Zur Psycho-Biologie der Identität


Detlev Promp


Dr. Pierre Krebs | Mut zur Identität

Mut zur Identität
Alternativen zum Prinzip des Gleichheit / hrsg. Von Pierre Krebs.
ISBN 3-922314-79-1
© Pierre Krebs, 1988

Wir leben einen politischen Bruch: der alte Streit zwischen ,rechts’ und ,links’, die soziale Frage betreffend, verliert an Kraft. Die offiziellen Rechten und Linken begeben sich zunehmend in eine ideologische Umarmung, der die politische auf dem Fuß folgt: sie haben Gemeinsamkeiten entdeckt, was den Fortbestand der sogenannten westlichen Zivilisation betrifft, und zwar vor allem in den negativ zu bewertenden Bereichen dieser Zivilisation, in den Bereichen ihrer machtstrukturellen, besonders ihrer egalitären, ökonomistischen und universalistischen ,Werte’.

Dieses Buch will etwas dagegen tun. Die einzelnen Abhandlungen zeigen auf, daß sich eine neue Trennungslinie entwickelt, zwischen den Anhängern des Kosmopolitismus und den Verfechtern der ethnokulturellen Identität. In unserer Zeit der Entfremdung von kultureller Schöpferkraft und Tradition eines Volkes ist es unerläßlich geworden, die Wurzeln der Identität, der geistigen Selbsterhaltung und Selbstentfaltung des Einzelnen sowie der verschiedenen Lebens- und Kulturgemeinschaften zu beschreiben, ferner eine Argumentationsbasis für eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Geist der Entmündigung, Auflösung und Zerstörung herzustellen.

Die neuen Streitgespräche über die Problematik der Einwanderung und der mehrrassischen, mehr- und mischkulturellen Gesellschaft, über den Verlust von kulturellem Erbe und der Tradition eines Volkes sowie über die technische Entwicklung werfen bezeichnenderweise stets als eine entscheidende Frage die nach der Identität auf. Auch die Bedrohungen auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiet stehen im Mittelpunkt der Identitätsdiskussion. Im Kampf gegen die universale Mischkultur muß man die nationalen europäischen Identitäten vereinigen, sie als einander ergänzend betrachten und sie nicht gegenüberstellen. Es gilt, die nationale Identität von oben (Europa) zu ergänzen und von unten (die Region) zu verankern. Mut zur Identität verficht das Modell einer heterogenen Welt homogener Völker, und nicht umgekehrt!


Der psychologische Identitätsbegriff meint die in sich und in der Zeit als beständig erlebte Einheit der Person. Er bezieht sich also auf das subjektive Bewußtsein eines Menschen von sich selbst. Dabei scheint der Mensch seiner Identität nicht von Anfang sicher zu sein. Vielmehr muß er sie, dem Psychologen Erik H. Erikson zufolge, im risikoreichen Prozeß des Heranwachsens erst entwickeln.

Für Erikson folgt die Entwicklung des Bewußtseins und des Verhaltens, wie alles organische Wachstum, dem „epigenetischen Prinzip“, d. h. einem genetisch vorgegebenen Wachstumsplan. Und genau wie Stoffwechselstörungen während der Schwangerschaft die Embryonalentwicklung nachteilig beeinflussen können, können Störungen im Prozeß des Heranwachsens die Ausbildung einer gesunden Persönlichkeit verhindern. Eine gesunde Persönlichkeit ist aber vor allem durch das „stabile Bewußtsein der eigenen Identität (Ich-Identität) gekennzeichnet.“ 1

Der Mensch entwickelt nach Erikson seine Identität aus einer „stufenweisen Integration aller Identifikationen“,2 wobei er sich als Kleinkind zunächst einmal mit seinen Eltern identifiziert3. Später treten Identifikationen mit anderen Personen und auch sozialen Rollen hinzu. Aus dem ,Ich möchte so sein wie ...’ wird bei sozialer Anerkennung ein ,Ich bin einer, der...’. Das subjektive Bewußtsein davon, was für einer man ist, ist die Ich-Identität. Diese ist jedoch kein bloßes Mosaik aus den einzelnen Identifikationen — ich bin Mann, Vater, Lehrer, Deutscher usw. usw., sondern, wie Erikson sagt, „hier hat das Ganze eine andere (Qualität als die Summe seiner Teile“.4 Hier muß alles zueinander passen und miteinander funktionieren. Ebensowenig wie eine Handvoll Zahnräder eine Uhr ist, stellen die einzelnen Identifikationen Ich-Identität dar. Erst ihr sinnvoll aufeinander bezogenes Zusammenwirken gibt dem Ganzen seine harmonische Eigenart und funktionale (Qualität. Wenn die Integration der einzelnen Identifikationen zur Ich-Identität („sich aufspeichernde Ich-Identität“5) nicht immer wieder glückt, dann haben wir neurotische Kinder, neurotische Jugendliche, neurotische Erwachsene. Und neurotische Erwachsene tragen als Identifikationsangebote für ihre Kinder, Zöglinge, Schüler usw. schon wieder den Keim für eine weitere Generation Gestörter in sich.

Dieser sich an dem evolutionären wie ontogenetischen Prinzip der stufenweisen Integration orientierende Identitätsbegriff berücksichtigt gleichermaßen die Umwelteinflüsse und die evolutionär festgelegten Kegeln ihrer Verarbeitung. Er eignet sich daher bestens für eine biologisch-anthropologische Betrachtung der zugrunde liegenden Mechanismen.

Identifikation erscheint in dieser Sicht nicht einfach als Lernen, sondern als Lernen nach Fahrplan. Der Fahrplan kann nur eingehalten werden, wenn auf den einzelnen Stationen alles bereitsteht, was zu einer reibungslosen Abfertigung nötig ist — und das wiederum hängt von den Eigenarten des Zuges ab. Das Bild verdeutlicht die biologischen Vorstellungen von der Personagenese: Die Eigenarten des Zuges sind die stammesgeschichtlich erworbenen Eigenschaften des Menschen. Sie sind arttypisch mit rassenspezifischen und individuellen Ausprägungen.

Der Fahrplan ist der ebenfalls stammesgeschichtlich vorgegebene Wachstumsplan, von dem abhängt, was wie zu welcher Zeit im Laufe der Ontogenese verarbeitet werden kann — und muß. Das zur Abfertigung Notwendige schließlich sind die Angebote der Umwelt, die zur rechten Zeit in der rechten Form da sein müssen, soll sich eine gesunde Persönlichkeit, soll sich Ich-Identität entwickeln. Der Mensch erscheint hier nicht als ,leerer Behälter’, in den die Umwelt nach Belieben hineinfüllen kann, was gerade zuhanden ist. Vielmehr ist er der Aktive, der aus seinen inneren Gesetzmäßigkeiten heraus bestimmt, was er wie in sein Wahrnehmungs- und Verhaltenssystem integriert. Dabei — und das ist es, was ihn verletzlich macht — ist er allerdings zu bestimmten Zeiten auf bestimmte Angebote angewiesen. Werden ihm diese vorenthalten, dann kann die Integration der einzelnen Identifikationen mißglücken. Insofern hängt die seelische Gesundheit, ein intaktes Nervensystem vorausgesetzt, hauptsächlich von den Umweltangeboten ab.

Um herausfinden zu können, welche Umweltangebote für eine gesunde Personagenese unabdingbar sind, müßten zwei Voraussetzungen gegeben sein: 1. Es muß idealtypisch bestimmt sein, was eine ‚gesunde Persönlichkeit’ ist; 2. Es müssen die inneren Gesetzmäßigkeiten bekannt sein, nach denen Umweltangebote verarbeitet und integriert werden.


Zu 1:

Gesundheit hat eine objektive und eine subjektive Seite. Objektiv beinhaltet der Begriff die Unversehrtheit und das störungsfreie Funktionieren und Zusammenspiel der Organe, subjektiv das Wohlbefinden des Menschen. Wendet man diesen Begriff auf die Persönlichkeit an, dann gibt es auf der subjektiven Seite keinerlei Probleme. Das Wohlbefinden in Form von Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen kann ohne weiteres als Merkmal der gesunden Persönlichkeit gelten. Sehr viel schwieriger ist es, objektiv festzustellen, ob der emotionale Bereich, ob die Ansichten, ob das Verhalten gestört sind. Bei einer organischen Krankheit ist es möglich, auch dann noch von einer Krankheit zu sprechen, wenn 95 % der Bevölkerung davon befallen sind. Wenn 95 % der Bundesdeutschen sich schämen würden, Deutsche zu sein, wäre das ein Zeichen für gestörte oder mißglückte Identifikation? Wie sollte man das objektiv bestimmen? Könnte man nicht sogar sagen, das sei doch ganz normal angesichts dessen, was wir über unsere Vergangenheit immer wieder zu hören bekommen? Nun, Diabetes bleibt eine Krankheit, egal wie viele davon befallen sind. Und die Scham, das zu sein, was man ist, darf ebenfalls unabhängig von der statistischen Norm als Störung bezeichnet werden, wenn man die positive Selbstbewertung der Einzelidentifikationen zum Maßstab für ihre geglückte Integration in die Gesamtpersönlichkeit macht. Damit würde man jedoch die subjektive und die objektive Ebene wiederum vermischen, und das ist nicht zulässig. An die objektive Seite kommt man nur heran, indem man — genau wie der Mediziner die Organe und deren Funktion — das menschliche Verhaltenssystem studiert.


Zu 2:

Die inneren Gesetzmäßigkeiten, nach denen Umweltangebote verarbeitet und integriert werden, sind im wesentlichen bekannt. Auch ihre Kenntnis beruht auf dem Studium des menschlichen Verhaltenssystems, das sich damit als Schlüssel für die Frage nach den Grundlagen der Identitätsbildung erweist.

Biologisch gesehen gehört der Mensch zu den Primaten. Er ist im Gegensatz zu seinen nächsten Verwandten nicht auf ein Leben in einem bestimmten Biotop spezialisiert, sondern als typischer Kosmopolit ein „Spezialist für Nicht-Spezialisiertsein“ (K. Lorenz). Diese Daseinsweise geht mit einigen Besonderheiten des Verhaltenssystems einher, die für unsere Fragestellung von größter Bedeutung sind. Arten, die auf das Leben in einem bestimmten Biotop spezialisiert sind, verfügen in der Regel über Verhaltenssysteme, die an die Lebensbedingungen in diesem Biotop angepaßt sind. Solche genetisch bedingten, im Nervensystem fest verschalteten Wahrnehmungsschablonen und Handlungsmuster werden als angeborene auslösende Mechanismen, kurz AAMs (Rezeptor-Seite) und Instinkthandlungen (Effektor-Seite) bezeichnet. Die erblichen Schaltungen des Verhaltenssystems können sich nur auf Aspekte der Umwelt beziehen, die über viele Generationen unverändert gleich bleiben. Oft beziehen sie sich auch auf die eigene Art. So sind vielfach AAMs für das Gegengeschlecht anzutreffen, die dann beim Männchen das Balzverhalten oder beim Weibchen Sprödigkeitsverhalten bzw. das Anzeigen von Paarungsbereitschaft auslösen. Die AAMs sorgen dafür, daß etwas als etwas erkannt wird, und sie geben im Nervensystem die der erkannten Situation angemessenen Handlungsimpulse, die in Form ererbter Koordinationen vorliegen, frei. Das ist das klassische Schema der Instinkthandlung. Nachzutragen ist, daß die einzelne Erbkoordination nur auszulösen ist, wenn die innere Bereitschaft dafür genügend stark ist. Nach den Erkenntnissen der Biologie hat jede einzelne Erbkoordination ein Bereitschaftspotential, das durch die endogenen Aktivitäten des Nervensystems selbst, aber auch durch bereitschaftssteigernde (= aufladende) Reize erhöht wird. Das kann so weit gehen, daß bei Ausbleiben der adäquaten Situation das Verhalten im Leerlauf losgeht. Andererseits ist es so, daß jede auslösende Situation aus mehreren einfachen Merkmalen besteht, deren auslösende Wirkung sich summiert. Bei niedrigem Bereitschaftspotential müssen möglichst alle auslösenden Merkmale gegeben sein, um das adäquate Verhalten hervorzurufen; bei hohem Potential genügen schon einige wenige. Ein hohes Bereitschaftspotential für eine bestimmte Instinkthandlung führt auch oft dazu, daß der Organismus von sich aus nach auslösenden Situationen sucht. Man nennt das Appetenzverhalten. Dieses besteht vielfach aus einfachen Lokomotionsbewegungen, kann aber auch komplexere Handlungen beinhalten.

In der Regel reichen diese Steuerungsmechanismen selbst für hochspezialisierte Arten nicht aus. Die Umwelt hat vielfach noch wichtige Aspekte, über die keinerlei Information im Erbgut gespeichert werden kann: Reviergrenzen, Merkmale des individuellen Nachwuchses bzw. der Eltern, Orientierungspunkte bezüglich des Brutplatzes usw. Reviertreue Arten müssen deshalb darauf programmiert sein, Reviergrenzen und Wege zu lernen, ebenso wie brutpflegende Arten ihren Brutplatz wiederfinden und ihre Jungen identifizieren können müssen. Hier kann es keine angeborene Information geben, wohl aber angeborene Lernprogramme. Die AAMs beinhalten dann nur sehr allgemeine Merkmale, deren individuelle Form und Ausprägung ,hineingelernt’ werden muß.

Je unspezialisierter eine Art ist, desto mehr muß gelernt werden. Das heißt, unspezialisierte Arten sind biologisch darauf vorprogrammiert, Informationen über diejenigen Aspekte ihrer jeweiligen Umwelt zu sammeln, die eine artspezifische Lebensführung ermöglichen. Sie sind neugierig, sie probieren alles Mögliche aus, sie spielen, sie sind intelligent. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß es die arttypische Lebensweise ist,6 die als System von Instinkthandlungen diktiert, was wozu gelernt werden muß.

Beim Menschen hat die Lern-Kapazität ungeheure Ausmaße erreicht. Manche Pädagogen begannen sogar, von einer ,unendlichen Lernfähigkeit’ zu schwärmen.7 Nun, unendlich ist sie sicher nicht, sie ist nicht einmal unstrukturiert. Denn obwohl Kosmopolit, hat auch der Mensch eine arttypische Lebensweise als sozialer Primate. Und das bedeutet, daß er bestimmten Lernzwängen ausgesetzt ist, Lernzwängen, deren stammesgeschichtliche Entwicklung gleichbedeutend ist mit der Entspezialisierung, die das Kosmopolitentum überhaupt erst ermöglicht. Stammesgeschichtliche EntSpezialisierung löst die genetisch bedingte Einpassung in einen Biotop auf. Der Mensch wird deshalb aber noch lange nicht in weiche, weiße Watte geboren, sondern in einen strukturierten Lebensraum und in ein strukturiertes soziales Gefüge. In beidem muß sich aber der Mensch genau so gut orientieren können wie eine spezialisierte Art in ihrer Umwelt. Und weil in der stammesgeschichtlichen Entwicklung eminent lebenswichtige Dinge niemals dem Zufall überlassen bleiben, hat die Evolution dem Menschen Lernbereitschaften angezüchtet, die diese Orientierung sicherstellen sollen. Die Spezialisierung wird auf diese Weise aus der Phylogenese in die Ontogenese verlegt.

Die Lernmechanismen, die die ontogenetische Anpassung bewirken, sind vielfältig. Prägungsähnliche Prozesse spielen hier eine herausragende Rolle, die Hauptlast der Einpassung tragen die Gewohnheiten, weshalb der Mensch treffend als ,Gewohnheitstier’ charakterisiert wird, und schließlich ist hier noch die Verarbeitung von Informationen zu nennen, die in Symbolen verschlüsselt aufgenommen werden, also z. B. in Sprache verpackt.

Die prägungsähnlichen Lernprozesse zeigen am deutlichsten ihren zwanghaften Charakter. Der Begriff der ,Prägung’ geht auf K. Lorenz zurück. Er definierte ihn als „den Vorgang der Erwerbung des Objektes der objektlos angeborenen auf den Artgenossen gerichteten Triebhandlung“.8 Lorenz entdeckte das Phänomen, als er beobachtete, daß Gänseküken demjenigen großen, sich bewegenden Objekt folgen, das sie in einer kurzen Zeitspanne nach dem Schlüpfen als erstes zu Gesicht bekommen. In der Regel wird es sich dabei um das Muttertier handeln, zu dem das Küken auf diesem Wege eine individualisierte Bindung herstellt, experimentell kann das aber auch ein Spielzeugauto (Hier ein Luftballon sein. Der Zeitraum, währenddessen eine solche Prägung möglich ist, wird ,kritische Phase’, oder, wenn er eine bestimmte Größenordnung überschreitet, ,sensible Phase’ genannt. Eine einmal vollzogene Prägung ist irreversibel, und die Prägbarkeit schwindet unwiederbringlich, wenn die entsprechende kritische bzw. sensible Phase verstrichen ist.

Solche hochspezifischen Lernprozesse sind freilich in dieser Form beim Menschen bisher nicht nachgewiesen. In der biologischen Anthropologie spricht man deshalb vorsichtiger von „prägungsähnlichen Vorgängen“.9

Denn mit Sicherheit gibt es beim Menschen Zeiten erhöhter Empfänglichkeit für bestimmte Ansinnen der sozialen Umwelt.10 Dies sind zugleich die Phasen allgemeiner Umorganisation: das erste Lebensjahr, der Gestaltwandel im fünften Lebensjahr, die Pubertät.

In der ersten Phase dürfte es sich — genau wie beim Gänseküken — um die Herstellung einer individualisierten Bindung zu einer Bezugsperson handeln, in der Regel zur Mutter.11 In der zweiten Phase wird möglicherweise, obwohl das Sexualverhalten noch nicht ausgereift ist, das Objekt dieses Verhaltens erworben, d. h. man lernt sich selbst als Junge oder Mädchen zu verstehen.12 In der dritten Phase erhält das soziale Engagement sozusagen seinen Gegenstand. Der junge Mensch sucht die Zugehörigkeit zu einer größeren Gemeinschaft, deren Merkmale daher eine durchweg positive Bewertung erfahren. Der Psychologe Eyferth stellt dazu fest: „In diesem Alter der Selbsteinordnung findet sich die Spitze der Vorurteilsbereitschaft. Nirgends fallen nationalistische oder rassistische Doktrinen auf fruchtbareren Boden.“13 Man kann diesen drei sensiblen Phasen drei Aspekte der Identitätsfindung zuordnen:

1. Die Identifizierung mit einer Bezugsperson als Grundlage der Ich-Identität;

2. Die Identifizierung mit einer Geschlechtsrolle;

3. Die Identifizierung mit einer Gruppe, und zwar einer umfassenden Gruppe.

Und nicht nur in der letzten, sondern in allen drei Phasen bilden Vor-Urteile als Urteile vorweg die Basis für die Identifikation. Das Kind kommt sozusagen mit dem Vor-Urteil auf die Welt, daß seine Mutter es annehmen, nähren und pflegen werde. Bestätigt die Mutter (oder auch eine andere Person) dieses Vor-Urteil, dann bildet sich beim Kind das sogenannte ,Ur-Vertrauen’, nach Erikson „Eckstein der gesunden Persönlichkeit“.14 Das auf eine kalkulierbare Welt angelegte Menschlein erlebt die Welt tatsächlich als kalkulierbare und identifiziert sich mit dem ersten Garanten eben dieser Kalkulierbarkeit. Es erfährt durch seine Bezugsperson das erste ,Ich bin einer, der...’. Auch die Geschlechtsrollen-Identifikation beruht auf Urteilen vorweg. Das etwa fünfjährige Kind kann ja noch gar nicht überprüfen, ob das Verhalten des gleichgeschlechtlichen Elternteils oder anderer gleichgeschlechtlicher ,Identifikationsobjekte’ wirklich so beschaffen ist, daß eine Orientierung daran zu späterem Fortpflanzungserfolg verhilft. Das ist nämlich aus stammesgeschichtlicher Sicht der einzige Sinn dieses prägungsähnlichen Lernprozesses. Wenn die Fortpflanzungsfähigkeit heranreift, dann ist es eben notwendig, sich selbst schon als Geschlechtswesen zu begreifen und bestimmte Erwartungen an das Gegengeschlecht zu richten.

In der Pubertät schließlich erfolgt die Suche nach Gruppenidentität. ,Gruppe’ läßt sich unter anderem dadurch definieren, daß ihre Mitglieder über gemeinsame und exklusive Merkmale verfügen. Künstliche Gruppen schaffen sich ihre Merkmale selbst, natürliche Gruppen finden ihre Merkmale vor. Natürliche Unterscheidungsmerkmale wie Hautfarbe, aber auch wie Sprache und Kultur, über die man erst reflektiert, wenn man sie längst besitzt — und nur in diesem Sinne nennen wir sie natürlich — eignen sich wegen ihrer Trennschärfe sehr viel besser für die Gewinnung von Gruppenidentität als künstliche, z. B. Vereinsfarben oder Parteibücher, zumal die künstlichen Gruppen in der Regel Subgruppen der natürlichen sind. Wenn der Jugendliche ein Wir-Gefühl entwickelt, was mit dem Entstehen von Gruppenidentität gleichbedeutend ist, dann tut er das bereits als Träger der exklusiven Gruppenmerkmale, der Sprache nämlich und der Kultur. Diese wiederum hat er sich aufgrund des Vor-Urteils angeeignet, daß es hilfreich sei für das Überleben, an den Erfahrungen der Menschen, die er kennt, zu partizipieren, d. h. von ihnen zu lernen, was im gemeinsamen Lebensraum und im gemeinsamen sozialen Gefüge von Bedeutung ist.15 Um nun das Wir-Gefühl entwickeln zu können, bedarf es natürlich einer positiven Bewertung und Bestätigung der eigenen Gruppenmerkmale. Bei der Entwicklung des Ur-Vertrauens liefert das Verhalten der Bezugsperson die geforderte Bestätigung, und bei der Identifikation mit einer Geschlechtsrolle ist es das Vorbild der Eltern und anderer Vertrauenspersonen, das die Orientierung als richtig erscheinen läßt. Hier aber ist die Meinung möglichst vieler — und auch von der Person fremder — Gruppenmitglieder gefragt.

Die Gruppenmerkmale sind in Prozessen der Gewohnheitsbildung und des Sprach- und Wissenserwerbs zunächst nur als reines Können und Wissen aufgenommen worden, nun sollen sie sich als bindende Elemente einer größeren Gemeinschaft bewähren. Daher die Vorurteilsbereitschaft, die Eyferth festgestellt hat: Alles, was diesem im Wachstum des Menschen verankerten Lernprozeß entgegenkommt, indem es eine positive Bestätigung der eigenen Auffassung von der Gruppe und ihren Merkmalen erlaubt, wird begierig aufgenommen. An der Schwelle zum Erwachsenenleben in eigener Verantwortung ist es für den sozialen Primaten, der der Mensch immer noch ist, von äußerster Wichtigkeit, sich der Einbettung in die erfahrungsreiche Gruppe zu versichern.

In diesen drei prägungsähnlichen Lernphasen wird eigentlich nur auf relativ kurze und dramatische Art etwas identitätsstiftend befestigt, was in einem kontinuierlichen Lernvorgang erworben wurde und auch später noch erweiterungsfähig ist. Aber die Kontinuität ist nur scheinbar. Auch beim Lernen gibt es kein bloßes Hinzuaddieren, sondern jedes neue Element wird in das Gesamtgefüge des schon Gewußten und Gekonnten eingepaßt. Das gilt für die Gewohnheiten, die man sich in einem bestimmten Sozialverband und in einer bestimmten Umwelt aneignet, wie für die Symbolsysteme, deren man sich in eben diesem Sozialverband und dieser Umwelt bedient, als auch für das theoretische Wissen, das mit diesen Symbolsystemen vermittelt wird und das sich natürlich auf den eigenen Sozialverband und die eigene Umwelt bezieht. Nur diese Integration von Daten usw. bewirkt, daß es Identität überhaupt geben kann; und dadurch, daß diese Daten usw. zwangsläufig aus einer begrenzten Umwelt und einem schon immer gegebenen Sozialverband mit einer tradierten Sprache und einer tradierten Kultur stammen, ist diese Identität immer und unausweichlich Identität in einer Gruppe, deren Kultur, deren Symbolsysteme, Techniken usw. in Anpassung an eine gegebene Umwelt entwickelt und tradiert wurden. Die durch die stammesgeschichtliche EntSpezialisierung aufgelöste Bindung an einen bestimmten Biotop ist durch das Angelegtsein auf eine individualgeschichtliche Bindung neutralisiert worden. Das ist bei allen neugierigen Kosmopoliten so. Beim Menschen ist durch die Fähigkeit zur Symbolisierung und Tradierung von Wissen noch eine kulturgeschichtliche Dimension hinzugekommen, wodurch der individuelle Erfahrungserwerb zum größten Teil geführt wird durch die generationenlang aufgespeicherte Gruppenerfahrung. Die Gruppe aber, die durch gemeinsame Sprache und Kultur gekennzeichnet ist, in unserem Sinne also die natürliche Gruppe, ist demnach von vornherein diejenige, in der sich Identität entwickelt. Deshalb erwartet der junge Mensch im Prozeß der pubertären Orientierung seines sozialen Engagements, daß eben diese Gruppe ihn als vollwertiges Mitglied akzeptiere.16 Denn selbstverständlich bedarf das Wir-Gefühl der Bestätigung durch die bereits Etablierten.

Sehen wir uns das Verhältnis von Sozialgefüge, Umwelt und Identitätsgewinnung noch etwas näher an. Dazu setzen wir die Brille des Systemtheoretikers auf und entdecken, daß der gesamte Kosmos geschachtelt ist. Jede Schachtel erscheint dabei sowohl als Teil wie auch als Ganzes.17 Nehmen wir das Individuum. Es erscheint als ein Ganzes. Dieses können wir freilich weiter aufteilen in andere Ganze — eine Ebene tiefer. Wir kommen dann zu den Organsystemen. Verdauungssystem, Nervensystem usw. lassen sich aufteilen in Organe, diese in Gewebe, diese in Zellen usw. usw. bis hin zu Atomen und den subatomaren Partikeln. Das Individuum ist aber nicht nur Ganzes, sondern auch Teil. Aber welches ist die nächst höhere Ebene, die wieder ein Ganzes gibt? Die darauffolgende Ebene oder Schachtel ist wieder leichter zu bestimmen. Das ist der Planet Erde. Dann kommt das Sonnensystem, dann unsere Galaxis, schließlich der Kosmos insgesamt. Jede Ebene, die ein Ganzes bildet, besteht aus Teilen, die in geordneten Beziehungen zueinander stehen. Ein solches Ganzes kann man auch als System bezeichnen, seine Teile als Subsysteme. Diese wiederum sind — für sich betrachtet — Systeme mit Subsystemen usw. Von ,unten’ nach ,oben’ betrachtet, interagiert jedes System auf seiner Ebene mit anderen Systemen, die seine ,Umwelt’ darstellen. Das System mitsamt seiner Umwelt stellt ein System höherer Ordnung dar, das seinerseits in einer Umwelt von Systemen derselben Ordnung existiert.

Die Systemumwelt des Menschen ist sein Lebensraum, den er mit anderen Menschen teilt. Nach unserer Definition gilt das allerdings nur insoweit, als er geordnete bzw. gesetzmäßige Beziehungen zu den Elementen seiner Umwelt unterhält — zu den anderen Menschen wie zur übrigen belebten und unbelebten Natur. Und, nicht zu vergessen, es gehören auch alle vom Menschen selbst geschaffenen Umweltdinge dazu und sogar ,geistige’ Elemente der Welt: Symbole, Ideen, Pläne, Vorschriften usw., kurz — die menschlichen Artefakte und Mentifakte, soweit der Mensch geordnete Beziehungen zu ihnen unterhält. Das heißt, das gesamte Mensch-Umwelt-System ist durch das Vorhandensein von Interaktionsmustern gekennzeichnet, die andere Menschen, die artifizielle und nichtartifizielle Umwelt sowie die darauf bezogenen Mentifakte einschließen. Das System ist sozusagen der Mensch in seinem sozialen und politischen Raum, in seinem Sprachraum, seinem Kulturraum und seinem Lebensraum. Man könnte auch abgekürzt sagen: das Volk in seinem Lebensraum.

Der junge Mensch muß lernen, sich in diesem höchstkomplizierten System zurechtzufinden und zu behaupten. Er lernt aufgrund von Sprach- und Wissenserwerb, aufgrund individueller Erfahrungen und Gewohnheiten sowie aufgrund von Traditionen, seine natürlichen Bedürfnisse auf angemessene Weise zu befriedigen. Angemessen heißt, im Rahmen der geregelten Beziehungen zwischen den Elementen des Systems, wobei der einzelne natürlich immer nur einen relativ kleinen Horizont vom eigenen Standort innerhalb des Systems aus überblicken kann. Dennoch lernt er, insgesamt gesehen, sich in einer trotz ihrer Komplexität kalkulierbaren Umwelt mit einiger Sicherheit zu bewegen. Individuell unterschiedliche Ausgangspositionen und Umweltbedingungen je nach Standort der Eltern etwa im System — sowie Unterschiede im Lernvermögen sorgen für die notwendige Vielfalt, um sämtliche unterschiedlichen Positionen besetzen zu können, die ein solches hochkomplexes System im Laufe seiner Genese entwickelt hat. Komplexität heißt immer nur ,geordnete Vielfalt’. Ohne individuelle Unterschiede kann es kein hochzivilisiertes und -technisiertes Volk geben! Und ohne individuelle Unterschiede gibt es — interessanterweise — auch keine Identität. Das Bewußtsein der eigenen Existenz schließt nun einmal das Bewußtsein davon unterscheidbarer Existenzen ein. Unterscheidbarkeit bedeutet Unterschied. Sieht man also die pubertäre Orientierung des sozialen Engagements auf eine umfassende Gruppe im Rahmen der Entwicklung von Ich-Identität, dann wird man feststellen, daß es um mehr geht, als nur um ein allgemeines Gefühl der Zugehörigkeit. Vielmehr sucht der junge Mensen als er selbst die Bestätigung der Gruppe, denn er erhofft sich ja eine seinen individuellen Fähigkeiten und Kenntnissen angemessene Position.

Wir können außer dem entwicklungspsychologischen und dem systemtheoretischen noch einen dritten Weg beschreiten, um die Identitätsfindung aus biologisch-anthropologischer Sicht aufzuhellen. Von der Neurobiologie und Ethologie wissen wir, daß die menschliche Verhaltenssteuerung keine reine Großhirnleistung ist, sondern ihre Impulse auch aus tieferen Regionen des Zentralnervensystems erhält. Die basalen Antriebsmechanismen stellen sein stammesgeschichtliches Erbe hinsichtlich seiner Instinktorganisation.18 Das, was bei weniger hochorganisierten Arten relativ starre, erbkoordinierte Verhaltenssequenzen sind, zeigt sich bei ihm als ein wesentlich lockerer Zusammenhang kürzester Erbkoordinationen, die aufgrund ihrer Eigenappetenzen in neuen Situationen zu neuen Verhaltensformen zusammentreten können.19

Diese motorischen Einzelbausteine mitsamt ihrem jeweils spezifischen Antrieb bilden sozusagen die Teile des menschlichen ,Verhaltens-Puzzles’, die zwar vielfältig, aber durchaus nicht beliebig miteinander kombinierbar sind. Auf der Wahrnehmungsseite gibt es bezüglich der Auslösung von Verhaltensmustern ein ähnliches ,Puzzle’! Da es nicht für jede in der Ontogenese erworbene motorische Kombination (Erwerbmotorik) einen AAM geben kann, nicht einmal einen durch Erfahrung erweiterten AAM (EAAM), bilden sich im spielerischen Umgang mit Menschen, Tieren, Pflanzen, Dingen (natürlichen wie artifiziellen) die sogenannten erworbenen auslösenden Mechanismen (EAMs), indem die Situationen, in denen bestimmte Verhaltensweisen angebracht sind, gleich mitgelernt werden. Auch das durch Symbole vermittelte theoretische Wissen kann eine auslösende Funktion haben. Auf diese Weise richtet sich der zunächst relativ offene verhaltenssteuernde Mechanismus im menschlichen Zentralnervensystem nach und nach gruppen- und umweltspezifisch ein, wobei jeder Lernschritt die folgenden Schritte kanalisiert. Mit jedem Lernen wird das Um- und Anderslernen schwieriger.

Trotz der Selbstjustierung des verhaltenssteuernden Apparates durch Lernen befindet sich das menschliche Antriebssystem durchaus nicht immer im Gleichgewicht. Reifungsbedingte Änderungen in den Phasen der Umorganisation bringen das bis dahin Erreichte durcheinander und erfordern eine Neuordnung des Verhaltens unter Berücksichtigung der nunmehr virulent gewordenen Antriebe. Es sind dies übrigens dieselben Phasen, in denen auch die geschilderten prägungsähnlichen Lernprozesse stattfinden. Die Umorganisation ist also eine beträchtliche, und es ist verständlich, daß eine jede Organisationsphase auch zu einer neuen Ebene der Identität führt.

Wir können nunmehr versuchen zu sagen, was eine objektiv gesunde Persönlichkeit ist. Die Grundvoraussetzung ist zunächst ein unversehrtes und störungsfrei funktionierendes Zentralnervensystem.20 Größere Störungen im Stoffwechsel oder in der elektrischen Aktivität des Gehirns sind mit medizinischen Methoden relativ leicht festzustellen, ebenso Störungen infolge Verletzung. Fehlschaltungen, die dadurch zustande kommen, daß die Lernangebote der Umwelt nicht den im Zentralnervensystem bzw. seinem Entwicklungsplan stammesgeschichtlich vorprogrammierten oder den durch die vorgängigen Erfahrungen kanalisierten Lernerwartungen entsprechen, sind wesentlich schwerer zu diagnostizieren, weil sich kein meßbarer körperlicher Befund erheben läßt. Dennoch gibt es so etwas wie Verhaltensstörungen. Wenn man davon ausgeht, daß im Somatischen objektiv feststellbare Dysfunktionen immer auch die Lebens- und / oder Fortpflanzungsfähigkeit (inkl. Aufzuchtfähigkeit) beeinträchtigen, dann müßten Verhaltensweisen, Einstellungen und Charaktermerkmale, die ebenfalls die Vitalität in diesem Sinne mindern, ebenfalls als krankhaft gelten. Die objektiv gesunde Persönlichkeit müßte danach

1. durch die Abwesenheit neurologischer Befunde und

2. durch eine Verhaltenssteuerung gekennzeichnet sein, die es ihr ermöglicht, in und im Einklang mit ihrer sozialen und politischen Umwelt, ihrer Sprache und ihrer Kultur sowie ihrem Lebensraum unerkannte Positionen zu erlangen, die dem eigenen Selbstverständnis und natürlich auch den eigenen Fähigkeiten entsprechen.

Eine solche gesunde Verhaltenssteuerung kann sich nach dem, was oben ausgeführt wurde, nur bilden, wenn der Mensch in den großen Phasen der Umorganisation die notwendigen Identifikationsangebote erhall: Bezugsperson (Mutter), Geschlechtsrolle und natürliche Gruppe (Volk oder Stamm), wenn er weiter in geordnete Beziehungen zu seiner Systemumwelt hineinwachsen kann: zu seiner Sprache, zu den geistigen und materiellen Gütern seiner Kultur, zu seinem Lebensraum und zu seiner sozialen Umwelt. All dies setzt voraus, daß die Systemumwelt selbst intakt ist. In geordnete Beziehungen zu ihr kann man nur hineinwachsen, wenn sie überhaupt noch vorherrschen. In einem in Zerfall begriffenen System lassen sich geordnete Beziehungen vielleicht noch zwischen einzelnen oder mehreren Elementen (Subsystemen) herstellen, aber eine Integration in das Gesamtsystem läßt sich auf diese Weise nicht mehr erreichen.

Wenn ein System in eine Gleichgewichtskrise gerät, etwa weil ein Stück herausgebrochen wurde (Verletzung) oder systemzerstörende Fremdkörper eingedrungen sind (Infektion), dann treten entweder neue Gleichgewichte ein, oder der Zerfall ist nicht aufzuhalten. Bei lebenden Systemen gibt es allerdings noch eine dritte Möglichkeit: sie verfügen über spezielle Subsysteme mit speziellen Eigenschaften, die, wenn die Störung nicht zu groß ist, Heilung bewirken, d. h. Wiederherstellung eines dem alten Gleichgewicht möglichst weit angenäherten Zustands. Möglicherweise ist im Mensch-Umwelt-System der Mensch ein Subsystem mit vergleichbaren Eigenschaften, denn er allein kennt dank seiner Fähigkeit zur Bewahrung und Überlieferung von Informationen frühere Gleichgewichtszustände. Allerdings muß noch eine zweite Voraussetzung erfüllt sein, um heilend wirken zu können: Die Störung muß erst einmal bemerkt werden, und zwar früh genug!

Wenn die gesunde Persönlichkeit durch geordnete Beziehungen zu ihrer Umwelt und eine darauf aufbauende Identität definiert ist, dann sind zunehmender Identitätsverlust und zunehmende Desorientierung, in der Folge abnehmende Vitalität (zu der, wie gesagt, auch die Fort-pflanzungs- und Aufzuchtfähigkeit gehören) sichere Anzeichen für Krankheitserscheinungen im Mensch-Umwelt-System (oder: Volk-in-seinem-Lebensraum). Daß sich gesunde Persönlichkeiten und relativ stabile und vor allem organisch gewachsene Beziehungen zwischen den übrigen Elementen des Mensch-Umwelt-Systems bedingen, heißt nicht, daß es keine Veränderungen entlang der Zeitachse geben könnte. Sie müssen sich nur im System selbst nach dem „Order-on-Order-Prinzip“ entwickeln.21 Dabei dürfen die Anstöße ohne weiteres von außen kommen. Nur das System muß wieder ein systemerhaltendes Gleichgewicht finden können, d. h. es muß von einem Ordnungszustand in einen anderen übergehen. Alles andere ist Fortschritt ins Chaos, Zerlegung des Systems.

Die Ausbildung einer gesunden Persönlichkeit, die Entwicklung von Identität, setzt ein gesundes Mensch-Umwelt-System voraus, d. h. geordnete Beziehungen zwischen den Elementen (Subsystemen) des Systems. ,Geordnete Beziehungen’ bedeutet, daß die Elemente auf gesetzmäßige Weise miteinander interagieren. Verdeutlichen wir uns noch einmal, welches die Elemente des Mensch-Umwelt-Systems sind:

- Menschen

- Tiere, Pflanzen

- Boden, Wasser, Luft

- Klima, Wetter

- Artefakte (Arrangements aus den natürlichen Elementen oder deren Teile)

- Mentifakte (alle Begriffe, Ideen, Pläne, Vorschriften usw., die durch Symbole vermittelbar sind)

- Sprache

‚Gesetzmäßige Interaktion’ heißt nicht, alle Elemente müßten mit allen interagieren. Es bedeutet lediglich, daß, wenn interagiert wird, dies auf gesetzmäßige Weise geschieht, wobei die Gesetzmäßigkeit sich aus den Eigenschaften der beteiligten Elemente ergibt. Die Beziehungen im System können in Unordnung geraten, wenn Elemente ihren Ort im Beziehungsgeflecht verlassen (wenn sozusagen ein Knoten im Kommunikationsnetz nicht mehr besetzt ist), wenn Elemente ihre Eigenschaften verlieren oder verändern oder wenn Fremdkörper mit systemfremden Eigenschaften in das Beziehungsgeflecht eindringen.

Wenn wir nun noch einmal unsere Liste von Elementen betrachten, dann sehen wir, daß z. B. das Waldsterben oder die Luftverschmutzung das gesamte Mensch-Umwelt-System in Unordnung bringen können. Bei einer durchgreifenden Klimaveränderung wäre der Zusammenhang noch offensichtlicher. Sehr viel weniger offensichtlich sind dagegen die Veränderungen im Beziehungsgefüge, wenn Mentifakte sich wandeln oder durch andere ersetzt werden oder auch ersatzlos verlorengehen. Sicher kann es hier auch dramatische Entwicklungen geben, durch revolutionäre Ideen etwa, aber Revolutionen führen in der Regel sehr schnell zu neuen Ordnungszuständen. Problematisch für das Mensch-Umwelt-System wird es erst, wenn die Unordnung sich nicht begrenzen und überwinden läßt.

Für die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit stellt sich die Lage jedoch ganz anders dar. Hier geht es ja um die stufenweise Integration von angeborenen Antriebsmechanismen, Verhaltens- und Denkgewohnheiten, theoretischen und praktischen Erfahrungen, symbolvermitteltem Wissen usw. nach Maßgabe der reifungsbedingten Organisationsprinzipien. Hier knüpft das individuelle Subsystem Mensch seine ebenso individuellen Bindungen zu anderen Subsystemen seines Mensch-Umwelt-Systems, und es entwickelt Erwartungen hinsichtlich möglicher zukünftiger Beziehungen zu solchen Subsystemen, die zur Zeit noch außerhalb seiner Reichweite liegen. Insbesondere diese Erwartungen bezüglich der Eigenschaften von Subsystemen, mit denen man individuelle Erfahrungen noch nicht sammeln konnte, beruhen ausschließlich auf der Integration von tradierten Mentifakten in die eigene Verhaltenssteuerung. Diese Erwartungen sind, wie schon gesagt, Urteile vorweg, Vor-Urteile. Wenn nun die tatsächlichen Eigenschaften der Subsysteme nicht den Erwartungen (sprich: Vor-Urteilen) der interaktionswilligen anderen Subsysteme entsprechen, sind Desorientierung und gestörte Beziehungen die Folge. Handelt es sich dabei noch um jene Erwartungen, die mit der Identitätsbildung aufs engste verknüpft sind (an die Pflegeperson, an das Gegengeschlecht, an die umfassende Gruppe wie Volk oder Stamm), dann kann die Identitätsbildung entweder nicht bzw. nur unvollkommen stattfinden, oder es tritt Identitätsverlust ein. Mentifakte, die das gesamte Mensch-Umwelt-System (Volk-in-seinem-Lebensraum) zunächst (scheinbar) gar nicht beeinträchtigen, können aber auf diese Weise bei der Entwicklung der individuellen Persönlichkeit zerstörend wirken.

Welche Beziehungen im Beziehungsgefüge des Mensch-Umwelt-Systems können Mentifakte beeinflussen? Die Wirksamkeit der Mentifakte erstreckt sich im großen ganzen auf die Beziehungen zwischen Menschen und den übrigen Subsystemen des Mensch-Umwelt-Systems. Das bedeutet im einzelnen: zwischen Menschen und der natürlichen Umwelt, zwischen Menschen und Sprache, zwischen Menschen und Artefakten und zwischen Menschen und anderen Mentifakten. Wegen dieser Wirksamkeit auf allen Ebenen bieten sich die Mentifakte auch als Hebel an, wenn jemand gezielt in das Mensch-Umwelt-System eingreifen will, Über die Einschleusung von Mentifakten mit genau vorausberechneten Eigenschaften, vielleicht noch unterstützt durch die gleichzeitige Präsentation dazu passender Artefakte, müßte sich jedes Mensch-Umwelt-System von außen manipulieren lassen. So einfach ist das allerdings nicht. Die Mentifakte in einem Mensch-Umwelt-System beruhen weitestgehend auf Tradition und auf individuellen Erfahrungen mit der Umwelt (einschließlich der darin enthaltenen Mentifakte). Solange die individuellen Erfahrungen und das tradierte Wissen und Können zueinander passen und so Orientierung im Mensch-Umwelt-System ermöglichen, können sich gesunde Persönlichkeiten mit ausgeprägter Identität entwickeln, die ihrerseits wieder als Traditionsgeber fungieren und so Kontinuität garantieren. Die Mensch-Umwelt-Systeme, und zwar alle: alle Stämme und Völker mit ihren lebensspezifischen Kulturen und gruppenspezifischen Dialekten und Sprachen, haben sich überhaupt nur dadurch ausdifferenzieren können, daß sie ihr kulturelles Erbe gegen äußere Einflüsse einigermaßen abgeschirmt haben. Nur diese relative Geschlossenheit des Systems bewirkt, daß das Traditionsgut immer wieder durch individuelle Erfahrungen bestätigt werden kann. Und diese immerwährende Bestätigung, daß das, was man weiß, richtig ist, und das, was man kann, anerkannt wird, schafft die Sicherheit, mit der man sich in seiner Umwelt zurechtfindet. Die Genauigkeit, mit der man seinen Ort im System bestimmt, die Selbstverständlichkeit, mit der man mit anderen Subsystemen interagiert, die Angemessenheit der eigenen Erwartungen, sie sind tragende Bestandteile der eigenen Identität. Da der Mensch als Lebewesen ganz natürlich nach Sicherheit und Orientiertheit strebt, verhält er sich so, daß er Bewährtes bewahrt und an die nächste Generation weitergibt. Die Traditionen erlangen dadurch eine gewisse ‚Heiligkeit’, die Sprache bzw. der Dialekt als exklusives Mittel zur Weitergabe von Wissen ebenso, wodurch die relative Geschlossenheit des Mensch-Umwelt-Systems erhalten bleibt. Hier etwas einzuschleusen, ist ausgesprochen schwierig. Wenn das System verändert werden soll, dann soll die Veränderung ja auch dauerhaft sein. Die neuen Mentifakte müssen tradierbar sein. Dazu müssen sie die ‚Heiligkeit’ der vorhandenen Traditionen erst einmal erreichen, möglichst noch übertreffen.

Das ist keine Sache, die von heute auf morgen zu erledigen wäre! Alle Versuche, ein Mensch-Umwelt-System gezielt von außen zu verändern, müssen deshalb von langer Hand geplant werden. Sie erfordern generationenlange Geduld. Wer schnelle Erfolge haben will, der muß nicht die vorhandenen Mentifakte ausrotten, sondern die Menschen, die sie in ihren Köpfen beherbergen und am Leben erhalten. Dann kann man einen Lebensraum in Besitz nehmen, ihn mit anderen Menschen füllen, wodurch das System natürlich auch verändert wird. Das hat es gegeben. Die Beispiele reichen von Kanaan über Nordamerika bis Ostdeutschland. Aber Völkermord ist nicht unser Thema.

Missionare nennt man Menschen, die im Auftrage anderer in Mensch-Umwelt-Systeme hineingehen — ohne sich zu integrieren — um dort neue Mentifakte mit genau vorausberechneten Eigenschaften unterzubringen, welche bestimmte Veränderungen in dem System hervorrufen sollen. Gesunde Persönlichkeiten, die ihre Identität voll entwickelt haben. werden sich von diesen neuen Mentifakten schwerlich beeindrucken lassen. Sie wissen es ja besser. Was wird der Missionar also tun? Er wird versuchen, die Kindererziehung in die Hand zu bekommen. Gelten die Erwachsenen ihre Kinder nicht freiwillig her, wird er sie mit Belohnungen, auch in Form interessanter Artefakte, ködern. Hilft auch das nichts, sucht er sich Waisenkinder zusammen, an denen er zugleich seine bessere Medizin demonstrieren kann. Überhaupt ist die Medizin ein ausgesprochen taugliches Mittel, die Vorzüge des neuen Wissens, der neuen Mentifakte, gegenüber dem tradierten augenfällig werden zu lassen.

Die durchschlagende Wirkung dieser Verbindung von Heilerfolg und Glaubenslehre kann man schon im Neuen Testament studieren. Eine weitere Möglichkeit ist die gewaltsame Missionierung, wie etwa die der Sachsen unter Karl dem Großen, wobei aber auch hier erst die Erziehung der nächsten Generationen durch die Funktionäre der Herrschenden den gewünschten Erfolg bringt. Die Missionierung zum Zwecke der Außensteuerung, d. h. Beherrschung eines bis dahin relativ autonomen Mensch-Umwelt-Systems hat wahrscheinlich die größten Chancen, wenn sie zu einem Zeitpunkt einsetzt, an dem das System aus irgendwelchen Gründen bereits angeschlagen ist. Wenn aufgrund von Katastrophen, Kriegen oder ähnlichem die Beziehungen zwischen den Subsystemen ohnehin neu geordnet werden müssen, lassen sich neue Mentifakte am leichtesten unterbringen, und zwar auch bei Erwachsenen, weil viele von ihnen in solchen Ausnahme- und Extremsituationen verunsichert sind und dadurch Identitätsverluste erleiden. Wer dann die systemfremden Mentifakte mit der Aussicht auf neues Heil verbindet, wird mit diesen Mentifakten in Beziehung treten — und schon sind sie drin im System. Das relativ geschlossene Mensch-Umwelt-System (Volk-in-seinem-Lebensraum), das gesunde Persönlichkeiten mit ausgeprägter Identität hervorbringt, ist relativ immun gegen systemfremde Mentifakte, die das System von außen beherrschbar machen könnten. Die Identität der Menschen als Angehörige eines Volkes (oder Stammes) in einem Lebensraum garantiert die relative Autonomie des gesamten Systems. Man könnte auch umgekehrt sagen, die Ausprägung des nationalen Wir-Gefühls bei den einzelnen ist ein guter Spiegel für die Beherrschbarkeit des ganzen Volkes bzw. Stammes.

Wie wir oben ausgeführt haben, ist das Wir-Gefühl nur ein Aspekt der Identität. Ein anderer Aspekt ist das Bewußtsein der eigenen, besonderen Eigenschaften. Man ist nicht nur Teil, sondern besonderer Teil, der unterscheidbar ist von allen übrigen Teilen. Diese Ungleichheit der Elemente (Menschen) erlaubt eine Vielfalt von Beziehungen, in der Folge eine Vielfalt von Mentifakten und Artefakten als weitere Elemente und damit eine weitere Potenzierung der Beziehungsvielfalt. Die Differenzierungshöhe eines Systems ergibt sich damit aus der Vielfältigkeit der integrierten Elemente.

Ein hochkomplexes System mit einem überaus engmaschigen Beziehungsgefüge macht den Einbau systemverändernder Mentifakte fast unmöglich. Je mehr und je vielgestaltigere Passungen jedes Element zu anderen Elementen aufweist, desto schwieriger dürfte es sein, hier künstliche Elemente mit genau vorausberechenbarer Wirkung einzuschleusen. Die Passungen der Subsysteme ‚Mensch’ entwickeln sich im Laufe der Identitätsfindung. Der Missionar, der die Kinder erzieht, wird also darauf zu achten haben, daß diese eben nicht so viele und komplizierte Passungen entwickeln, zumindest nicht an den Stellen, wo seine mitgebrachten Mentifakte angreifen sollen. Wenn auf diese Weise das Beziehungsgefüge vereinfacht wird, dann bietet es sich natürlich an, auch noch andere Elemente mit einzubeziehen. Die naturgegebenen Elemente des Mensch-Umwelt-Systems scheiden hierfür aus. Was sich jedoch verändern oder austauschen läßt, sind neben weiteren Mentifakten noch die Sprache und die Artefakte. Aber solche Veränderungen sind erst der zweite Schritt.

Am Anfang steht die Abschaffung der Ungleichheit. Nicht der faktischen, die läßt sich nicht abschaffen, das Bewußtsein der Ungleichheit wird abgeschafft. Identität in Form eines hochkomplexen Als-etwas-Seins wird reduziert auf das bloße Ich-Sein. Und den Ichs kann interindividuelle Gleichheit suggeriert werden. Die Funktion als Teil in einem großen Ganzen gerät aus dem Gesichtsfeld, übrig bleibt das individuelle Wohlbefinden, das individuelle Recht, das individuelle Vergnügen am Lustgewinn, der individuelle Anspruch — jeweils für alle.22 Ebenso wie das Glück für den einzelnen gehört auch der Gott für den einzelnen ins Programm.

Und vor diesem Gott sind natürlich alle Menschen gleich. Ein solcher Gott, der sich um jeden einzelnen kümmert, der jeden einzelnen erlöst hat und jedem das Gleichheitsversprechen gibt, ist natürlich attraktiv — insbesondere für die Schlechtweggekommenen, die Armen und Schwachen. Diese Elemente des Mensch-Umwelt-Systems sind denn auch die zweite große Zielgruppe (neben den Kindern) unseres Missionars! Dazu gehören selbstverständlich auch die Randgruppen und Ausgestoßenen, die Zöllner und Aussätzigen des Neuen Testaments,23 die Proletarier aller Länder, die Asozialen und die Intellektuellen, die ihrem eigenen Verstande nicht gewachsen sind.

Die Individualisierung und Vereinheitlichung als Identitäts-Ersatz ist die Einstiegsdroge, die in die Abhängigkeit führt. Da das Wir-Gefühl in bezug auf die differenzierte Großgruppe nicht mehr entstehen kann, breitet sich ein Pseudo-Wir-Gefühl aus, dessen Inhalt sich im Bewußtsein der Gleichheit erschöpft und dessen äußere Merkmale die Vereinfachung spüren lassen: Entdifferenzierung der sozialen Umgangsformen (Duzen, Verzicht auf Förmlichkeiten, Uniformierungstendenz), Ablehnung des Leistungsdenkens und Elitegedankens, Geschichtslosigkeit. Dieses Pseudo-Wir-Gefühl, verbunden mit der Heilsgewißheit, erzeugt einen richtungslosen Druck, den die Mission zur Ausbreitung benötigt. Der einzelne, nur sich und seinem Gott verpflichtet — ob das nun der Gott des Neuen Testaments ist oder der Mammon oder der Internationale Sozialismus, ist völlig egal — wird zum Instrument und merkt es nicht. Einmal dem weltumspannenden Verein des Gleichen zugehörig, ob unter dem Kreuz, dem roten oder dem weißen Stern, sind die differenzierten Passungen zerstört, die für eine systemerhaltende Funktion im Mensch-Umwelt-System und damit auch für die eigene Identität Voraussetzung sind. Sie sind ersetzt durch jene einfachen Passungen, in die die Außensteuerung eingreifen kann. Es können ,kritische’ Mentifakte plaziert werden, die aus der distanzierten Sicht des Individuums das Mensch-Umwelt-System (Volk-in-seinem-Lebensraum!), in das man eigentlich integriert sein sollte, als einen Gegenstand auf der eigenen Systemebene erscheinen lassen. Das Individuum kann ermuntert werden, sich seinem eigenen Volk, seiner Kultur, seiner Sprache, seiner Geschichte, seiner Umwelt gegenüberzustellen. Erst die Objektivierung dieser Größen macht sie kritisierbar, ,hinterfragbar’, wodurch das Individuum sich noch weiter vom System isoliert. Die Einheit von Mensch und Umwelt wird — ideologisch auf der Ebene der Mentifakte — aufgebrochen, und die Kritik, die mit der Gleichheitsdroge eingeführt wird, macht diesen Prozeß zu einem autokatalytischen.

Wenn das Mensch-Umwelt-System auf diese Weise seiner identitätsstiftenden Integrationskraft beraubt ist, läßt es sich nicht mehr verhindern, daß immer mehr systemfremde Mentifakte, auch systemfremde Artefakte, das Mensch-Umwelt-System überfluten und so die gewünschte Veränderung herbeiführen: die Verwandlung der Völker-in-ihrem-Lebensraum in Massen von Individuen in einer Weltgesellschaft!

Man muß sich darüber klar werden: Naturhaft, d. h. stammesgeschichtlich, ist der Mensch auf ein Leben in Gruppen mit gruppen- und lebensspezifischen Überlieferungen angelegt. Sein ganzer ,Entwicklungsfahrplan’ ist auf dieses Ziel hin ausgerichtet. Der mündige, autonome und seelisch gesunde Mensch ist nicht das ,kritische’ Individuum auf seiner einsamen Insel der Selbstverwirklichung im unendlichen Ozean der Gleichheit. Der mündige, autonome und seelisch gesunde Mensch ist das anerkannte Gruppenmitglied, das sich aufgrund seiner überlieferten und überschaubaren Kultur mit schlafwandlerischer Sicherheit in seinem Lebensraum bewegen kann. Die Freiheit, die der Mensch aus dieser Anerkennung und Sicherheit schöpft, hat eine ganz andere Qualität als die Freiheit zur Selbstverwirklichung des einsamen Individuums — sei es auf geistliche oder auf weltliche Art. Diese Freiheit, die nur ein funktionierendes Mensch-Umwelt-System vermitteln kann, gründet in dem sicheren Gefühl, gebraucht zu werden, und erfüllt sich darin, seine Sache gut zu machen. Nichts erhöht den Menschen mehr als die soziale Anerkennung! Nichts gibt mehr Ansporn, mehr Mut, mehr Kraft als das Bewußtsein der sozialen Verantwortung! Die Emotionalität, die mit der sozialen Bewährung und Anerkennung verbunden ist, kann als sicheres Anzeichen dafür gewertet werden, daß hier ein stammesgeschichtlich tief verwurzeltes Bedürfnis vorliegt. Wer individualisierende Mentifakte zum Zwecke der Beherrschung von außen in ein Mensch-Umwelt-System einbringen will, muß das berücksichtigen. Selbstverwirklichung reicht nicht aus, es muß auch Anerkennung und Verantwortung geben. Da sich aber beides nicht auf das eigene System beziehen darf, müssen abstrakte Begriffe, die sich auf die ganze Menschheit anwenden lassen, die konkreten Größen ersetzen. Das Individuum bekommt daher ganz allgemein die Verantwortung für die Reinhaltung und Verbreitung des ‚richtigen’ Glaubens aufgebrummt. Je nachdem, welcher Spielart individualisierender Mentifakte es erliegt, wird es für den Christlichen Glauben, die Arbeiterbewegung, die Demokratie, die Menschenrechte usw. usw. verantwortlich gemacht, indem es sich darum verdient machen darf. Und da es in einer Masse von Individuen keine soziale Anerkennung geben kann, wird auch sie individualisiert: das Individuum bekommt sie entweder im Jenseits oder aber im Diesseits — von einem Vertreter der Fremdherrschaft ganz persönlich. Die weltlichen Herrschaften bevorzugen dabei das Überreichen von Urkunden und Orden und die öffentliche Zurschaustellung in den Massenmedien, die geistlichen die Heilsprechung.

Insgesamt verkommt auf diese Weise das komplexe Beziehungsgeschlecht des intakten Mensch-Umwelt-Systems zu einer in weiten Bereichen gleichgeschalteten Kommunikation zwischen den einzelnen Individuen und ihrer Führungsmacht. Diese Gleichschaltung führt aber wiederum zu einer Form der sozialen Kontrolle, die denjenigen das Leben schwer macht, die sich der kollektiven Uniformierung qua Individualisierung widersetzen. Es ist ein Teufelskreis: Die Ablehnung des Fremdartigen, die ursprünglich das intakte Mensch-Umwelt-System vor verfälschenden Fremdeinflüssen geschützt hat, ist als stammesgeschichtliche Erwerbung natürlich weiter wirksam und sorgt nun dafür, daß alle, die im Verein der Gleichen versammelt sind, jene bekämpfen, die die Gleichheitsideologie in Frage stellen. Da die Bindung an ihre abstrakte Führungsgröße (Gott, Demokratie, Sozialismus, Freiheit usw.) kein so komplexes und festes Beziehungsgefüge zuläßt wie die Bindung an das konkrete Volk, die konkrete Kultur, die konkrete Sprache und den konkreten Lebensraum, sind die isolierten Individuen tu ihren Beziehungen sehr viel verletzlicher. Sie müssen ihren Besitzstand an Mentifakten daher sehr viel fanatischer verteidigen. Dem kommt der Absolutheitsanspruch der systemfremden Mentifakte entgegen: Alle internationalistischen, gleichmachenden und individualisierenden Ideologien behaupten das Monopol für Heil und Erlösung für die ganze Welt. Die gleichgeschalteten Individuen glauben deshalb, nur sie allein hätten das ,richtige Bewußtsein’, den ,rechten Glauben’ usw. Dieser Absolutheitsanspruch der Mentifakte bietet dem Menschen in der Vereinzelung den letzten Halt und die einzige Sicherheit. Die Befallenen oder Verführten, oder wie immer man sie nennen will, werden so ganz von selbst zu weiteren Agenten der Fremdherrschaft!

Wenn wir nunmehr zur Betrachtung unserer eigenen Situation übergehen, dann müssen wir uns fragen, ob es denn überhaupt noch ein Entrinnen aus diesem Teufelskreis geben kann. Egalisierende Mentifakte kursieren bei uns seit der Christianisierung unseres Volkes — wer wollte sie jetzt noch beseitigen! Und ist nicht unsere Kultur längst auf dem Wege zu einer Einheits-Unkultur nach amerikanischem Vorbild? Ist nicht in den Köpfen unserer Intellektuellen die Botschaft der (sogenannten) ‚kritischen Theorie’ längst zur Selbstverständlichkeit geworden? Und unsere Sprache? Verkommt sie nicht zu einem Kauderwelsch? Gehen wir doch einmal mit offenen Augen und Ohren durch die Straßen unserer Städte und Dörfer! Erleben wir die Internationalisierung hautnah! Betreten wir einen ,Spielpalast’: Lichtblitze, Glockentöne, und vor jedem ,Spielcomputer’ — nein, kein Mensch!, ein Individuum in seiner ganzen Erbärmlichkeit ...

Die Massenmedien und Erziehungsinstitutionen fördern aus der eigenen Heilsgewißheit heraus die Individualisierung der ihnen hilflos ausgelieferten Menschen. Der ,richtigen’ Weltanschauung kann praktisch niemand mehr entrinnen. Es scheint, als hätten die systemfremden Elemente das Mensch-Umwelt-System bereits so weit verformt, daß es nicht mehr das relativ geschlossene Volk in seinem Lebensraum darstellt, sondern nur noch allseits offene Menschen in ihrer zufälligen Umgebung. Der Verlust an spezifischen Eigenschaften, den diese Transformation bewirkt hat, scheint endgültig. Aber selbst wenn man das Bild nicht ganz so düster malt, wenn man anerkennt, daß es trotz Christentum, trotz ,American Way of Life’, trotz ‚kritischer’ Theorie, trotz realer Internationalisierung durch Zuwanderung, trotz Technokratie und Bürokratie noch genügend qualitativ hinreichende Beziehungen gibt, um einen Notbetrieb des Systems zu garantieren, wird man zugeben müssen, daß zwar ein funktionierendes System da ist, von sichtbar anderer Art jedoch als die intakten Mensch-Umwelt-Systeme, die ausschließlich durch die Beziehungen der Elemente untereinander definiert sind. In den internationalisierten Weltkultur-Systemen greifen ja nicht nur fremde Elemente individualisierend nach innen, die Individuen greifen auch über ihre Beziehungen zu den fremden Mentifakten, Artefakten, Sprachen usw. nach außen: Die Systemgrenzen zerfließen. Das System entdifferenziert sich nicht nur im Innern wegen der fehlenden Passungen zur eigenen Kultur, Geschichte, Sprache, Heimat, es entdifferenziert sich auch das nächst höhere System, das aus den Völkern-in-ihren-Lebensräumen gebildet war: Die ehemalige Vielzahl autonomer Völker und Stämme verschwimmt zu zwei weltbeherrschenden Blöcken und der ,Dritten Welt’, einer Dreiheit wie es scheint. Doch bei genauerem Hinsehen trifft noch nicht einmal das zu. Es scheint sich eher um eine Zweiheit zu handeln, denn die ,Dritte Welt’ wird faktisch von den Blöcken beherrscht. Aber selbst die Blöcke sind noch nicht die Zweiheit, die wir meinen. Auch sie bestehen, wie der Rest der Welt, aus riesigen Massen von Beherrschten, von machtlosen Individuen, und einer weit davon entfernten Führung, die sich aus sich selbst regeneriert und deren Entscheidungsprozesse für den einzelnen überhaupt nicht nachvollziehbar sind. Die tatsächliche Einigkeit dieser Führung in allen wesentlichen Fragen wird durch den atomaren Theaterdonner bewußt verdeckt.

Wir finden in allen Teilen der Welt das Eindringen der fremden Einflüsse in die einst selbständigen Kulturen, wodurch die Menschen von ihren althergebrachten Werten abgetrennt werden. Es ist dabei egal, ob diese Einflüsse die östliche, westliche oder christliche Gleichheitsideologie mitbringen. Das Ergebnis ist in jedem Fall die Entdifferenzierung im Inneren wie die des Gesamtsystems. Diese Entdifferenzierung der historisch gewachsenen Völker und Kulturen zur Weltgesellschaft mit Weltkultur durch Internationalisierung qua Individualisierung der Menschen bedeutet, daß nur solche Beziehungen erhalten bleiben, die für das Funktionieren der Einheitswelt erforderlich sind. Aus diesem Grunde gibt es weiterhin ein Funktionieren — nur eben nicht als relativ autonomes Mensch-Umwelt-System!

Die Erde verliert nicht nur die bunte Vielfalt der Kulturen, es verlieren die Volker und Stämme auch ihre Freiheit. Und das Individuum ist einsam wie noch nie. Die deutsche Sprache kennt zwei schöne Begriffe, die die Elternschaft von angestammtem Lebensraum und überlieferter Kultur für den erwachsenen Menschen zum Ausdruck bringen: Vaterland und Muttersprache. Der Mensch, der diese Elternschaft entbehren muß, wird zur Kultur- und Heimatwaise. Er kann keine Identität entwickeln und klammert sich deshalb an abstrakte Ersatzwerte und an sein Heilswissen. Das ist unsere heutige Situation. Wir brauchen nicht auf das Wunder zu hoffen, daß wir eines Tages wieder ein relativ autonomes Volk-in-unserem-Lebensraum werden. Wir sind längst eine Herde von Individuen, denen das Ganze schon aus dem Gesichtsfeld gekommen ist. Was bedeutet schon die Ablehnung der einen Gleichheitsideologie, wenn man doch der anderen verfallen ist? Was soll das Eintreten für eine saubere Umwelt, wenn Heimat kein Begriff mehr ist? Was hilft das Reden von der besseren Gesellschaft, wenn sich hinter dem abstrakten Begriff das Ende der lebendigen Völker verbirgt? Dieses letzte blinde Suchen nach dem verlorenen Paradies kann das Rad der Geschichte nicht anhalten. Zurückdrehen schon gar nicht. Nun erwartet der geneigte Leser hoffentlich nicht, daß wir — simsalabim! — das Rezept aus dem Hute ziehen, wie es nun doch noch geht. Das Rad der Geschichte zurückzudrehen, ist, wie gesagt, unmöglich. Die Zeit schreitet fort, und die Bedingungen ändern sich. Blicken wir deshalb nicht in Wehmut auf die ,gute alte Zeit’! Wenden wir uns nach vorn und überlegen wir.

Nicht nur unseres, alle Völker und Stämme — ganz wenige in Rückzugsgebieten vielleicht ausgenommen — haben ihre identitätsstiftende Form verloren. Sie, nicht die ,gute alte Zeit’ gilt es wiederzugewinnen. Es geht hier nicht um Heilung, um die Wiederherstellung eines Gleichgewichtszustandes: Das System funktioniert ja — nur anders. Es funktioniert auf der Basis von Individualität, nicht auf der Basis von Identität. Identität ist aber das wesentliche Zeichen für seelische Gesundheit. In einer individualisierten Welt kann es seelische Gesundheit deshalb nicht geben. Dekadenz, Verhaltensstörung, Sucht, Ängste, Kriminalität, Fortpflanzungsunfähigkeit,24 Aufzuchtsunfähigkeit, Verteidigungsunwilligkeit usw. belegen das. Andererseits aber ist der Mensch, wie wir oben dargelegt haben, darauf angelegt, Identität zu entwickeln. Es wird ihm also etwas vorenthalten, wonach er aufgrund stammesgeschichtlicher Vorprogrammierung sucht. Bestenfalls werden ihm Ersatzangebote gemacht, die ihn während der sensiblen Phase befriedigen — wie dem Entenküken, dem man als Mutterersatz einen Luftballon unterschiebt. Es richtet dann zwar sein Nachfolgeverhalten auf diesen, ohne indes das zu finden, was es tatsächlich benötigt. Das Krankhafte bringt wiederum Krankhaftes hervor und wird so zur statistischen Norm.

Statistik besagt bekanntlich nichts über den Einzelfall. Es mag daher genug Menschen geben — und wir sind sicher, es gibt sie — die trotzdem durch glückliche Umstände ihre Identität entwickeln konnten. Nur sie könnten sinnvoll aufgefordert werden, ihre Identität zu bewahren und zu bezeugen. Mut zur Identität, das Bekenntnis zum eigenen Volk und zur eigenen Kultur, zur eigenen Geschichte und zur eigenen Heimat, kann daher nur von einigen wenigen erwartet werden. Als einzelne sind sie zudem noch ohne Wirkung auf die Allgemeinheit, die ja ihr individualistisches Selbstverständnis nicht in Frage stellen kann. Wer die eigene Identität noch hat voll entwickeln können, kann ja nicht einmal mehr die seelische Gesundheit der eigenen Nachkommen garantieren! Es bedürfte schon der gemeinsamen Anstrengung dieser ,letzten Aufrechten’, und zwar über alle Grenzen hinweg. Es bedürfte der gemeinsamen Rückbesinnung auf den Wert, auf die Schönheit, auf die Leistung des jeweils eigenen Volkes, der jeweils eigenen Sprache, der jeweils eigenen Kultur. Anders als beim früheren Gegeneinander der Völker müßten sich die gesunden Kräfte auf der ganzen Welt die Hände reichen, um gemeinsam die entdifferenzierenden Mentifakte zu neutralisieren. Humanes, artgerechtes Leben kann für den Menschen nur heißen: Leben als Volk-in-seinem-Lebensraum! Das läßt sich nicht mehr gegeneinander, wohl aber miteinander bei gegenseitiger Achtung und Anerkennung erreichen. Wir sind davon überzeugt, und die punktuelle und deshalb vergebliche Suche der Aussteiger und Alternativen nach Geborgenheit in einer ,heilen Welt’ bekräftigt uns darin, daß das Nicht-Artgemäße und deshalb Inhumane der heutigen Lebenssituation zunehmend spürbar wird — dort zumindest, wo die Entdifferenzierung am weitesten fortgeschritten ist. Wo diese kollektive Unzufriedenheit jedoch einmal hinführt, das steht in den Sternen.

Das Rezept, das wir aus dem Hut zaubern, ist also kein Rezept für den einzelnen. Da in Ost und West individualisierende Lehren längst den Charakter von Staatsreligionen angenommen haben, ist unser Rezept muh nicht für offizielle Stellen gedacht. Denn: was aus dem Hut gezaubert wird, ist bekanntlich Illusion! Tatsächlich können wir aus psychologischer und biologischer Sicht keinerlei Hilfeleistung geben, wie das Problem der Identitätsverhinderung durch Individualisierung zu lösen wäre. Wir haben es aufgezeigt, wir haben die Gründe genannt, und wir halten bemerkt, daß das Unbehagen der einsamen Individuen wächst. Wir wissen, was der Mensch braucht, um eine gesunde Persönlichkeit zu entwickeln. Wir wissen auch, daß ihm heute insbesondere die Identifikation mit seiner übergreifenden natürlichen Großgruppe schwergemacht wird. Wir befürchten nur, daß das Unbehagen, da der einzelne dessen Ursprung nicht kennt, sich eines Tages unkontrolliert kollektiv entladen könnte, und daß die jeweiligen Machthaber das sich anbahnende Chaos mit brutaler Gewalt verhindern werden. Die heile Eine-Welt-Gesellschaft würde dann ihr wahres Gesicht als terroristische Weltdiktatur enthüllen.

Identitätsbildung ist eine Sache von Entwicklung und Milieu. Menschen, die ihre eigene Identität nicht haben voll entwickeln können, können auch das Milieu nicht schaffen, das die heranwachsende Generation benötigt, um ihrerseits Identität auszubilden. Diesen Kreis vermögen einzelne nicht zu durchbrechen, denn gerade in der Pubertät braucht der junge Mensch die Bestätigung durch die Gruppe, in der er lebt, einschließlich der ihm nicht von Person bekannten Gruppenmitglieder. Wo die Großgruppe ihre Form verloren hat (Meinungsvielfalt — was gilt noch?, Rassenmischung — wer gehört dazu?, Geschichtsverlust — wie ist die Situation entstanden?) kann sie nicht mehr formen. Formlosigkeit beim einzelnen ist die unabdingbare Folge. Zürnen wir also nicht der Jugend! Zürnen wir auch nicht den Verirrten und Verführten! Selbst Trauer ist nicht angebracht: Sie bewegt doch nichts. Aber aufzugeben brauchen wir deshalb auch nicht. Bestimmt werden die, die sich aufrecht zu ihrem Volk, ihrer Kultur, ihrer Geschichte und ihrer Heimat bekennen, noch einmal gebraucht — als Lehrmeister für artgemäßes humanes Leben!


Anmerkungen

1 E. H. Erikson, Wachstum und Krisen der gesunden Persönlichkeit, Stuttgart 1953, und Identität und Lebenszyklus, Frankfurt/Main 1966.
2 E. H. Erikson, Wachstum und Krisen der gesunden Persönlichkeit, aaO., S. 52.
3 AaO., S. 35.
4 AaO., S. 52.
5 Ebd.
6 Auch „Biogramm“ oder „Biogrammatik“, nach Count, Das Biogramm, Frankfurt/Main 1970; Tiger/Fox, Das Herrentier, München 1973; E.O. Wilson, Sociobiology, Cambridge 1978, 6. Auflage.
7 Vgl. H. Roth, Pädagogische Anthropologie, Bd. 1, Hannover 1971; 3. Auflage, S. 115; und W. Hammel, Bildsamkeit und Begabung, Hannover 1970, S. 13.
8 K. Lorenz, Der Kumpan in der Welt der Vögel, 1935, in: Über tierisches und menschliches Verhalten, Bd. 1, München 1965, S. 270.
9 I. Eibl-Eibesfeldt,  Grundriß der vergleichenden   Verhaltensforschung, München 1969, S. 242.
10 E. H. Hess, Prägung, München 1975, S. 403.
11 Vgl. J. Bowlby, Mütterliche Zuwendung und geistige Gesundheit, München 1973; B. Hassenstein, Verhaltensbiologie des Kindes, München 1973; E. Lausch, Mutter, wo bist du?, Hamburg 1974; und R. A. Spitz, Vom Säugling zum Kleinkind, Stuttgart 1976.
12 Vgl. B. Hassenstein, aaO., S. 62f.
13 Eyferth in H. Rohrs, Friedenspädagogik, Frankfurt/Main 1970, S. 130.
14 E. H. Erikson, Wachstum und Krisen der gesunden Persönlichkeit, aaO., S. 15.
15 Dieses Vorurteil äußert sich im sogenannten „Anfrageverhalten“ (Eibl-Eibesfeldt 1973, S. 69) und in den stammesgeschichtlich erworbenen Grundlagen des Spracherwerbs (dazu E. H. Lenneberg, Biologische Grundlagen der Sprache, Frankfurt/Main 1977; und D. F. Jonas/A. D. Jonas, Das erste Wort, Hamburg 1979).
16 In diesem Zusammenhang ist auf die Initiation hinzuweisen, die ja wohl die Annahme des Heranwachsenden in die Erwachsenengruppe auf einen Zeitpunkt konzentriert. Vgl. dazu S. N. Eisenstadt, Von Generation zu Generation, München 1966; L. Tiger, Warum die Männer wirklich herrschen, München 1972; und auch F. Rauers, Hänselbuch, Essen 1936!
17 Ausführlich bei A. Koestler, Dos Gespenst in der Maschine, Wien, München, Zürich 1968; und Der Mensch, Irrläufer der Evolution, Bern, München 1978.
18 Vgl. D. Ploog, Verhaltensforschung und Psychiatrie in: Gruhle/Jung u.a., Psychiatrie der Gegenwart, Bd. 1/lb, Berlin, Heidelberg, New York 1964; P. D. MacLean, Der paranoide Zug im Menschen, in A. Koestler/J. R. Smythies, Das neue Menschenbild, Wien, München, Zürich 1970; K. J. Ehrhardt, Neuropsychologie ,motivierten’ Verhaltens, Stuttgart 1975; H. Rahmann, Neurobiologie, Stuttgart 1976; M. Adler, Physiologische Psychologie, 2 Bde., Stuttgart 1979; C. Becker-Carus, Grundriß der Physiologischen Psychologie, Heidelberg 1981 u. a.
19 P. Leyhausen (Über die Funktion der relativen Stimmungshierarchie, dargestellt am Beispiel der phylogenetischen und ontogenetischen Entwicklung des Beutefangs von Raubtieren, 1965, in K. Lorenz/P. Leyhausen, Antriebe tierischen und menschlichen Verhaltens, München 1968) nennt diese Art der Instinktorganisation „relative Stimmungshierarchie“.
20 Eigentlich müßte man auch das humorale System einschließen, denn Störungen im Hormonhaushalt können ebenfalls verhaltenswirksam sein.
21 Schrödinger nach R. Riedl, Die Ordnung des Lebendigen, Hamburg, Berlin 1975, S. 83 und bes. S. 249ff.
22 Vgl. dazu auch Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral, Frankfurt 1969.
23 Der Gott des NT ist speziell für die Missionierung geschaffen, während der Gott des AT biederer Stammesgott ist. Dieser ist zugleich aber Vater und damit Erzeuger des neutestamentarischen Missionsgottes.
24 Auch der aufgrund „rationaler Erwägungen“ bewußte Verzicht auf Fortpflanzung ist faktisch Fortpflanzungsunfähigkeit!

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