»22 Thesen zum Rassismus«


Dr. med. Holger Schleip


Foto: Sergej Woronin


Die folgenden Thesen dienen nicht der Pflege irgendwelcher Feindbilder, vielmehr sollen sie helfen, überkommene Feindbilder zu überdenken und Gespräche zu ermöglichen, insbesondere zwischen den Menschen, die sich als Antirassisten verstehen, und den Menschen, die zu recht als Rassisten bezeichnet werden.


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Der Begriff ‚Rassismus' wird meist verwendet in einem Sinne derart, daß Rassismus schon per definitionem irrig oder böse oder beides zugleich ist. Ein solcher Rassismus-Begriff eignet sich zur gesellschaftlichen Ausgrenzung tatsächlicher und vermeintlicher Rassisten, verhindert aber eine ernsthafte geistige Auseinandersetzung mit den Phänomenen und den Menschen, die als rassistisch gelten.


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Deswegen definiere ich Rassismus ohne Vorverurteilung als den sich auf Rasse beziehenden „-ismus“ - als ein Fühlen, Denken und Handeln, bei dem Rasse (bzw. was darunter jeweils verstanden wird) eine zentrale oder zumindest wichtige Rolle einnimmt.


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‚Rassen’ seien dabei (bewußt unscharf) definiert als Fortpflanzungsgemeinschaften (neudeutsch: Genpools), die in der biologischen Systematik zwischen den mit (fast) jeder Generation neu gemischten Familien und den (fast) nicht mehr mischbaren Arten liegen und die zudem sich äußerlich erkennbar voneinander unterscheiden.


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Viele Antirassisten lehnen den Begriff ‚Rasse’ generell ab („Rassen gibt's nicht; nur Rassismus“, Volker Sommer). Unter Umgehung des Rasse-Begriffes läßt ‚Rassismus’ sich auch definieren als ein biologischer ‚Gruppismus’ (Kurt Wilirich), der sich auf eine Fortpflanzungsgemeinschaft bezieht, die kleiner ist als unsere Spezies Homo sapiens, aber größer und langlebiger als menschliche Familien.


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Rassismus läßt sich am besten verstehen durch Vergleiche mit anderen ‚Gruppismen’, also, ‚-ismen', gemäß denen der Umgang mit einem Individuum sich nicht primär an dessen individuellen Eigenschaften orientiert, sondern an dessen Zugehörigkeit zu dieser oder jener Gruppe, insbesondere daran, ob das Individuum der eigenen Gruppe zugerechnet wird oder nicht.


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Ein mit dem Rassismus vergleichbarer Gruppismus ist der ‚Spezismus’ (von lat. Spezies = Art, auch ,Speziesismus’, engl. „speciesism“, eingeführt von dem Tierversuchsgegner Richard Ryder) - jenes Fühlen, Denken und Handeln, das die Spezies-Zugehörigkeit in den Mittelpunkt stellt. Schlüsselbegriffe des Spezismus sind ‚Menschenwürde’ und ‚Menschenrechte’, also Würde und Rechte, die wir allen unseren Artgenossen zubilligen, aber allen zu anderen Arten zählenden Individuen vorenthalten: Mastschweine und Versuchkaninchen haben keine Menschenrechte, weil sie keine Menschen sind. Typisch für unseren Spezismus sind weiterhin Vorstellungen einer besonderen Gott-Nähe der Menschen, sowie Sprachregelungen dahingehend, löbliche Verhaltensweisen als ‚menschlich’ nach uns zu benennen, und tadelnswerte Handlungen als ‚unmenschlich’, ‚viehisch’, ‚bestialisch’ usw. auf andere Arten abzuwälzen. Spezismus bedeutet, sich beim Umgang mit Individuen mehr an Spezies-Eigenschaften zu orientieren als an individuellen Eigenschaften: „Der Mensch ist ein geistiges Wesen, das Tier nicht“ - deswegen dürfen wir Menschen generell nicht töten, auch neugeborene und geistig Schwerstbehinderte nicht, wohl aber geistig höher entwickelte Schimpansen.


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Ein weiterer mit dem Rassismus vergleichbarer Gruppismus ist jenes weit verbreitete Fühlen, Denken und Handeln, das Familienbande in den Mittelpunkt stellt - das Wort ‚Familismus’ liegt hierfür nahe. ,Familistisch’ sind zum Beispiel das Fremdeln von Kleinkindern, die Erwartung sexueller Treue vom Ehepartner, der Anspruch der Wöchnerin auf „ihr eigen Fleisch und Blut“, und das Erbrecht. Auch Antirassisten, die beim Thema Einwanderung rassistische Vorstellungen von ‚gemeinsamem Blut’ inbrünstig ablehnen, haben gegen die Herrschaft des Abstammungs-Prinzips in Entbindungs-Kliniken oder gegen den Anspruch eines Kindes auf seinen ‚Pflichtteil’ beim Tod der Eltern wenig einzuwenden.


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Familismus, Rassismus und Spezismus sind analog strukturiert, auch wenn sie sich im Grad der Verwandtschaft - gemäß den Individuen der eigenen bzw. fremden Gruppen zugeteilt werden - erheblich unterscheiden. Das Fremdeln des Kleinkindes (Familismus), das sich an der Hautfarbe entzündende „Ausländer-raus“ des heterosexuellen jungen Mannes (Rassismus) und das „Tiere-sind-keine-Menschen“ des schnitzelessenden Menschenrechtlers (Spezismus) - all dies sind Formen eines abstammungsorientierten Distanz-Bedürfnisses, das sich verkürzt, aber durchaus berechtigt ‚Fremdenfeindlichkeit’ nennen läßt.


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„Nächstenliebe statt Fernstenliebe“ kann sinnvoll sein. Geschönte Bilder, die Kinder sich von ihren Eltern machen, oder Eltern von ihren Kindern, oder Ehepartner voneinander, können vorteilhaft sein, nicht nur für die betreffende Familie, sondern auch für das ganze Volk. Analog können geschönte Bilder vom eigenen Volk, der eigenen Rasse oder der eigenen Religionsgemeinschaft für die ganze Menschheit nützlich sein. Jedenfalls, wenn diese geschönten Bilder der liebevollen Pflege des eigenen Nestes dienen und nicht dem Eindringen in fremde Reviere. Also: ‚Gruppismen’ sind nicht unbedingt böse.


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Aus mosaischer Sicht zeichnet sich das eigene, als Abstammungsgemeinschaft aufgefaßte Volk gegenüber allen anderen Völkern durch eine göttliche Auserwähltheit aus. Auch wer den Begriff Rasse für die Gemeinschaft der Juden nicht gelten läßt, muß zugestehen: Die mosaische Auserwähltheits-Vorstellung ist „typisch rassistisch“ in dem Sinne, daß sie genau dem Denkmuster entspricht, das Antirassisten meinen als rassistisch verabscheuen zu müssen. Deswegen gilt: Konsequenter Antirassismus führt geradewegs zu dem, was gemeinhin Antisemitismus genannt wird. Verständnis für Rassismus hingegen schützt vor Antisemitismus.


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Die Strukturierung des Lebens in ungleiche Fortpflanzungsgemeinschaften hat große biologische Bedeutung, denn jede Fortpflanzungsgemeinschaft stellt eine mögliche Antwort des Lebens auf sich ändernde Lebensumstände dar. Bestünde das irdische Leben aus nur einer Art, würde das Aussterben dieser Art das Ende des Lebens auf der Erde bedeuten. Besteht eine Art aus nur einer Rasse, dann bedeutet das Aussterben dieser Rasse das Aussterben der ganzen Art.


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Der Grundsatz „Vielfalt sichert Zukunft“ gilt nicht nur für Wälder und Seen, sondern auch für die Menschheit: Eine Menschheit, die mit vielen verschiedenen Booten Richtung Zukunft fährt, hat größere Überlebenschancen als eine Menschheit, die in ein gemeinsames Boot steigt (Irenäus Eibl-Eibesfeldt). Eine homogenisierte Menschheit „setzt alles auf eine Karte“, eine in unterschiedliche Rassen, Völker, Religionen, Kulturen, Wirtschaftsräume usw. gegliederte Menschheit hingegen „hat viele Eisen im Feuer“. Vielleicht stimmt die Vorstellung vom Menschen als einem Irrläufer der Evolution, vielleicht nicht. Vielleicht ist die weiße Rasse mit ihrer Zivilisation ein Irrläufer, vielleicht können am ehesten australische Aborigines oder afrikanische Buschleute die nächsten Jahrtausende überleben - wenn sie nicht zuvor von Weißen und Schwarzen aufgesogen wurden. Niemand kann das heute wissen.


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Die beiden vordringlichsten biologischen Zielsetzungen dürften die Selbsterhaltung und die Arterhaltung darstellen; den dritten Rang dürfte das Streben nach Differenzierung einnehmen. Da Vielfalt durch Abgrenzung entsteht, liegt es nahe, daß unsere der Abgrenzung dienenden Anlagen zwar nicht so tief in uns verankert sind wie zum Beispiel Hunger (der Selbsterhaltung dienend) oder Sexualität (der Arterhaltung dienend), aber eben doch ziemlich tief - vielleicht etwa so wie Eifersucht, Ehrgeiz oder Besitzstreben. Diese Annahme erklärt die vielen Mißerfolge der vielen gutgemeinten Bemühungen, Fremdenfeindlichkeit dauerhaft wegzuerziehen.


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Ähnlich wie Zuneigung und Liebe zu einer biologisch oft sinnvollen Annäherung führen, so führen Angst und Abneigung zu einer biologisch oft sinnvollen Abgrenzung. Werden Menschen genötigt, wider ihre Natur zu leben, dann erhöht dies die Gefahr von Gewalttaten. Dies gilt insbesondere für ‚abstoßende’ Fremdenfeindlichkeit. Kann Fremdenfeindlichkeit nicht zu Wahrung bzw. Wiederherstellung von Abstand führen, dann erhöht sich die Gefahr von Gewaltexzessen bis hin zum Völkermord.


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Wie immer man zum Begriff ‚Rasse’ stehen mag - weltweit läßt sich beobachten: Gesellschaften, die bei Zugrundelegung des üblichen Rassebegriffs ,multirassisch’ zusammengesetzt sind, zeichnen sich gegenüber herkunftsmäßig homogenen Gesellschatten (Nationalstaaten) durch größere soziale Gegensätze und mehr Gewaltkriminalität aus. Offenbar erschwert die (bereits äußerlich erkennbare) Nicht-Verwandtschaft sozialen Ausgleich und Gewaltverzicht.


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Für die Beurteilung menschlichen Handelns ist wichtig, wie langwierig die Folgen einer Handlung voraussichtlich sind und welchen Zeitraumes es bedarf, entstandenen Schaden wieder zu korrigieren. Rechtssysteme, wie sie dem Verfassungspatriotismus zugrunde liegen, können im Laufe von Jahren entstehen; Nationen, wie sie dem Nationalismus zugrunde liegen, im Laufe von Jahrhunderten; Rassen, wie sie dem Rassismus zugrunde liegen, im Laufe von Jahrzehnttausenden. Entsprechend diesem Ansatz ließe sich die Schadensdauer der Abschaffung eines Rechtssystems in Jahren messen, die einer Abschaffung von Völkern in Jahrhunderten, die einer Abschaffung von Rassen in Jahrzehnttausenden.


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Rassismus enthält unterschiedliche, unter Umständen sogar gegenläufige Elemente, und es ist sinnvoll, ihn begrifflich aufzuspalten in (offensiven) ‚Ausbeutungs-Rassismus’ und (defensiven) ‚Abgrenzungs-Rassismus’. Ausbeutungs-Rassismus ist ausgerichtet auf Übervorteilung fremder Rassen. Er zeigte sich in krasser Form in der Versklavung von Menschen anderer Rasse und zeigt sich heute versteckt und in milderer Form in ungerechten Handelsbeziehungen zwischen ‚weißen’ Industriestaaten und ‚farbigen’ Agrarstaaten. Letzterer zielt auf die Schaffung bzw. Wahrung des Abstandes zwischen Rassen. Abgrenzungs-Rassismus zeigt sich in krasser Form in Mord und Vertreibung und in milder Form in der Unerwünschtheit von Menschen fremder Rassen im eigenen Land oder gar in der eigenen Familie.


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Bei der aktuellen Einwanderungs-Diskussion geht es nicht um Rassismus ja oder nein, sondern um Abgrenzungs-Rassismus versus Ausbeutungs-Rassismus: Wir können uns abgrenzen und unsere selbstgemachten Probleme lösen, indem wir unser Wirtschafs- und Sozialsystem auf eine überalternde und schrumpfende Bevölkerung umstellen. Dies wäre eine Pionierleistung, die für die Menschheit zu erbringen wir uns derzeit in der glücklichen Lage befinden. Oder wir können versuchen, durch gezielte Einwanderungspolitik (Abwerbung der Leistungseliten anderer Völker) die Kosten unseres Geburtenstreiks und unserer hohen Lebenserwartung auf andere abzuwälzen. Allerdings: Wenn, wie jetzt bereits absehbar und aus ökologischen Gründen wünschenswert, in wenigen Generationen die Menschheit überaltert und schrumpft, dann haben wir das entsprechende Problem auf globaler Ebene; das heißt: für den Lösungsweg „Sanierung der Sozialsysteme durch Einwanderung“ brauchte die Menschheit dann einwanderungswillige Außerirdische.


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Generell gilt: Eine Gliederung in abgegrenzte Lebensgemeinschaften versetzt die Menschheit in die Lage, frühzeitig Lösungswege für Zukunftsprobleme zu suchen und zu erproben. Solange verschiedene Völker verschiedene Wege gehen, kann ein Volk vom anderen lernen. Globalisierung mindert die Lernfähigkeit der Menschheit.


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Auch jede Revolution und jeder Sozialismus stellt einen Weg dar, von dem man im vornhinein nicht sicher weiß, wohin er führt. Bei einer nationalen Revolution bzw. einem nationalen Sozialismus geht eine Nation einen neuen noch unbekannten Weg, bei einer Weltrevolution und einem internationalen Sozialismus tut dies die ganze Menschheit. ,One world’ ersetzt Völkerversuche durch Menschheitsversuche, und die Gefahr des Scheiterns eines Volkes durch die Gefahr des Scheiterns der Menschheit.


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Rassismus kann zu blutiger Gewalt führen. Deshalb jedweden Rassismus (im Sinne obiger Definition) zu tabuisieren, ist jedoch ähnlich unsinnig, als wenn man Sexualverbrechen zum Anlaß einer Tabuisierung jedweder Sexualität nähme, oder Raubmorde zum Anlaß einer Tabuisierung jedweden Besitzstrebens. Sinnvoll ist hingegen, auch wünschenswerte Aspekte insbesondere völkischer und rassischer Abgrenzung zu achten: Abgrenzung beugt Konflikten vor. („Gute Zäune schaffen gute Nachbarn“ - englisches Sprichwort), und Abgrenzung schafft via Nationalstaaten gute Grundlagen für Sozialstaaten. Und vor allem: Abgrenzung schafft und erhält Vielfalt und damit Zukunftsfähigkeit der Menschheit.


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Welche Bedeutung hierbei der Vielfalt der Genpools zukommt, verglichen mit anderweitigen Differenzierungen, vermag heute niemand vorauszusagen. Möglicherweise sind kulturelle und zivilisatorische Differenzierungen wichtiger als genetische, wobei jedoch offenbar genetische Differenzierung zumindest Kristallisationspunkte, wahrscheinlich aber auch Ursachen darstellt für kulturelle und zivilisatorische Differenzierung. Gewichtige Gründe sprechen dafür, daß eine Abschaffung der strukturierten genetischen Differenzierung (einfacher: der Rassen) die Überlebensfähigkeit der Menschheit mindert, möglicherweise erheblich. Deswegen liegt rassisch orientierte Abgrenzung im Überlebensinteresse der Menschheit.

Quelle: Nation und Europa 7/8 05


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