat und zu tätiger Liebe zu allem, was deutsch ist. Es hülfe uns nichts, Deutschland wieder groß zu machen, wenn nicht die Deutschen groß in allem Guten wären. Gott hat unser Volk mit so reichen Gütern des Geistes und der Seele, mit so vielen schöpferischen, wahrhaft großen Männern und Frauen gesegnet, daß wir uns darum zu allem Hohen und Edlen verpflichtet fühlen. (...) Jugend heißt frisches Knospen; solches aber wäre Schein und Trug, wenn nicht die Wurzeln tief in unsern Volksboden gingen...“. Unbedingt zu erwähnen ist auch der Nerother Wandervogel, gegründet im März 1921 in der Absicht, den Wandervogelgedanken im Sinne Karl Fischers zu erneuern. Diesem einflußreichen Bund, der eine zweite Welle lostrat und dem Wandervogel, der sich damals in Oberflächlichkeit zu verlieren drohte, neues Leben einhauchte, gelang es erfolgreich und auf überraschend einfache Weise, die verschiedenen, für gewöhnlichen konkurrierenden Geistesrichtungen in sich zu integrieren und friedlich nebeneinander existieren zu lassen: Er unterteilte sich in eine Vielzahl sogenannter Orden, die sich in Ausrichtung und Charakter unterschieden, und bildete so eine Einheit von Gegensätzen. Wer eher geistig-philosophisch veranlagt war, ging zum Beispiel zu den „Schwanenrittern“, rational und wissenschaftlich orientierte Menschen hingegen zur „Rabenklaue“. Wer vor allem das Abenteuer suchte, kam zu den „Piraten“, der Liebhaber von Weite und Einsamkeit zu den „Landstreichern“ usw.

Nerother Wandervögel auf Weltfahrt an den Iguassu-Fällen, Brasilien 1931

Nerother Wandervögel auf Weltfahrt an den Iguassu-Fällen, Brasilien 1931

Obwohl aber die Ordensidee des Nerother Wandervogels Schule machte und allerorts aufgegriffen wurde, sollte es nicht gelingen, die Jugendbewegung zu einen und so ihre Kräfte zu bündeln, um sie in einen wirklich einflußreichen Machtfaktor zu verwandeln. Des öfteren gab es vielversprechende Anläufe, wie zum Beispiel 1926 der Zusammenschluß mehrerer bedeutender Bünde, wie Alt-Wandervogel oder Neupfadfinder, zur Deutschen Freischar, doch der von vielen gehegte Traum eines Hochbundes der deutschen Jugend wurde nie Wirklichkeit. Zu groß war die ideologische Spaltung und die eigentlich mächtige Bewegung so sehr mit internen Zwistigkeiten beschäftigt, daß die politischen Umwälzungen der ausgehenden Weimarer Zeit sie förmlich überrollten. In allerletzter Minute noch gab es einen etwas überstürzten Versuch, das Schicksal zu wenden. 1933 verabredeten sich die großen Bünde (Deutsche Freischar, DPB, Großdeutscher Jugendbund, Reichsschaft, Freischar junger Nation, Jungsturm) zu einem Pfingsttreffen in der Lüneburger Heide. Trotz Verbots kamen Tausende; die anwesende Polizei war machtlos. In diesem Lager wurde der von vielen so lange ersehnte Hochbund ausgerufen, gerade noch rechtzeitig, um der nun unter ihm geeinten Bewegung den letzten Abgesang zu halten. Ein gewaltiges, von einem Flugzeug aus koordiniertes Aufgebot von Polizei, SA und Hitlerjugend löste das Lager am Montag gewaltsam auf.

Großdeutscher Bund, Berlin, April 1933. Der Bundesführer Admiral v. Trotba spricht. Daneben die Führer der bisherigen Bünde.

Großdeutscher Bund, Berlin, April 1933. Der Bundesführer Admiral v. Trotba spricht.
Daneben die Führer der bisherigen Bünde.


Großdeutscher Bund, Munsterlager (Lüneburger Heide), Pfingsten 1933. Letztes Lager der Bünde, Auflösung und Verbot

Großdeutscher Bund, Munsterlager (Lüneburger Heide), Pfingsten 1933.
Letztes Lager der Bünde, Auflösung und Verbot

Es folgte eine lange Phase der Verfolgung und Niederschlagung. Die nationalsozialistischen Ideologen betrachteten die Jugendbewegung als individualistisch und somit gegen die Volksgemeinschaft gerichtet. Wahre Jugendbewegung sei die Hitlerjugend. So kam es denn, daß eine über Jahrzehnte gewachsene, tief im deutschen Wesen verwurzelte Bewegung ausgemerzt wurde, um sie durch eine staatliche Institution zu ersetzen. Vielerorts wurde der verzweifelte Versuch unternommen, durch gespielte Begeisterung und Zustimmung die HJ bündisch zu unterwandern. Er scheiterte grandios. [Siehe A. Hitler. Deutschvölkische Wanderscholaren] Viele alte Führer kamen sogar an einflußreiche Posten, aber sowie einer versuchte, seine alte Methodik einzubringen, wurde ihm in der Regel „Kulturbolschewismus“ vorgeworfen, und der Betreffende, sofern er nicht rechtzeitig flüchtete, verschwand im Gefängnis oder im KL. Viele Bündische waren zudem hin- und hergerissen, da so manche Grundidee des Nationalsozialismus mit denen der Jugendbewegung ja durchaus konform war.

Die Renaissance der Bewegung nach Kriegsende blieb diesmal aus. Das Verbot wurde mit der Kapitulation der Wehrmacht natürlich hinfällig, aber die von Hunger und Bombenterror zermürbten Deutschen hatten zunächst ganz andere Sorgen. Als dann schließlich das Land wieder aufgebaut war, war die systematische Umerziehung bereits in vollem Gange. Die 68er mit ihrem fanatischen völkischen Selbsthaß brandmarkten alles, was mit Tradition oder Identitätspflege zu tun hatte, als reaktionär und „faschistisch“. In der Berliner Studentenbewegung kursierte damals eine zeitlang die Losung „Schlagt die Germanistik tot, färbt die Blaue Blume rot“. Und auch diese Generation wurde erwachsen und besetzt heute die Ämter und Lehrstellen, während die Menschen, die sich an die Zeiten in Freiheit noch erinnern, langsam, aber sicher aussterben. Viele der alten Bünde existieren noch heute und weisen mitunter beträchtliche Mitgliederzahlen auf. Davon darf man sich aber nicht täuschen lassen, denn bekanntlich ist Masse nicht immer gleich Klasse. Die Vorstände dieser Bünde haben sich in aller Regel längst dem kosmopolitischen Zeitgeist angepaßt, während an der Basis gewöhnliche, zeitgemäße Jugendarbeit stattfindet. Dagegen ist zwar sicher nichts einzuwenden, aber von dem revolutionären Geist von einst ist heute nichts mehr übrig. Höchstens vielleicht bei einigen örtlichen Kleingruppen, deren gesellschaftliche Bedeutung dann aber bei null liegt. Man wird wohl einfach einsehen müssen, daß die Deutsche Jugendbewegung tot ist.


Warum dann aber sich mit einer Bewegung abgeben, die gescheitert ist?

Ist sie das denn? Sie wirkte dreißig Jahre lang und zeigte Hunderttausenden junger Menschen eine Alternative. Sollen wir ihr vorwerfen, daß es ihr letztlich nicht gelungen ist, mit den Mißständen unserer Zeit schon damals ein für alle mal Schluß zu machen? Die Weltgeschichte kennt keine vollendeten Tatsachen. Dekadenz und Niedergang lassen sich in ihre Schranken verweisen, aber niemals besiegen. Daß eine Bewegung sich überlebt und zu Geschichte wird, ist ein natürlicher Vorgang. Die Beschäftigung mit dieser Geschichte ermöglicht geistige Entwicklung, denn nur sie erlaubt uns, aus Fehlern zu lernen und auf Bewährtem aufzubauen. Und aus diesem Blickwinkel sollten wir die Jugendbewegung heute betrachten. Wenn nämlich eine Bewegung, die den Daseinszweck des Menschen in der Rückbesinnung zur Natur und der eigenen völkischen Identität erkennt, inmitten einer Zeit des blinden Fortschrittswahns einen so durchschlagenden Erfolg erzielt, dann ist das eine großartige Bestätigung jenes Weltbildes, auf dem auch unser heidnisch-völkisch-traditionalistischer Glaube beruht. An zwei Orten nahm sie unscheinbar ihren Anfang und verbreitete sich dann so schnell, als hätten Unzählige innerlich nur auf diesen Stein des Anstoßes gewartet.

Und auch lernen können wir von ihr, weil sie die elementare Wichtigkeit des gelebten Volkstums erkannte. Denn, man muß es leider sagen, damit ist bei allzu vielen - auch aus unseren Rängen! - heute nicht sehr weit her. In den überlieferten Traditionen, Liedern, Bräuchen manifestiert sich die deutsche Seele. Sie sind es, die uns eine gemeinsame Identität geben, die die Basis jeder zukünftigen neuen Volksgemeinschaft sein muß. Und abgesehen davon, wie glaubwürdig ist jemand, der sich als Verteidiger deutscher Kultur bezeichnet, aber nicht ein deutsches Lied zu Ende singen kann?

Die Situation ist heute nicht mehr die alte. Eine Jugendbewegung nach altem Vorbild wäre heute gar nicht mehr denkbar, schon allein deshalb, weil es unberührte Natur in Deutschland kaum mehr gibt. Früher sind mitunter Bünde ausgezogen, um in der deutschen Landschaft nach vergessenen alten Burgen zu suchen, um diese als Hauptquartier zu annektieren. So weites und einsames Land gab es damals noch. Heute ist es fast unmöglich, einen Punkt zu finden, an dem man keine Autostraße hört. Und statt der erdrückenden Überbevölkerung entgegenzuwirken, holen die herrschenden Politiker noch zahllose Fremde ins Land, um eine einst blühende Kulturnation und Heimat so vieler großer Geister in einen lärmenden, entfremdeten Schmelztiegel zu verwandeln. Wir brauchen heute eine neue Jugendbewegung. Sehr viel muß getan werden, um unsere Länder wieder lebenswert zu machen, doch die Zeit rinnt uns wie Sand durch die Finger. Wir brauchen keine Leute, die hinter vorgehaltener Hand über die schlimmen Zeiten schimpfen und keine, die sich in pseudo-rebellischen Subkulturen vor der Realität verstecken. Wir brauchen fähige Frauen und Männer, die endlich aufstehen, um den Kampf aufzunehmen. Und wir brauchen jeden einzelnen.

Kamerad, worauf wartest du noch?

[Literatur: Helwig, Werner: Die Blaue Blume des Wandervogels. Baunach 1998; 1. Aufl. Gütersloh 1960]


© Vigrid, Oktober 2006


Siegling



NACHWORT

Der Wandervogel, der als Gegenbewegung zur wilhelminischen Ära, deren Schein und Künstlichkeit er ablehnte, verstanden werden kann, hatte einen prägenden Einfluß gerade ideengeschichtlicher und geistiger Art. Man muß sich dabei vor Augen führen, daß fast alle Führer der konservativrevolutionären Gruppierungen, darunter völkische, neuheidnische, nationalrevolutionäre und national-konservative, durch die Vorkriegsform der deutschen Jugendbewegung gegangen sind, und sofern sie den Weltkrieg überlebten, diesen prägenden Einfluß umgesetzt haben. So wirkte die Geisteshaltung des Wandervogels weiter, auch wenn sich bereits in den Vorkriegsjahren Verwerfungen aufgetan hatten, so der Konflikt des Wandervogels mit der Freideutschen Jugend, die man als „zweite Welle“ der Jugendbewegung ansehen kann und die sich 1913 auf dem Hohen Meißner zum Lager versammelte. Nachdem Weltkrieg trat die Jugendbewegung in eine „bündische Phase“, die alte und neue Ideen aufnahm. Durch ihre Gliederung in verschiedene Bünde wird sie allgemein als Bündische Jugend bezeichnet. Die Bündische Jugend hat zwar wie ihre Vorbewegungen ein größeres Schrifttum hinterlassen, kann aber programmatisch noch weniger auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Viel aussagekräftiger als ihre Publikationen sind ihre Lieder, die als Einfluß aufgenommenen Werke (Stefan George: Stern des Bundes, 1913; Walter Flex: Der Wanderer zwischen zwei Welten, 1917) und ihre Zeichen, wie Greif, Lilie oder Wolfsangel. Die Bündische Jugend wurde im Juni 1933 aufgelöst.

Kameraden, wir marschieren,
wollen fremdes Land durchspüren,
wollen fremde Sterne sehen.
Kameraden, wir marschieren,
laßt die bunten Fahnen wehen!

Kameraden, unsre Speere
schleudern wir in fremde Meere,
schwimmen nach und holn sie ein.
Kameraden, unsre Speere sollen
Pfeil und Ziel uns sein.

Kameraden, fremde Welten, wachen
Nachts bei unsern Zelten,
wenn die Feuer tiefgebrannt.
Kameraden, fremde Welten
Singen leis von unserm Land.

(Lied der Bündischen Jugend, Verfasser unbekannt)

Als wichtige Quelle zur Jugendbewegung des Wandervogels gilt insbesondere das mehrbändige Werk des freien Schriftstellers, Therapeuten und des frühen Wandervogels Hans Blüher (1888-1955): Hans Blüher: Geschichte einer Jugendbewegung. Teil 1 (Heimat und Aufgang) und Teil 2 (Blüte und Niedergang). Berlin 1912.

Blüher veröffentlichte eine ganze Reihe von Schriften, darunter auch viele psychologische, politische und religiöse Abhandlungen, die durchaus als umstritten gelten können. Bezug zum Wandervogel haben ferner: Führer und Volk in der Jugendbewegung, 1917; Familie und Männerbund, 1918; Der Charakter der Jugendbewegung, 1921. Von mindestens gleichgroßer Bedeutung sind die Liedersammlungen des Wandervogels: Hans Breuer (Hg.): Der Zupfgeigenhansl, 1908; W. Werckmeister (Hg.): Wandervogel Liederborn für die deutsche Jugend, 1910.

Als maßgebliches Zeugnis für die Freideutsche Jugend ist zu beachten: Artur Kracke (Hg.): Freideutsche Jugend. Zur Jahrhundertfeier auf dem Hohen Meißner. Mit einem Bild von Fidus. 1913.

Fidus Kommune, ca. 1912

Fidus Kommune, ca. 1912

[vgl. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch. 5. Aufl. Graz 1999. S. 31f., 153ff., 266ff., 298f., 300ff., 303f. Mit Hinweis auf die Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen und dem Männerbund als vorbildhafter Kulturform in der Jugendbewegung, vgl. S.158. Zur  Auseinandersetzung mit der Jugendbewegung als Ausdruck einer Generation und ihrem Bezug zum deutschen Volkstum, vgl. S.155]

Eine interessante Deutung der Jugendbewegung, freilich mit einem Augenzwinkern, bietet der große Psychologe Carl Gustav Jung (1875-1961). In seinem Aufsatz Wotan. Sein Wiedererwachen im Dritten Reich (1936) heißt es:

Daß aber in einem eigentlichen Kulturland, das schon geraume Zeit jenseits des Mittelalters gewähnt wurde, ein alter Sturm- und Rauschegott, nämlich der längst im historischen Ruhestand befindliche Wotan, wieder, wie ein erstorbener Vulkan, zu Tätigkeit erwachen könnte, das ist mehr als kurios; es ist geradezu pikant. Er ist, wie man weiß, in der Jugendbewegung lebendig geworden und wurde gleich zu Beginn seiner Wiedererstehung mit einigen blutigen Schafopfern gefeiert. Es waren jene blonden Jünglinge (bisweilen auch Jungfrauen), die man als rastlose Wanderer sah auf allen Landstraßen, vom Nordkap bis nach Sizilien, mit Rucksack und Laute bewehrt, treue Diener des schweifenden Wandergottes“ .

[Carl Gustav Jung: Wotan. Sein Wiedererwachen im Dritten Reich. In: Franz Alt (Hg.): Das C.G. Jung Lesebuch. 3. Aufl. Zürich 2003. S.205-219]

Bleibt die Frage, ob die Jugendbewegung in ihrer Form und Lebensauffassung nicht etwas originär Deutsches ist. Festzustellen ist, daß zwei Weltkriege, Drittes Reich, Umerziehung in den Nachkriegsjahren und die von Konsum, Geschäftemacherei und Geistlosigkeit geprägte Gegenwart, die Jugendbewegung fast völlig in Vergessenheit geraten haben lassen. Dennoch: Vielleicht nirgendwo in Mitteleuropa ist das Wandern, „auf Fahrt gehen“ und das Pfadfinderwesen unter Jugendlichen kulturell noch so verhaftet und – auf die Physis bezogen - breitensportlich attraktiv wie in Deutschland oder den deutschsprachigen Ländern. Der Begriff „breitensportlich“ zeigt aber die Misere schon an: Viel Breite, wenig Tiefe. Als Wanderer und Fahrtenliebhaber sehe ich die Ideen des Wandervogels jedoch als zeitlos und altersungebunden an, denn es ging ihm und heute noch einigen anderen, um mehr als um die „sportliche“ Betätigung in der Landschaft. Wandern heißt, neben dem Gemeinschaftserlebnis, auch das Streben nach einem mythischen Naturerleben und Naturerfahren (in Erfahrung steckt ja bereits „fahren“). Hier kommt mir Friedrich Hölderlins (1770-1843) Elegie Der Wanderer in den Sinn, die emphatisches und mythisches Naturerleben auf eindrucksvolle Weise ausdrückt:

Also sagt ich und jetzt kehr ich an den Rhein, in die Heimat,
zärtlich, wie vormals,
wehn Lüfte der Jugend mich an;
(...)
Vater des Vaterlands! Mächtiger Aether!
Und du Erd und Licht! Ihr einigen drei, die walten und lieben, Ewige Götter!
Mit euch brechen die Bande mir nie.
Ausgegangen von euch, mit euch bin ich gewandert,
Euch, ihr Freudigen, euch bring ich erfahrner zurück.

Friedrich Hölderlin, Der Wanderer (Auszug)

Es lohnt sich, die ganzen Verse auf sich wirken zu lassen, denn wie kein zweiter deutscher Dichter verwarf Hölderlin das „nur mythisierende“. Er dichtete mythisch und bildete organische Zusammenhänge, die von einem lebendigen Mittelpunkt ausgehen, hier dem Rhein. Zu ihm eilen alle Quellen herab, von ihm hängen die Gebirgszüge (der Taunus) ab, er trägt Sonne und Mond im Gemüt, Städte sind seine Kinder. Mehr als nur ein Fluß, erscheint er auch in seiner Bedeutung für die Nation („Vater des Vaterlandes“) als kosmisches Prinzip.

Der Wandernde ist Schauender dieser vom Leben durchwobenen Landschaft, dem kosmischen Prinzip, in der Menschen und Menschenwerk, Täler und Wälder ihren Platz in einer, falls gesunden, unauflöslichen Ordnung haben.

* * *

"Splitter"

Zuletzt noch ein interessanter Fund aus der alternativen Medienlandschaft:

Im Magazin „Ikonen“ (www.ikonenmagazin.de, Winter 2006, Nr.9) äußert sich der Multimedia-Künstler Lutz Dammbeck in einem Gespräch über seine Filme auch über die Jugendbewegung. Dammbeck drehte u.a. die Filme „Zeit der Götter“ (1993, über den Bildhauer Arno Breker), „Das Meisterspiel“ (1998, über die Neue Rechte in Österreich) und „Das Netz“ (2004, über den „Unabomber“ Ted Kaczynski). Dammbeck im Gespräch:

Beide Systeme [Sowjetunion und Drittes Reich] konnten und wollten mit der so genannten „avantgardistischen Kunst“ nichts anfangen, mit dem Begriff der „Avantgarde“ schon. Im Fall des Nationalsozialismus gab es ja eine verwirrende Gleichzeitigkeit und ein eigentlich unbegreifliches Nebeneinander von modernen und antimodernen Elementen: Swingbewegung und Rosenberg-Propaganda, Faulkner-Lektüre und Massenaufmärsche, Walmdach und Futurismus. … Der Film [Das Netz] greift zudem etwas auf, was ich schon bei den Recherchen für „Zeit der Götter“ mit großem Interesse verfolgt habe, das Motiv und die Bedeutung der freideutschen Jugendbewegung, etwas im „Wandervogel“. Breker [Arno Breker, 1900-1991] kam aus diesem Umfeld, Jünger [Ernst Jünger, 1895-1998] … Alfred Kurella [Kommunist, 1895-1975], Stichwort ist der „Freideutsche Jugendtag“ auf dem Hohen Meißner bei Kassel.“ (S.31)

Arno Breker in seinem Atelier, undatiert

Arno Breker in seinem Atelier, undatiert

Dieses interessante Zitat weist noch einmal auf die Bedeutung der Jugendbewegung für die Kultur einer ganzen Generation, nämlich der Jahrgänge ab 1885 bis etwa 1910, hin. Es steht außer Frage, daß hier von einem tiefen kulturellen Einfluß gesprochen werden muß, der die Biographien der Jugendbewegten nachhaltig prägte. Es zeigt sich zudem, daß diese Prägung in erster Linie eine apolitische, gemeinschaftliche und im besten Sinne des Wortes, schwärmerische war. Die spätere Politisierung im Sinne völkischer, national-revolutionärer oder kommunistischer (internationalistisch und abstrakt klassenbezogenes Verständnis von Gemeinschaft) Ideologie, kam natürlich nicht von ungefähr, waren doch die Motive „Gemeinschaft“, „Suche“, „Erlebnis“ in der Jugendbewegung grundgelegt und konnten politisch aufgeladen werden.

Auch wenn die Jugendbewegung ein Phänomen der Vergangenheit ist und nicht mehr reaktiviert werden kann, bleibt sie doch Bezugs- und Anhaltspunkt für die Rechte in Deutschland. Man darf ruhig den Gedanken anstellen, ob die Schwachsinnsüberflutung und der geistlose Phlegmatismus, dem die Jugend der Gegenwart ausgesetzt ist, grenzenlos und unüberwindlich ist.

© Siegling, Oktober 2006


Im Blickfeld der Neuen Rechten: Die deutsche Jugend- und Jugendbewegung – Zeitschriftenrezension und Replik: Sezession „Jugend“ (Heft 15, Oktober 2006)

Der Zeitschrift Sezession [www.sezession.de], die als rechtsintellektuelles Publikationsprojekt aus dem Umfeld der Wochenzeitung Jungen Freiheit stammt, ist es gelungen, sich erfolgreich gegen den Zeitgeist zu stellen und sich einen größeren Leserkreis zu erobern. Sie wird 2007 erstmals in 6 Ausgaben erscheinen. Merkmal der Zeitschrift ist einerseits ihr hohes Niveau (zahlreiche Wissenschaftler und namhaften Publizisten konnten als Autoren gewonnen werden), andererseits eine Themenzentrierung, die den Autoren eine Fragestellung vorgibt.

War schon das Heft 11 (Oktober 2005) höchst beachtlich [vgl. Siegfried Gerlich: Die Religion Wagners, S.28-33], so ist mit dem Heft „Jugend“ ein weiterer Höhepunkt in Gestaltung und Auseinandersetzung gelungen. Da die Jugendbewegung für die deutschen Autoren dieser Seite von großem Interesse ist und bleiben wird [vgl. Vigrid: Die deutsche Jugendbewegung, Oktober 2006] und die Sezession richtungweisend im Hinblick auf die Bildung von notwendiger Alternativmedien zu den gleichgeschalteten, dem liberalen Zeitgeist verpflichteten, BRD-Medien ist, möchte ich eine Rezension beisteuern. 

Das Autorenportrait über Hans Blüher (1888-1955) [Martin Lichtmesz: Autorenportrait Hans Blüher, S. 2-7. Mit Bibliographie im Anhang] informiert über den Chronisten, Vordenker und Wandervogel der ersten Stunde (seit 1902), der bisher kaum Thema wissenschaftlicher Auseinandersetzung war. Blüher, der ein reichhaltiges Schrifttum hinterlassen hat, das durch „sein kraftvolles, zupackendes Deutsch[S.2] bestach, widmete sich vielen Themen, darunter ist auch eine ureigen Blühersche Deutung des Männerbundes, den er als Kulturform im Wandervogel verwirklicht sah. Bereits zu Lebzeiten erregten seine Werke viel Widerspruch, insbesondere weil Blüher den männlichen Eros im jugendbewegten Sinn thematisierte und diesem eine bundesgründende und bundestätige Seite („magische Bindekraft“) zuschrieb.

Seine Idee wurde aufgrund ihrer Nähe zur Homosexualität scharf kritisiert. Martin Lichtmesz, der Blühers Lebensweg mit viel Gespür für die Ideen und Themen der Zeit nachzeichnet, geht dezidiert auf das Schrifttum und seine Theorien ein. Im Wandervogel sah Blüher einen archaischen Zug, eine Rückkehr zur ursprünglich mythischen Naturauffassung und Durchdringung. Die Wandervögel, „die sich im anarchisch-archaischen Rausch mit Gitarren bewaffnet in die deutsche Wildnis schlugen, um die Götter der Landschaft mit der Seele zu erobern“ waren für Blüher Träger eines „dionysischen Aufstandes [S.3], der zur Reinigung der Gesellschaft führen sollte. Blüher, und dies macht der Autor deutlich, gehörte zu den scharfen Kritikern des Massenmenschs und griff die Linke im Kaiserreich an, die nun mit fadenscheinigen Gründen in die Jugendbewegung drängte. Seine Überzeugung, daß sich die Jugendbewegung nicht auf Massen, sondern auf Standesbewußtsein zu gründen habe, gipfelte in der heute immer noch als genuin ‚rechts’ aufgefaßten Feststellung, daß der „schöpferische Mensch stets Distanz zur Masse halte [S.5].

Von besonderem Gewicht ist der dem Portrait folgende Aufsatz, der sich mit der Ikonographie der Jugendbewegung auseinandersetzt, die zu Recht als eine ihrer bestimmenden Ausdrucksformen gewürdigt wird. Karlheinz Weißmanns Aufsatz [Karlheinz Weißmann: Ikonen der Jugendbewegung, S.8-14. Als pdf-Datei auf www.sezession.de erhältlich] widmet sich natürlich den Bildern Hohe Wacht und Lichtgebet (beide 1913) des völkischen Künstlers Fidus (Hugo Höppner, 1868-1948). Beide sind äußert populär geworden und besitzen noch heute einen hohen Stellenwert in der Rechten, wobei vielen unbekannt ist, wie eng diese Werke mit der Jugendbewegung verbunden sind. So wurden sie anläßlich des Ersten Freideutschen Jugendtags (11. bis 13. Oktober 1913) mit ca. 3000 Teilnehmern auf dem Hohen Meißner, gestaltet. Das Fidusbild Hohe Wacht (in Sezession abgedruckt) vermittelt, wie vielleicht kein zweites, den Anspruch der Jugendbewegung als stolze, aufstrebende, bindungskräftige und wehrhafte Bewegung zu wirken.

Um dies auszudrücken arrangierte Fidus eine Gruppe nackter und schwertgegürteter junger Männer, deren Blick zum Himmel gerichtet ist. Ihre Nacktheit ist möglicherweise den Ideen der Lebensreform geschuldet, einer um die Jahrhundertwende wirkenden Strömung, die in ihrem Streben, den Menschen wieder zu einer natürlichen Lebensweise zurückzuführen, der Nacktheit unverfälschte Schönheit und Gesundheit zusprach.

Die mit Eichenlaub spielenden jungen Frauen ergänzen auf dem Bild die Darstellung der Männergruppe und verweisen durch ihren Schmuck (Swastika-Halsband, Schlangen-Armreif) auf heidnische Motive. FidusHohe Wacht zierte die Festschrift zum Meißner-Tag von 1913 [Artur Kracke (Hg.): Freideutsche Jugend. Zur Jahrhundertfeier auf dem Hohen Meißner. Mit einem Bild von Fidus. 1913] und darf zu recht als Ikone der Jugendbewegung gelten. Dies trifft sicher auch auf das noch weitaus bekanntere Werk Lichtgebet zu. Fidus hatte die 6. Fassung seines Bildes für den Meißner-Tag erarbeitet, das dort als Postkarte angeboten wurde. Die Hintergründe des Werkes und die des Meißner-Tages erläutert Weißmann kurz und prägnant. Damit ist seine Darstellung jedoch nicht abgeschlossen, sie widmet sich auch den Werken von A. Paul Weber (1893-1980, Marschierende Kolonne, 1930). Dessen Werk Der Führer (1929), das einen Speer tragenden Jugendführer darstellt, ist auf dem Umschlag des Heftes abgedruckt. Weißmann geht auch auf den ideellen Einfluß des Rittertums und der Ritterlichkeit als charakterbildender Haltung in der Jugendbewegung ein, den er insbesondere an der Zeitschrift der Bündischen Jugend Weißer Ritter (gemeint ist St. Georg) festmacht.

Er zitiert dabei den Wortführer der Neupfadfinder Martin Voelkel (1921): „Entscheidend ist nur: daß in aller Stille die deutsche Jugend die natürliche Form ihres Jugendlebens findet und sie organisch in das Volksleben eingliedert, nämlich Jungmannschaft als Kampfbahn und Heimat des eingebornen Rittertums; daß diese Ritterschaft ihre Sendung erfüllt, indem sie das deutsche Schicksal entschlossen bejaht (...) und aufbricht für das heilige Reich; und daß sie dies tut, weil sie die Gnade erkoren und zum Hüter des Grals bestellt: weil sie dem neuen Menschenbild, dem Weißen Ritter, in Zucht und Treue dient“ [S.11].

Fidus: Lichtgebet – eine deutsche Ikone

Das Lichtgebet ist das vielleicht bekannteste und populärste Bild der völkischen Bewegung. Es hat seine Strahlkraft bis heute erhalten. Fidus schuf das Bild in elf Fassungen und verschiedenen Techniken, auch brachte er von Fassung zu Fassung verschiedene Änderungen an. Auf Postkarten reproduziert, erlangte das Lichtgebet massenhafte Verbreitung; viele Angehörige der Jugendbewegung fanden sich in diesem Bildmotiv wieder, das Naturnähe, Körperlichkeit und eine naturreligiöse Grundhaltung ausdrückte. Die bekannteste Fassung entstand 1922: Öl auf Leinwand mit den Maßen 168x119 cm.

Fidus | Das Lichtgebet (1922)

Fidus. Das bekannteste Lichtgebet.
Ölgemälde (1922)


Fidus | Das Lichtgebet

Fidus. Lichtgebet: spätere Fassung.
Änderung der Perspektive


Fidus | Das Lichtgebet | Zeichnung

Fidus. Das Lichtgebet.
Zeichnung

Einige Anmerkungen zum Autor, dem Historiker Karlheinz Weißmann (geb. 1959), der mitunter als Kopf der „Neuen Rechten“ bezeichnet wird. Dieser hat sich insbesondere auf dem Feld der Symbolkunde einen Namen gemacht und hier erstaunliches geleistet. Hinzuweisen ist auch auf seine Studien über historische Männerbünde, die auch die Jugendbewegung berühren [Karl-Heinz Weißmann: Schwarze Fahnen, Runenzeichen. Die Entwicklung der politischen Symbolik der deutschen Rechten zwischen 1890-1945. Diss. Düsseldorf 1991; Mythen und Symbole. Dresden 2002; Männerbund. Schnellroda 2004; Das Hakenkreuz. Symbol eines Jahrhunderts. Schnellroda 2006]. Einen Einblick in sein politisches Verständnis und eine Bewertung der aktuellen politischen Lage bietet ein 2006 erschienenes Gespräch mit dem Autoren der Jungen Freiheit, Götz Kubitschek [Götz Kubitschek (Hg.): Unsere Zeit kommt. Im Gespräch mit Karl-Heinz Weißmann. Schnellroda 2006].

Unter den 13 Beiträgen die die Sezession 15 bietet möchte ich noch zwei weitere herausheben: Den Aufsatz über Kindheit und Jugend in den traditionellen Gesellschaften (bezogen auf männliche Nachkommen bei den Germanen) und die werkbiographische Skizze über den Soziologen Gunnar Heinsohn [Hans Peter Hasenfratz: Kindheit und Jugend in den traditionellen Gesellschaften, S. 16-20; Thomas Vieweg: Gunnar Heinsohn: eine werkbiographische Skizze, S. 24-28].

Mit Hasenfratz konnte die Zeitschrift einen Religionswissenschaftler ersten Ranges gewinnen, der meines Erachtens den besten und stichhaltigsten Überblick über die germanische Religionsgeschichte geschrieben hat, der leider z.Z. vergriffen ist [Hans Peter Hasenfratz: Die religiöse Welt der Germanen. Ritual, Magie, Kult, Mythus. Freiburg i.B. 1992. 4. Auflage 1999. Vgl. insbesondere Kap. V „Zauber“ zu den Spruchzaubern und Kap. VI „Die Mächte“ zu den Göttern der Germanen]. Hasenfratz exemplifiziert das Jugendalter der Tradition anhand der Germanen (Wikinger) und bietet tiefe Einsichten in die Zusammenhänge zwischen Stellung des männlichen Kindes, Erziehung, Wertevermittlung und Adoleszenz. Es überrascht nicht, daß die Vermittlung eines kriegerischen Ethos bei den Germanen vorrangig war [vgl. ebenda], jedoch zeichnet der Autor ein differenziertes Bild, das insbesondere die Übergänge von Kindheit zum Mannesalter darstellt.

Die „bloße Geburt [S.18] macht ein Neugeborenes noch nicht zum Mitglied der Gemeinschaft, sondern Hasenfratz stellt ein besonderes germanisches „Adoptionsritual[ebenda] vor, nämlich die Aufnahme des Kindes von Boden und die darauf folgende Schoßsetzung (Kind wird dem Vater auf den Schoß gelegt) mit der die legitime Aufnahme in die Gemeinschaft verbunden ist. Der Jüngling war in Island (Hasenfratz zieht die altisländischen Quellen heran) mit 12 Jahren mündig und durfte bewaffnet zum Thing (Stammesversammlung aller waffenfähigen Männer) reiten. Diese Zäsur, mit der die Kindheit allgemein endete, war gleichzeitig ein Schritt in die Welt der Männer, die mit dem Anschluß an eine Gefolgschaft begann. Hier kann man einerseits an einen Königshof, andererseits eine Wikingerverband denken, die auf Raubzüge ausfuhr. Beide Sozialsysteme waren männerbündisch organisiert und als „Kult- und Lebensgemeinschaft“ zu verstehen. Zum spirituellen bzw. religiösen Hintergrund dieser Gemeinschaften äußert sich Hasenfratz ganz dezidiert: Diese werden durch ein „Aufnahmeritual konstituiert“, ihr „Initiations- und Kultgott ist Odin: ‚Hängegott’ (hanga guđ) und, als Kriegs- und Totengott, Anführer des ‚wilden Heeres’“ [S.19].

Mit Thomas Viewegs Skizze (mit Interview) zur wissenschaftlichen Vita des Soziologen Heinsohn wird einem Denker Raum gegeben, der trotz seiner Einbindung in den Wissenschaftsbetrieb, teilweise verblüffende Thesen in den wissenschaftlichen Diskurs einführte. Heinsohn ist insbesondere mit seiner Erklärung der Hexenverfolgung bekannt geworden [Gunnar Heinsohn und Otto Steiger: Die Vernichtung der weisen Frauen. Beiträge zur Theorie und Geschichte von Bevölkerung und Kindheit. 5. Aufl. München 1989]. Da der Hinweis auf diese bedeutende Monographie des Autorenpaares Heinsohn/Steiger fehlt, aber meines Erachtens für den Stellenwert des Soziologen außerordentlich wichtig ist, einige Anmerkungen zu dieser: Heinsohn behauptet, die Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit (16. und 17. Jht.) habe einen staatspolitischen Hintergrund. So hätten die Befürworter der Hexenverfolgung, darunter Teile der Kirche (Hexenbulle des Papstes von 1484) und weltliche Größen wie der Staatstheoretiker Jean Bodin (1530-1596) das teuflische, verderbte und gemeingefährliche Element in der Hexerei vor allen anderen in dem Wissen um Schwangerschaftsverhütung gesehen, das – dem gemeinen Volk frei zugänglich – von „weisen Frauen“ ausgeübt worden sei. Diesen hätten nicht nur über dieses Wissen verfügt, sondern dieses flächendeckend durch Tränke, Salben und Techniken angewandt und damit den Territorialherren durch Geburtenkontrolle enormen Schaden zugefügt (Anzahl der Untertanen = Macht). Da die „weisen Frauen“, die „Hexen-Hebammen“ [vgl. S.25ff.] auch um das Wissen halluzinogener Drogen verfügt hätten, wäre mit der Hexenverfolgung als „Ausrottung der weisen Frauen“ auch diese Drogensubkultur ausgerottet worden, ergo ging das Wissen um halluzinogene Drogen auf natürlicher Basis in der Breite des Volkes genauso verloren wie das in erster Linie als verfolgungswürdig angesehene Wissen um die Schwangerschaftsverhütung bzw. –abbruch, so daß die Geburtenrate bis zur Frühindustrialisation rapide anstieg.

Der französische Staatstheoretiker Bodin, dessen Schrift „De la démonomanie de sorciers“ (Von den dämonischen Umtrieben der Zauberer, 1580 Paris) im Mittelpunkt von Steigers und Heinsohns Auseinandersetzung steht, hätte dieses unheilige Wesen erkannt und zeitgemäß das Hexenwerk als teuflische Verhinderung der Fortpflanzung bekämpft. Dem ist entgegenzuhalten, daß die „weise Frau“ als Hexe ein Konstrukt ist und ein festgesetztes Hexenstereotyp (alte, schutzlose, wissende Frau in Außenseiterposition) voraussetzt. Zwar betont das Autorenduo, daß nicht ein Geschlecht, sondern ein Wissen verfolgt worden wäre, jedoch fehlt für die Annahme, die Opfer der Hexenverfolgung wären „Weise Frauen und Männer“ gewesen, jede numerische Basis. In der Tat haben unzählige Regionalstudien der Hexenverfolgung ab den 1980er Jahren herausgefunden, daß es dieses Hexenstereotyp nur in den ersten Wellen oder gar nicht gab, vielmehr machten die Opfer – mit Schwerpunktbildung – alle Schichten, Geschlechter und Alterstufen aus. Aus diesen Fällen anhand der Prozeßprotokolle „subversiv Wissende“ unter den Verfolgten herausfinden zu wollen, ist ein vergebliches Unterfangen. Nicht geheimes Wissen oder die Stellung als „weise Frau“ waren ein Risikofaktor, sondern eine Vielzahl anderer Gründe konnte den Vorwurf der Hexerei nach sich ziehen. Trotz diesen Einwands kann die Studie von Steiger und Heinsohn als interessanter Beitrag zur Hexenforschung betrachtet werden, die sich wie andere Forschungszweige der Historiographie damit abfinden muß, daß es eine Monokausalität so nicht gibt.

Ebenso interessant sind Heinsohns religionswissenschaftlichen Studien zum Opfer als kultureller Zentralhandlung und seine Analyse der NS Ideologie und dem ideengeschichtlichen Zusammenhang zwischen Opfer und Judenverfolgung, die er in zwei Werken niedergelegt hat [Gunnar Heinsohn: Die Erschaffung des Göttlichen. Das Opfer als Ursprung der Religion. Reinbek bei Hamburg. 1997; Warum Auschwitz? Hitlers Plan und die Ratlosigkeit der Nachwelt. Reinbek bei Hamburg 1995]. Ob diese kühnen Thesen in letzter Konsequenz zutreffend sind, sei dahingestellt, aber sie bereicherten die Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen. Thomas Vieweg arbeitet in seinem gut lesbaren Aufsatz die Kernthesen Heinsohns heraus, so dessen Idee vom Opfer als Ursprung der Religion. Heinsohns religionsgeschichtlicher Deutung folgend, ist die Urform der Religion erst in der Bronzezeit entstanden. Hintergrund dieser Entstehung sei die Verarbeitung und Bewältigung von erschütternden Naturerfahrungen.

weitere Beiträge (Auswahl):

Götz Kubitschek: Erziehungsdebakel und Systemfrage, S.36-38.
Erik Lehnert: Jugend in der DDR – War nicht alles schlecht?, S.40-42.
Josef Daum: Jugend als Waffe – Die Kindersoldaten auf dem Marsch, S.42-44.
Karlheinz Weißmann: Die Langemarck-Halle, S.44-46.
Galleria Thule Italia: Hugo Hoppener (Fidus)

© Siegling, Dezember 2006

Fidus Schwertwache

Fidus Schwertwache


Zentrum zur Erforschung der Indoeuropäischen Traditionen “AION”


Andrej Kondratjew


Herman Felix Wirth und die “Ura-Linda-Chronik”
(Aus dem Vorwort zur russischen Ausgabe)

Herman Wirth
Herman Wirth


Die Wandervögel

In Holland war Wirth der hauptsächliche Inspirator der Jugendbewegung „Landbond der Dietsche Trekvogels“. Es war dies die niederländische Entsprechung zur deutschen Bewegung der „Wandervögel“, mit der er bereits zur Zeit seines Wintersemesters in Leipzig (1908) zusammengearbeitet hatte.[1] Es gilt darauf hinzuweisen, daß es im Jahre 1920, als Wirth den Entschluß zur Gründung der erwähnten holländischen Organisation faßte, in Europa bereits viele solcher Gruppierungen gab. Zahlreiche freie friesische Burschenverbände, begeisterte Wanderer und mythische Heimatkundler hatten sich der Idee des Volkes und des Völkischen verschrieben; insgesamt gaben sie ein äußerst buntscheckiges Bild der verschiedensten Weltanschauungen ab. Unter ihnen gab es sowohl faschistische als auch sozialistische, sowohl christlich-gnostische als auch heidnische Strömungen.

Der „Landbond der Dietsche Trekvogels“ war eine Vereinigung junger Romantiker, die zur nationalen Archaik zog. In der Wandervogelbewegung äußerte sich diese Tendenz darin, daß junge Patrioten anstatt die prunkvollen Feiern der Wilhelminischen Epoche – beispielsweise zum Jahrestag der Schlacht von Sedan – ausschließlich jene Feiertage begingen, die von den alten Germanen abstammten, wobei die alte heidnische Sommersonnenwende besondere Achtung genoß.


Die Rituale der Sonnenwende

Dieses Ritual ging nicht nur auf die heidnische Zeit zurück, sondern konnte auch im Licht des gnostischen Dualismus gedeutet werden, laut dem sich zwei Welten gegenüberstehen – die Welt des Lichten (des Feuers) und die Welt der Finsternis (des Eises und der Kälte). Außerdem ließen sich zahlreiche megalithische Heiligtümer, zu denen germanische Mystiker, Heimatforscher und Neoromantiker oft Forschungsreisen unternahmen, im Lichte der Sommersonnenwende deuten. Die Sommersonnenwende war der Punkt der kosmischen Wende, nach welcher der lichte Raum des germanischen Tages der aufziehenden Nacht zu weichen begann, der Zeit der großen Erwartungen und seherischen Erlebnisse.

Die Rituale der Sommersonnenwende waren für das ganze neuheidnische Europa feste Größen. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die nativistischen Rituale der Sommersonnenwende folgendermaßen abliefen: An einem zuvor ausgewählten Heiligtum (meist in einem Hain oder bei den Ruinen eines alten heidnischen Tempels) wurde ein nächtliches Feuer entzündet. Um dieses herum erfolgten die Zeremonien, wurden geistig bedeutsame Texte vorgelesen, wurden romantische Überlieferungen über die heldenmütige alte Zeit, die Größe der germanischen Altvorderen etc. erörtert. Danach, wenn sich das Gespräch seinem Ende zuneigte, entbot die Gemeinde jugendlicher Wanderer einen feierlichen Gruß, legte einen Treueeid ab und weihte sich dem Feuer; man sprang durch das Feuer, reichte lodernde Fackeln von Hand zu Hand weiter oder beschränkte sich darauf, das Feuer in tiefe Meditation versunken zu betrachten. Manchmal, wenn das Ritual besonders erhaben sein sollte, wurde von einem Hügel ein feuriges Rad herabgerollt – ein mit Stroh umflochtener hölzerner Reifen oder etwas Ähnliches.

Das Flammenrad bedeutete nicht nur die „alte, sich drehende Sonne“ oder das Rad der Zeit, sondern auch das Verbrennen der alten Welt im Namen einer neuen, erneuerten. Diese Rituale waren keine neumodische Erfindung, sondern ließen sich tief in die germanische Vorzeit zurückverfolgen. Nach archaischen Vorstellungen verlieren Raum und Zeit in einer kritischen Situation, am Berührungspunkt zwischen dem alten und dem neuen Jahr, ihre frühere Struktur und „trennen“ sich so, daß nur ein zu einem Gesamten verschmolzener räumlich-zeitlicher Punkt übrigbleibt, in dem alles Widersprüche ihre Auflösung finden und der zum Keim des künftigen Raums und der künftigen Zeit wird, die in jedem neuen Schöpfungszyklus aufs neue geschaffen werden.[2]

Hiermit war das Ritual freilich noch nicht zu Ende. Nach dem Herabrollen des brennenden Rads sangen die jungen Männer Volkslieder, die Mädchen tanzten im Reigen, wobei die Richtung ihrer Bewegungen (in Sonnenrichtung oder in Gegensonnenrichtung) von jener Literatur oder jener Tendenz des altgermanischen Heidentums abhing, an der sich diese oder jene Gemeinschaft orientierte. In der Regel waren dies Bücher der frühen deutschen Romantiker, Ariosophen oder anderer völkisch gesinnter Autoren. Besondere Popularität genossen die Werke Paul de Lagardes, in denen die Grundgedanken des germanischen Glaubens dargelegt wurden (es handelte sich um eine Art von völkischem Katechismus). Auf diese Weise floß die Mystik nahtlos in die Germanistik über und die Germanistik in einen präzis ausgedrückten, wenn auch nicht immer zielgerichteten politischen Willen.


Der politische Vitalismus

Die von Wirth geleitete Sektion der Wandervögel war in erster Linie mystisch-anarchistisch gesinnt, auch wenn in ihr Momente nicht fehlten, die man nachträglich als „faschistisch“ einstufte. Wahrscheinlich war daran so viel „Faschistisches“ wie an dem niederländischen Volkslied[3], für dessen Wiedergeburt sich Herman Felix Wirth in jenen Jahren einsetzte... Er selbst hat die Wandervogelbewegung übrigens ohne allzu überschwengliche Illusionen und ohne überbordenden Enthusiasmus so charakterisiert: „Sie war ein zeitbedingter tiefenpsychologischer Durchbruch allgemein völkischen Typs ..., mittels dessen man den Geist seines Volkes und seiner Heimat zurückgewinnen wollte. Ihr geistiges Gerüst bildeten die Edda, Goethes Faust und Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra.“ Mit Laute und Ranzen, mit einem fröhlichen Volkslied aus dem Bändchen „Zarathustra“ begaben sich die jungen auf die Reise, verließen die unerträglich gewordenen Großstädte mit ihrer bürgerlichen Langeweile, ihrer kosmopolitischen Gesichtslosigkeit und ihrer Leblosigkeit im buchstäblichen und im übertragenen Sinne.

Sie zogen durch die Wälder, gingen zu den Dorfbewohnern, feierten mit ihnen zusammen die Sommersonnenwende und die Tag- und Nachtgleiche, erfreuten sich an der Natur und an der unerschöpflichen Tiefe des Volksgeistes. Die städtische Industrie, die Mechanik der Geschäftsbeziehungen, die Berechnung von Vorteilen sowie das nüchterne Kalkül – all dies verachteten die Wandervögel von ganzem Herzen. Rationalität war für sie gleichbedeutend mit Tod, die Finanzordnung ein Synonym für die Intrigen der Zinswirtschaft, welche gesunden Nationen ihren Lebenssaft aussaugte und nichts als leere Hüllen aus Eisenbeton zurückließ. „Das Leben ist das Erste und das Letzte. In der Geschichte geht es immer um das Leben und nur um das Leben, um den Triumph des Willens zur Macht, und nicht um den Sieg von Wahrheiten, von Erfindungen oder des Geldes.“[4] Stets, in allen Jahrhunderten, erwiesen sich die Gesetze des Lebens als stärker wenn ausgeklügelte Schemen, als eine von außen aufgezwungene Ordnung, der ein Mythos und ein Geheimnis fehlen. Das Leben ist stärker als jede beliebigen Gegenzeichnungen. Deswegen ist alles nicht Erlebte und Erfühlte sinnlos, mechanistisch und vom lebendigen Quell der Lebenskraft abgetrennt.



[1] Herman Wirth Vom Ursprung und Sinn des Hakenkreuzes. // Germanien, Heft 6, Leipzig, Juni 1933, S. 162.

[2] W. N. Toporow, О ритуале. Введение в проблематику. [Vom Ritual. Einführung in die Problematik]. // W. N. Toporow, Исследования по этимологии и семантике. Т. 1: Теория и некоторые частные приложения. [Forschungen zu Etymologie und Semantik. Band 1: Theorie und einige private Hinzufügungen. .– М.: Языки славянской культуры [Die Sprachen der slawischen Kultur], 2005, S. 492.

[3] In späteren Jahren nahm Wirth eine recht bedeutende Einschränkung vor, die anschließend von vielen seiner Gegner aufgegriffen und wiederholt werden sollte. Sie bestand darin, daß Wirth in einem offenen Brief an den berühmten Theologen Rudolf Bultman behauptete, er habe den „Landbond der Dietsche Trekvogels“ als „Bewegung mit ausgeprägt nationalsozialistischer Aufgabe“ inspiriert (Herman Wirth, Antwort an Prof. Rudolf Bultman // Oberhessische Presse, Marburg, 14. 08. 1965). Uns scheint, daß dem „Landbond“ eine solche Aufgabe als eine neben anderen zwar in einer bestimmten Etappe seiner Geschichte erwachsen konnte, jedoch unter keinen Umständen schon zum Zeitpunkt seiner Gründung vorhanden sein und erst recht nicht seine Hauptaufgabe bilden konnte; daß das wichtigste Symbol der Organisation das Hakenkreuz war, ändert hieran gar nichts.

[4] Oswald Spengler. Der Untergang des Abendlandes, Bd. II, München, 1922, S. 635.


Andrej Kondratjew

Andrej Kondratjew – Übersetzer, Forscher für Religion und Mystizismus – stellt die russische Ausgabe der Ura-Linda-Chronik vor.


Der Buchumschlag der deutschen Ausgabe | 1934 Der Buchumschlag der russischen Ausgabe | 2007
Der Buchumschlag der deutschen
Ausgabe 1934
Der Buchumschlag der russischen
Ausgabe 2007


Alfred Rosenberg


Litauische Bauern begrüßen Rosenberg
Litauische Bauern begrüßen Rosenberg


Letzte Aufzeichnungen

<…> Eine Opposition gegen das offizielle konservativ-nationalliberale Deutschland meldete sich nur in der Sozialdemokratie. Auch einzelne nationalistische Persönlichkeiten traten als Warner auf. Wenn ich hier von Nietzsche absehe, der eine Krisis der gesamten Kulturwelt voraussah, sich aber nicht konkreter mit deutschen Fragen befaßte, so war es vor allem Paul de Lagarde, der seine warnende Stimme erhob: ein Fachgelehrter für Orientalistik, aber ein glühender, unbefangener Patriot. Er schrieb heftig, das Reich sei ja gar nicht aus Blut und Eisen, sondern aus Lehm und Eisen gemacht. Die gesellschaftlichen Zustände, die Presse-Reptilienfonds, die Herrschaft des Bankwesens, seien alles andere, als hoffnungserweckend. In seinen „Deutschen Schriften“ hatte Lagarde sein – von der Mitwelt meist überhörtes – Vermächtnis niedergelegt. In einem gewissen Sinn war auch der Bayreuther Gedanke ein lebendiger Protest gegen ein oberflächlich werdendes Zeitalter, ein Versuch einer neuen kulturellen Grundlegung. H. St. Chamberlains Werk gehört als Gesamtheit hierher und hatte wesentliche geistige Linien für eine ganze Generation gezeichnet.

Hier aber entstanden auch Sondererscheinungen, welche nicht selten drohten, einen sektiererischen Charakter anzunehmen. Verschiedene Germanen-Bünde, Mitgard-Vereine, Forschergruppen für Vorgeschichte, richteten ihren Blick nicht nur wissenschaftlich in fernste Vergangenheit, sondern glaubten darüber hinaus, auch noch Formen verklungener Welten in einer neuen Zeit wieder lebendig machen zu können. Diese Erscheinungen waren nur möglich, weil weder das offizielle noch das oppositionelle Deutschland eine stets vorhanden gewesene Sehnsucht zu befriedigen vermochten. Denn: zweifellos waren die populären Vorstellungen über die europäische und germanische Vorgeschichte falsch. Die Theatergermanen waren eine Parodie auf ein schlichtes Bauernvolk der Vergangenheit. Schwerter und Schmuck frühester Zeit erwiesen eine hohe Kunstfertigkeit; die Wanderungen der Völker von Zentraleuropa nach Iran – Indien, Griechenland – Rom wurden durch das Erforschen der Geräte und Ornamente zur Gewißheit. Was einst die Sprachforschung entdeckt, aber nicht gedeutet hatte, wurde hier durch eine exakte Methode fest untermauert. Kossinnas Werk ist dabei bahnbrechend gewesen. In ihrem Gefolge aber kamen dann Männer, die zu phantasieren begannen, um manchen richtigen Gedanken spielerische Kombinationen rankten, so daß hier kritische Vorsicht immer wieder erneut notwendig war, um eine junge moderne politische Bewegung nicht mit Schwarmgeistern zu belasten. <…>

* * *

In diese romantische Bewegung gehört dann auch der Wandervogel. Der war eine echte Jugenderhebung gegen Staub und Asphalt der Großstadt; die Jugend begann sich die deutsche Heimat zu erwandern und innerlich anzueignen. Volkslieder wurden in Städterherzen lebendig, neue Weisen kamen hinzu. Zahlreiche Bünde wetteiferten miteinander.

Alles, was um Walter Flex und Gorch Fock sich scharte, gehörte irgendwie dazu. Daß der Wandervogel angesichts der großen Not nicht vorwärts wußte, ist kein Vorwurf; viele Bünde traten aber sehr bald wieder in Erscheinung, z. T. mit durchaus jungem, vorwärtsdrängendem Wollen.

Als einzige große bürgerlich-nationalistische Opposition ist dann nur der Alldeutsche Verband zu nennen, der große Verdienste um die Kenntnis der Volksdeutschen jenseits der Grenzen hatte und viele ausgezeichnete Menschen umfaßte (der Verleger I. F. Lehmann in München und sein Kreis gehörten ihm an). Ob er in der Vergangenheit außenpolitisch glücklich beraten war, vermag ich nicht zu beurteilen.

An Einzelpersonen, soweit ich mich dieser jetzt so fernen Zeit ohne chronologische oder literarische Unterlagen zu entsinnen vermag, waren folgende zu nennen. Rudolf John Gorsleben hatte eine durchaus gelungene Edda-Nachdichtung geschrieben. Er gab eine Zeitlang eine Wochenschrift „Deutsche Republik“ heraus, in der ich einige Aufsätze veröffentlichte. Ein stiller, sehr sympathischer Mensch, der dann ein dickes Buch über germanische Vergangenheit schrieb. Dabei hatte er verblüffende Gedanken; aber phantastische Wortspiele liefen nebenher, so daß ich mich fragte, wo der Ernst aufhöre und das unkritische Spintisieren beginne; ein Gefühl, das später beim Lesen des Hermann Wirthschen Buches wieder besonders lebendig wurde.

Ein anderes Mal sah ich Ellergard Ellerbeck neben Eckart sitzen. Verfasser verschiedener Romane. Die schöne, etwas nervöse Erscheinung, sah in sich eine kommende Größe. Ein Roman – ob von ihm oder einem Seelenverwandten, vermag ich eben nicht zu sagen – kursierte damals: „Sonne Sonnings Söhne auf Sonnensee“. „Da schnitten blonde Frauen unter blonder Sonne blonde Ähren…“ Es war leicht, derartige Dinge lächerlich zu machen, wie sie es als sektiererische Erscheinungen auch waren. Und doch war in dem allen ein echter Untergrund, ein Suchen, besser als manches, was sich in der Weltstadt brüstete und Schmutzerzeugnisse als deutsche Literatur anpreisen ließ.

Eine Hauptgefahr habe ich bei dieser Beschäftigung mit nicht immer klar erfaßbaren Problemen der Vergangenheit erblickt, die nicht selten auch in Reden zum Ausdruck kam. Man glaubte an ein ehemaliges, gleichsam goldenes Zeitalter, das nach und nach unter dem Ansturm fremder Gewalten verfiel. Unter diesem Gesichtspunkt einer pessimistischen Schau war die deutsche Geschichte ein Abstieg, ein Verfall aus einer „Hoch-Zeit der Menschheit“. So sehr der Schmerz über den 30jährigen Krieg und den Zusammenbruch von 1918 in unser aller Bewußtsein lebendig war, so riefen wir doch alle Energien der Hoffnung auf und begannen immer fester an eine neue Idee zu glauben und für sie zu wirken. Die Tatsache, daß nach einem Verfall, wie 1648, doch ein Weimar kam, Bach und Beethoven, Kant und Schopenhauer geboren wurden, gab uns die Hoffnung auf eine neue Wiedergeburt, und bei aller Liebe und Pflege der frühgeschichtlichen Forschung haben wir die Gegenwart nie mißachtet.

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Eine Persönlichkeit, die längere Zeit in der NSDAP wirkte, drohte gefährlich zu werden. Das war Dr. Artur Dinter. Er hatte einen vielgelesenen Roman verfaßt, glaubte sich aber zu einem neuen Reformator berufen. Er wollte Luthers Reformation vollenden und verfaßte „197 Thesen“, die diese Tat begründen sollten. Er trennte sich vom Alten Testament, betonte aber die Persönlichkeit des Stifters des Christentums. Damit verband er dann seine sogenannte Geistlehre mit spiritistischen Anschauungen. Er gründete später eine Gemeinde und unternahm zahlreiche „Missionsreisen“. Solange das persönliche Überzeugungssache blieb, konnte sie im Wettstreit der Meinungen mitgehen wie andere auch. Aber Dinter wollte in steigendem Maße, das stellte sich besonders nach 1926 heraus, die Partei selbst zum Schauplatz seiner Mission machen, sie gleichsam nach und nach auf seine Lehre amtlich verpflichten. Das führte dann einmal zum Bruch. Hitler hat sich von Beginn an gegen völkische Sektiererei gewehrt und sogar in Versammlungen manches sarkastische Wort gegen sie gebraucht. In seinem Buch ist er scharf von ihnen abgerückt. Auch die Vorgeschichte, die ich stets gepflegt habe, war ihm etwas verdächtig. Er sah im griechischen Tempel den Ahnherrn der europäischen Baukunst und nicht in den bescheidenen Hütten, welche die Vorgeschichte rekonstruierte. Mich interessierte aber hierbei vor allem die Tatsache, wieso die Griechen dazu gekommen waren, auf die runden Mauerreste der eroberten Burgen rechteckige Bauten zu setzen. Das wies auf den Bau des Holzhauses, das natürlich ein Rechteck ist. Und eben diesen Pfostenbau hatten die Griechen als Erbe aus dem Norden mitgebracht; aus ihm dann in Stein ihren Tempel entwickelt, d. h. ans dem Hauptstoff des eroberten Landes.

Auch die Herkunft des Hakenkreuzes gehört hierher. Früher als theosophisches Zeichen gebraucht, konnte erst die exakte Spatenforschung feststellen, daß die älteste Fundstelle in Siebenbürgen etwa 3000 Jahre v. Chr. liegt. Vom Norden wandert es als Heilszeichen nach Troja, wo Schliemann es in der 6. Schicht fand (und das Zeichen auf seinem Haus in Athen anbringen ließ). Auf griechischen Vasen erscheint es oft.

Es kommt nach Iran, nach Indien, wird ein heiliges Zeichen Buddhas und geht mit dem Buddhismus nach China und Japan. In anderer Marschrichtung kommt es nach Rom. Es ist auf Römerlanzen zu finden und in den Katakomben. In Germanien selbst wird es auf Schilde geschnitzt, zieht sich durchs Mittelalter auf Altardecken, Bischofsmützen, Holzschnitzereien. Bei Jahn tritt es auf. Die Baltikum-Freikorps zeichnen es auf den Stahlhelm. Es wird dann in die NSDAP übernommen, in die Fahne des Reiches bis 1945. Das Hakenkreuz ist also kein einseitig antijüdisches Symbol, sondern war gedacht als altüberliefertes Zeichen des aufsteigenden Lebens.

Dann kamen aus Westfalen und Sachsen Wanderpropheten. Der eine mit einem großen Rucksack. „Gebt mir Werbematerial und klärt mich auf“, sagte er. „Ich fahre gleich wieder in die Heimat und gehe von Dorf zu Dorf, um eure Drucksachen zu verschenken.“ Der andere holte ein schmutziges Manuskript heraus und sagte: „Wenn ich das verwirklichen könnte, wäre Deutschland gerettet.“ Dann liefen Briefe ein mit Ratschlägen, Programmen, Gedichten fortlaufend, alle Jahre hindurch; sie werden kaum aufbewahrt worden sein. Teilweise eine geistige Folterkammer und doch immer wieder: welch unterdrückte Liebe, die nur keine Wege wußte, sich auszusprechen, wieviel Not und Verzweiflung, die sich anklammern wollte! <…>

[Aus dem Buch: Alfred Rosenberg. Letzte Aufzeichnungen. Nürnberg 1945/46, Jomsburg-Verlag, Uelzen. 2. Auflage - 1996. ISBN 3-931637-01-8]


Adolf Hitler


Adolf Hitler


Deutschvölkische Wanderscholaren

<…> Wenn irgend etwas unvölkisch ist, dann ist es dieses Herumwerfen mit besonders altgermanischen Ausdrücken, die weder in die heutige Zeit passen, noch etwas Bestimmtes vorstellen, sondern leicht dazu führen können, die Bedeutung einer Bewegung im äußeren Sprachschatz derselben zu sehen. Das ist ein wahrer Unfug, den man aber heute unzählige Male beobachten kann.

Überhaupt habe ich schon damals und auch in der Folgezeit immer wieder vor jenen deutschvölkischen Wanderscholaren warnen müssen, deren positive Leistung immer gleich Null ist, deren Einbildung aber kaum übertroffen zu werden vermag. Die junge Bewegung mußte und muß sich vor einem Zustrom an Menschen hüten, deren einzige Empfehlung zumeist in ihrer Erklärung liegt, daß sie schon dreißig oder gar vierzig Jahre lang für die gleiche Idee gekämpft hätten. Wer aber vierzig Jahre lang für eine sogenannte Idee eintritt, ohne selbst den geringsten Erfolg herbeiführen zu können, ja ohne den Sieg des Gegenteils verhindert zu haben, hat den Wahrheitsbeweis für die eigene Unfähigkeit in vierzigjähriger Tätigkeit erbracht. Das Gefährliche liegt vor allem darin, daß solche Naturen sich nicht als Glieder in die Bewegung einfügen wollen, sondern von Führerkreisen faseln, in denen sie auf Grund ihrer uralten Tätigkeit allein eine passende Stelle zur weiteren Betätigung zu erblicken vermögen. Wehe aber, wenn man solchen Leuten eine junge Bewegung ausliefert! So wenig ein Geschäftsmann, der in vierzigjähriger Tätigkeit ein großes Geschäft konsequent vernichtete, zum Begründer eines neuen taugt, so wenig paßt ein völkischer Methusalem, der in eben dieser Zeit eine große Idee verkorkste und zum Verkalken brachte, zur Führung einer neuen, jungen Bewegung! Im übrigen kommen alle diese Menschen nur zu einem Bruchteil in die neue Bewegung, um ihr zu dienen und der Idee der neuen Lehre zu nützen, in den meisten Fällen aber, um unter ihrem Schutz oder durch die Möglichkeiten, die sie bietet, die Menschheit noch einmal mit ihren eigenen Ideen unglücklich zu machen. Was aber das für Ideen sind, läßt sich nur schwer wiedergeben.

Es ist das Charakteristische dieser Naturen, daß sie von altgermanischem Heldentum, von grauer Vorzeit, Steinäxten, Ger und Schild schwärmen, in Wirklichkeit aber die größten Feiglinge sind, die man sich vorstellen kann. Denn die gleichen Leute, die mit altdeutschen, vorsorglich nachgemachten Blechschwertern in den Lüften herumfuchteln, ein präpariertes Bärenfell mit Stierhörnern über dem bärtigen Haupte, predigen für die Gegenwart immer nur den Kampf mit geistigen Waffen und fliehen vor jedem kommunistischen Gummiknüppel eiligst von dannen. Die Nachwelt wird einmal wenig Veranlassung besitzen, das Heldendasein dieser Rauschebärte in einem neuen Epos zu verherrlichen.

Ich habe diese Leute zu gut kennengelernt, um nicht vor ihrer elenden Schauspielerei den tiefsten Ekel zu empfinden. Auf die breite Masse aber wirken sie lächerlich… Dabei sind diese Menschen noch maßlos eingebildet, wollen, trotz aller Beweise ihrer vollkommenen Unfähigkeit, alles besser verstehen und werden zu einer wahren Plage für die geradlinigen und ehrlichen Kämpfer, denen Heldentum nicht nur in der Vergangenheit verehrungswürdig erscheint, sondern die sich auch bemühen, der Nachwelt durch eigenes Handeln ein gleiches Bild zu geben.

Auch läßt es sich oft nur schwer unterscheiden, wer von diesen Leuten aus innerer Dummheit oder Unfähigkeit handelt, oder wer aus bestimmten Gründen nur so tut. Besonders bei den sogenannten religiösen Reformatoren auf altgermanischer Grundlage habe ich immer die Empfindung, als seien sie von jenen Mächten geschickt, die den Wiederaufstieg unseres Volkes nicht wünschen. Führt doch ihre ganze Tätigkeit das Volk vom gemeinsamen Kampf gegen den gemeinsamen Feind weg, um es statt dessen seine Kräfte in ebenso unsinnigen wie unseligen inneren Religionsstreitigkeiten verzehren zu lassen. Gerade aus diesen Gründen aber ist die Aufrichtung einer starken Zentralgewalt im Sinne der unbedingten Autorität der Führung in der Bewegung nötig. Nur durch sie allein kann solchen verderblichen Elementen das Handwerk gelegt werden. Allerdings sind aus diesem Grunde die größten Feinde einer einheitlichen, stramm geführten und geleiteten Bewegung auch in den Kreisen dieser völkischen Ahasvere zu finden. Sie hassen in der Bewegung die Macht, die ihren Unfug steuert.

Nicht umsonst hat die junge Bewegung sich einst auf ein bestimmtes Programm festgelegt und das Wort „völkisch“ dabei nicht verwendet. Der Begriff völkisch ist infolge seiner begrifflichen Unbegrenztheit keine mögliche Grundlage für eine Bewegung und bietet keinen Maßstab für die Zugehörigkeit zu einer solchen. Je undefinierbarer dieser Begriff praktisch ist, je mehr und umfangreichere Deutungen er zuläßt, um so mehr steigt aber auch die Möglichkeit sich auf ihn zu berufen. Die Einschiebung eines derart unbestimmbaren und so vielseitig auslegbaren Begriffes in den politischen Kampf führt zur Aufhebung jeder strammen Kampfgemeinschaft, da diese es nicht verträgt, dem einzelnen die Bestimmung seines Glaubens und Wollens selbst zu überlassen.

Es ist auch schandbar, was sich heute alles mit dem Wort „völkisch“ auf der Kappe herumtreibt, wieviel Leute ihre eigene Auffassung aber diesen Begriff haben. Ein bekannter Professor in Bayern, ein berühmter Kämpfer mit geistigen Waffen und reich an ebenso geistigen Marschleistungen nach Berlin, setzt den Begriff völkisch monarchischer Einstellung gleich. Das gelehrte Haupt hat freilich bisher vergessen, die Identität unserer deutschen Monarchen der Vergangenheit mit einer völkischen Auffassung von heute näher zu erklären. Ich fürchte auch, daß dies dem Herrn schwer gelingen würde. Denn etwas Unvölkischeres als die meisten deutschen monarchischen Staatsgebilde kann man sich gar nicht vorstellen. Wäre es anders, sie waren nie verschwunden, oder aber ihr Verschwinden böte den Beweis für die Unrichtigkeit der völkischen Weltanschauung.

Kampfbewegung kann eine solche Vielfältigkeit der Meinungen nicht in Frage kommen.

Von der Weltfremdheit und besonders der Unkenntnis der Volksseele dieser völkischen Johannesse des zwanzigsten Jahrhunderts will ich dabei ganz absehen. Sie wird genügend illustriert durch die Lächerlichkeit, mit der sie von links behandelt werden. Man läßt sie schwätzen und lacht sie aus.

Wer es aber auf dieser Welt nicht fertigbringt, von seinen Gegnern gehaßt zu werden, scheint mir als Freund nicht viel wert zu sein. Und so war auch die Freundschaft dieser Menschen für unsere junge Bewegung nicht nur wertlos, sondern immer nur schädlich, und es war auch der Hauptgrund, warum wir erstens den Namen „Partei“ wählten – wir durften hoffen, daß dadurch allein schon ein ganzer Schwärm dieser völkischen Schlafwandler von uns zurückgescheucht würde, und warum wir uns zweitens als Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei bezeichneten.

Der erste Ausdruck brachte uns die Altertumsschwärmer vom Leibe, die Wortmenschen und äußerlichen Sprücheklopfer der sogenannten „völkischen Idee“, der zweite aber befreite uns von dem ganzen Troß der Ritter mit dem „geistigen Schwert“, all der Jammerlappen, die die „geistige Waffe“ als Schutzschild vor ihre tatsächliche Feigheit halten.

Es versteht sich von selbst, daß wir in der Folgezeit besonders von diesen letzteren am schwersten angegriffen wurden, natürlich nicht tätlich, sondern nur mit der Feder, wie dies von einem solchen völkischen Gänsekiel ja nicht anders zu erwarten ist. Für sie hatte freilich unser Grundsatz „Wer uns mit Gewalt entgegentritt, dessen erwehren wir uns mit Gewalt“ etwas Unheimliches an sich. Sie warfen uns nicht nur die rohe Anbetung des Gummiknüppels, sondern den mangelnden Geist an sich auf das eindringlichste vor. Daß in einer Volksversammlung ein Demosthenes zum Schweigen gebracht werden kann, wenn nur fünfzig Idioten, gestützt auf ihr Mundwerk und ihre Fäuste, ihn nicht sprechen lassen wollen, berührt einen solchen Quacksalber allerdings nicht im geringsten. Die angeborene Feigheit läßt ihn nie in eine solche Gefahr geraten. Denn er arbeitet nicht „lärmend“ und „aufdringlich“, sondern im „stillen“.

Ich kann auch heute unsere junge Bewegung nicht genug davor warnen, in das Netz dieser sogenannten „stillen Arbeiter“ zu kommen. Sie sind nicht nur Feiglinge, sondern auch immer Nichtskönner und Nichtstuer. Ein Mensch, der eine Sache weiß, eine gegebene Gefahr kennt, die Möglichkeit einer Abhilfe mit seinen Augen sieht, hat die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, nicht im „stillen“ zu arbeiten, sondern vor der Öffentlichkeit gegen das Übel auf- und für seine Heilung einzutreten. Tut er das nicht, dann ist er ein pflichtvergessener, elender Schwächling, der entweder aus Feigheit versagt oder aus Faulheit und Unvermögen. Der Großteil dieser „stillen Arbeiter“ aber tut meistens nur so, als ob er weiß Gott was wüßte. Sie alle können nichts, versuchen aber die ganze Welt mit ihren Kunststücken zu bemogeln; sie sind faul, erwecken aber mit ihrer behaupteten „Stillen“ Arbeit den Eindruck einer ebenso enormen wie emsigen Tätigkeit, kurz und gut, sie sind Schwindler, politische Schiebernaturen, denen die ehrliche Arbeit der anderen verhaßt ist. Sobald solch ein völkischer Nachtfalter sich auf den Wert der „Stille“ beruft, kann man tausend gegen eins wetten, daß er in ihr nicht produziert, sondern stiehlt, stiehlt von den Früchten der Arbeit anderer. <…>

[Aus: Adolf Hitler. Mein Kampf. Kap. 12. Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei]


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