Ostara und Wintersonnenwendfeier


Siegling



Grundzüge einer Feierfolge für einen Kult an der Frühlings Tag-und-Nacht-Gleiche (Frühjahrs-Equinox)



„Den Gott in uns, den macht ihr zum Skandale,
 und setzt den Wurm zum König über ihn (…)
Indes ihr noch die Leichenfackel hält,
Geschiehet schon, wie unser Herz geboten,
 Bricht schon herein die neue beßre Welt.“
(Friedrich Hölderlin, An die klugen Ratgeber)

Diese Feierfolge ist nur ein Gerüst, ein Gestaltungsvorschlag, der eine Kultgemeinschaft nicht der heiligen Verantwortung enthebt, selbst tätig zu werden. Sie trägt Anfragen Rechnung, die an uns gerichtet worden sind. Viele junge Menschen möchten gerne eine Sonnenfeier organisieren und durchführen, jedoch fehlen das Wissen und die Erfahrung um Eckpunkte. Dieser Gestaltungsvorschlag soll Abhilfe schaffen und inspirieren. Das Heidentum kennt keine feststehenden und allgemeingültigen Dogmen und ruft den Menschen auf, selbst kultisch Handelnder zu werden. Dieses muß sich in der Gemeinschaft vollziehen, die dem Kult ihre Prägung gibt. Ist eine Festfolge von der Gemeinschaft festgelegt worden, so muß sie peinlich genau befolgt werden, denn erst die genaue Befolgung der Riten (von Sanskrit rita: Ordnung) in heiliger Verantwortung führt zum „Kontakt mit der göttlichen Welt des Ursprungs“ und ermöglicht dem Einzelnen und der Gemeinschaft die „Teilhabe an einer heiligen Ordnung“ [Raido, S.37].

Die in die Feierfolge eingliederten mythologischen Erzählungen von Balder und Ostara sind ein Gestaltungsvorschlag. Alternativ bieten sich Gedichte von Friedrich Hölderlin (1770-1843) oder Stefan George (1868-1933) an. Jedoch sollte der Kultgemeinschaft die Götter als göttliche Verkörperungen des Frühlings bekannt gemacht werden, insbesondere da diese auch männliche (Sonnenhaftigkeit) und weibliche (Fruchtbarkeit) Prinzipien darstellen. 

Eine Sammlung geeigneter Sinnsprüche findet sich in dem nur noch antiquarisch erhältlichen Werk von Wilhelm Hauer: Der deutsche Born (o.O.u.J.). Zur musikalischen Einstimmung: Bedrich Smetana (1824-1884): Ma Vlast („Mein Vaterland“), insbesondere das Stück „aus Böhmens Hain und Flur“.


Vortag oder Morgen des Feiertages:

Rituelle Reinigung des Kultplatzes.

[Der Platz sollte möglichst eben sein und sich keine Straßen in mittelbarer Nähe befinden (Geräusche!). Auf dem Kultplatz sollte das Kultfeuer durch das Aufschichten von Holz vorbereitet werden. Sorgt dafür, daß eine schnell brennbare Masse (Empfehlung: ein Sägemehl-Spiritus-Gemisch) und leichtes Papier mittig in den Holzstoß eingebracht wird, damit der Kultleiter und die Gemeinschaft das Feuer schnell entzünden können. Nehmt trockenes, leicht brennbares Holz und legt in der Nähe des Kultplatzes einen Vorrat an.]

Die rituelle Reinigung ist wichtig, wichtiger als alle technischen Vorbereitungen. Sie macht einen Platz zu einem geweihten und für den Kult spirituell vorbereiteten Ort! Zum Fest der Ostara, der Göttin des Frühlings und der Morgenröte, empfiehlt es sich, den Kultplatz in eben dieser Zeit bzw. dem Tagesanbruch des Vortages oder Kulttages zu reinigen.

Dies geht so: Der Kultleiter/die Kultleiterin (KL) betritt mit den Helfern, aber zuerst, den Platz und führt nacheinander in alle Himmelsrichtungen (Kompaß!) fegende und auskehrende Bewegungen aus. Männer nehmen einen (Kult-)Hammer (analog zu Thor/Donars schützendem Hammer), Frauen ein Rutenbündel oder ein Bündel, gesteckt aus blühenden Weiden (Draht).

KL spricht: „Kräfte des Südens weiht diesen Ort und haltet wacht, etc.“ und  „über allen Himmelsrichtungen wachet strahlend, Balder und Ostara (Blick zum Himmel)“.

Nun können die Vorbereitungen beginnen.


Tag der Kultfeier:

Kult. Die Gruppe sammelt sich in der Nähe des Kultplatzes, an einem schönen naturbelassenen Ort. Es sollte solange gewartet werden, bis alle Gespräche verstummt sind und eine besinnliche Stille eingetreten ist. Die Kultgemeinschaft sollte ihre Opfergaben zur Hand haben.

[Opfer: Als Opfergaben empfehlen sich hart gekochte und bemalte Eier aus Freilandhaltung, erblühte Frühlingsweiden, selbstgebackenes und leichtes Kultgebäck wie ein gesüßtes Weißbrot oder einen Hefezopf. Bemalung der Eier: Runen wie die Asenrune, die Hagalrune oder Wirbel]

Die Kultfeier sollte noch am Tage beginnen, spätestens in der noch hellen Dämmerung. Die Kultgruppe geht dann in Paaren geordnet und schweigend zum Kultplatz. KL führt. Die Gruppe nimmt auf dem Platz eine kreisförmige Ordnung ein und stellt sich um das noch nicht entzündete Kultfeuer.

KL: „Ich begrüße euch an geweihtem Platz. Wir haben uns hier versammelt, um den Frühling und seine lebensspende Kraft zu grüßen. Das Land und die Fluren erwachen. Aus dem ‚stirb!’ des Winters, ist das ‚werde!’ des Frühlings geworden. Die unbesiegbare Sonne erobert sich ihren Teil am Leben zurück und verlängert wieder die Tage. Wir spüren und sehen das Erwachen überall: An Bäumen und Sträuchern, Feldern und Wiesen, Herzen und Seelen! Die Frühlingskräfte finden ihre edelsten Verkörperungen in den Göttern Balder, dem unsterblichen Asen und Sonnenheld, und in Ostara, der Göttin des Frühlings- und der Morgenröte, des wachsenden Tageslichts und der Fruchtbarkeit. Ihnen wollen wir danken! Heil Euch Unsterbliche! (Alle: Heil Euch!)

(Mitglied der Kultgemeinschaft):

Wer die Gaben der Götter genießt, ohne ihnen zu opfern, der ist ein Dieb!“.

(Mitglied der Kultgemeinschaft):

Am Anfang steht die Sonne! Durch Nahrung entstehen die Lebewesen, durch Regen Nahrung, der Regen entspringt dem Opfer, das Opfer der Handlung. Die Handlung entspringt der unvergänglichen Ordnung. [Bhagavadgita]

Vier andere Mitglieder schreiten aus den vier Himmelsrichtungen heran und entzünden mit dem KL das Feuer mit Fackeln [Pechfackeln, Baumarkt, z.B. „Dehner“].

Besinnliche Stille bis das Feuer lodert. KL nimmt von einem Altar [Der Altar sollte aus Steinen aufgeschichtet werden, am besten sind lange schwarze Steine. Wenn möglich, Steine aus einem Bachbett oder einem anderen fließendem Gewässer. Der Altar muß nicht hoch sein.] die Opfergaben und schreitet zum Feuer, KL wirft ein Teil des Gebäcks ins Feuer: „Für die Götter!“ Das Gebäck geht durch die Runde, ebenso die Eier als Kultmahl, jeder ißt ein Ei oder/und einen Bissen vom Gebäck. Der letzte wirft den Rest ins Feuer.

KL zur ausgewählten Mitgliedern der Kultgemeinschaft: „Erzählt von Balder und Ostara!

Eine Frau sollte von Balder erzählen und ein Mann von Ostara. Folgend die einzelnen Elemente, der Text sollte aber von der Gruppe vorher eigenständig entworfen werden. Austeilen in kleinen Zetteln, falls die Zeit zum sinngemäßen Auswendiglernen fehlt. Die Texte können natürlich auch kürzer sein oder ergänzt werden.

Balder: Balder, sein Name bedeutet Kraft. Im Englischen bedeutet „bold“, noch heute „kräftig“ oder „stark“. Er ist der unsterbliche Sonnengott. Sein Sitz ist Breidablick, die weit glänzende Halle. Kein Ort ist von Freveln freier wie dieser. Mit Balder stirbt die Sonne im Winter, um im Frühjahr wieder zu erwachen. Man erzählt, daß alle Götter Balders Unsterblichkeit auf die Probe stellen wollten. Sie bewarfen ihn mit Waffen und Steinen. Er widerstand allen diesen Angriffen. Balders Mutter Freya hatte zuvor alle Lebewesen und Pflanzen schwören lassen, niemals ihrem Sohne etwas anzutun, die Mistel jedoch ausgenommen. Eine Heilpflanze wird niemanden verletzten! Doch Loki drückte Balders blindem Bruder Höder einen spitzen Mistelzweig in die Hand und dieser wirft nach ihm. Balder sinkt sterbend zu Boden.

Damit verging die Sonne, sie stürzte ins Meer und mit ihr ging die alte Menschenordnung unter. Doch  Balder erwachte wieder und mit ihm eine neue Ordnung, ein neues Geschlecht.

Ostara: Ihr Name, auch ‚Eastre’ oder ‚Eostra’, kommt aus dem Angelsächsischen. Sie gab dem Osterfest ihren Namen. Der Osterhase ist ihr Sinnbild der Fruchtbarkeit. Am Dom zu Paderborn befindet sich das „Dreihasenfenster“, das drei Hasen im Wirbel vereint zeigt. Es geht auf vorchristliche Motive zurück und stellt das immerwährende Rad des Lebens, das Vergehen und Werden, dar. Ostara bringt die Morgenröte und läßt den Tag in aller Stille beginnen. Ihre Zeit ist der frühe Morgen, in dem das menschliche Leben noch ruht. Wie Balder erweckt sie die Flur zum Leben, aber auch das Tageswerk des Menschen.

KL: „Unsterbliche wir grüßen Euch!“

KL füllt einen Becher mit Met und schüttet ihn ins Feuer („Für die Götter!“).

Dann werden alle Opfergaben von der Kultgemeinschaft ins Feuer geworfen.

Der Metbecher kreist und jeder ist angehalten, einen Gedanken zu äußern oder einen Sinnspruch aufzusagen.

Der KL beschließt die Opferung und wirft den letzten Rest des Kultgebäcks ins Feuer: „Alle Gedanken, die uns trennen sollen in diesem Feuer verbrennen, Gedanken die Gemeinschaft verheißen, soll dieses Feuer zusammenschweißen“.

Es folgt ein Lied (Volkslied)          

KL: Einige Worte zur Gruppe, persönliche Dinge, Danksagungen, Grüße etc.

Kultgemeinschaft verharrt noch eine Weile am Feuer und geht dann geordnet und im Fackelschein vom Kultplatz.

(Ausklang)

Übersicht über die Feierfolge:

Opfergaben und Materialien:


Literatur:

Martin Schwarz: Raido – Die Welt der Tradition. Ein Handbuch. Dresden 2000.

Das Handbuch informiert ganz grundlegend über die Philosophie der Tradition und berührt dabei auch andere Bereiche der heiligen Ordnung und der Stellung des Menschen in ihr. Der Verlag Zeitenwende in Dresden bietet in seinem Programm auch Hilfen zur Feiergestaltung an.

Björn Ulbrich: Im Tanz der Elemente. Kult und Ritus der naturreligösen Gemeinschaften. Arun 1995.

Der Klassiker unter den historisch und volkskundlich fundierten Ratgebern für naturreligiöse Gemeinschaften. Die Hinweise und Ratschläge gehen weit über die Feiergestaltung hinaus und beziehen sich auf das gesamte gemeinschaftliche Leben. Der Verlag Arun, der früher mutig und sehr innovativ war, hat sich leider zum Allerweltsverlag entwickelt, der aus kommerziellen Gründen nun wahllos „Eine-Welt-Produkte“ anbietet und damit seine im engeren Sinne europäisch-heidnische Ausrichtung verlassen hat.

Björn Ulbrich und Daniel Junker: Ostara. Zeremonien und Brauchtum zu Fastnacht, Ostern und Hohe Maien. Arun 2006.

Ebenfalls aus dem Hause Arun. Der Inhalt konnte seitens der DR noch nicht in Augenschein genommen werden. Jedoch scheint hier eine stärkere Anlehnung an „Tanz der Elemente“ gegeben zu sein.

Pierre Grimal: Götter und Helden. Die klassischen Mythen und Sagen der Griechen, Römer und Germanen. 2000.

Eine kurze und prägnante Sammlung der wichtigsten europäischen Mythen, die eine hervorragende Handreichung darstellt, von der aus tiefer gehende Studien unternommen werden können.

Siegling (Lenzing/März 2007)


Wintersonnenwendfeier: Grundzüge einer Feierfolge


Reinigung des Kultplatzes (analog zu Ostara, die Reinigung sollte noch zu Tageslicht ausgeführt werden)

Vorbereitung des Kultplatzes: Feuerholz aufschichten und so präparieren, daß es mit Fackeln zügig angezündet werden kann (lange Scheite in Zeltform aneinander stellen, die unteren Öffnungen mit trockenem Papier und Reisig füllen).

Opfergaben (Feueropfer; Gaben werden ins Feuer geworfen):

Süßes selbst gebackenes Gebäck (Gestaltung: z.B. Swastika-Motive, Runen wie Odal), Honig, Met (im Steinkrug oder Topf), Mistelzweige, Tannenzweige (mit bunten Bändern verziert, gedeckte Farben). Opfergaben sollten natürliche feste und flüssige Lebensmittel umfassen.

Folge:

Aufstellung der Kultgemeinschaft in Kolonne. Warten bis Stille und Besinnlichkeit eintritt. Fackeln werden entzündet.

Kultgemeinschaft betritt unter Führung des KL den Kultplatz und stellt sich um das Feuer auf. Opfergaben werden auf Steinaltar abgelegt (alternativ: Stapel mit Vorratsholz, abgedeckt mit einfacher, heller Decke).

Begrüßung der Gemeinschaft durch den KL: Götter, versammelte und mit uns in Gedanken vereinte Menschen (Kameraden), ich grüße euch!

Kultleiter:

„Entzündet das Sonnwendfeuer!“ Vier Fackelträger nähern sich aus den Himmelsrichtungen und entzünden den Holzstoß.

Warten bis das Feuer lodert. Verharren in Stille. Kultleiter oder Sprecher:

„Heilvoll dämmert das Licht. In der Andacht Stille begrüßt es!
Worte des Heiles allein ziemen dem Tag des Heils.
Kein Zank treffe das Ohr, noch nah’ unseliger Hader,
Hämische Zwietracht, heut ruhe das tägliche Werk."

[Ovid, 43 v.d.Z. – 18 n.d.Z. Alternativ kann der lateinische Text im Wechsel mit der deutschen Übersetzung gesprochen werden: prospera lux oritur: linguis animisque favete / nunc(=k) dicenda bona sunt bona verba die (=di-e) / lite vacent aures, insanaque protinus absint / iu(=j)rgia: differ opus, livida turba, tuum.]

Kultleiter: Sprecher tretet vor!

Sprecher 1: Das Sonnwendfeuer lodert, seine Funken streben dem Himmel zu!

Sprecher 2: Zu heiligen Zeiten und an heiligen Orten ruhen die Waffen!

Sprecher 3: Der Kultplatz unserer Gemeinschaft ist gemäß Sitte ein heiliger Ort. Und gemäß göttlichem Willen ist die deutsche Weihnacht die heilige Zeit!

Sprecher 4: Die Weihnacht umfängt mit ihren Tagen in Zwielicht den dunkelsten Tag des Jahres. Sonnenwende, komm und ende!

(Holz nachlegen)

Kultleiter: Das deutsche Wort „heilig“ folgt dem germanischen hailag: heilig. Im deutschen Wort „Weihnacht“ findet sich das Wort „Weihe“, folgend dem germanischen Wort „wi(h)“: unberührbar, unverletzlich, dem Kult zugehörig. Unsere Sonnenfeier fußt also im vorchristlichen Glauben der Ahnen.  Wie sie opfern wir! Wir hoffen auf eine neue Zeit. Sonnenordnung und Menschenordnung sollen sich wieder entsprechen, damit die Welt nicht weiter chaotisch auseinander falle!

Kultleiter nimmt Krug mit Met, schüttet einen Schluck ins Feuer („für die Götter“!). Er trinkt daraus und bringt einen Trinkspruch aus. Der Metkrug kreist, jeder der Kultgemeinschaft trinkt und bringt einen Spruch seiner Wahl aus oder richtet einige Worte an die Gemeinschaft. Kultleiter schüttet den Rest ins Feuer. Analog wird mit dem Kultgebäck verfahren (ohne Äußerungen).

Kultleiter: Laßt das Feuer lodern und dauern, laßt es unsere Opfer verschlingen! Heil den Unsterblichen! (Kultleiter und Sprecher nehmen die Opfergaben und werfen diese ins Feuer).

Volkslied (deutsches Weihnachtslied)

Kultleiter ruft Männer, Frauen und Paare auf, einen Gedanken bzw. Wunsch zu fassen und mit lautem Ruf übers Feuer zu springen.

(Feuerspringen)

Kultleiter: Wir überspringen das Sonnwendfeuer und durchschreiten die dunkelste Zeit des Jahres! Laßt uns in den geweihten Nächten die Gemeinschaft erleben, festigen und Kräfte sammeln. Land und Menschen erwarten die Rückkehr der unsterblichen Sonne zu voller Kraft!

Siegling (Dezember 2007)



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