Volk – Nation – Rasse


Grundlagen der Biopolitik

Jacques de Mahieu


Jacques de Mahieu | Volk – Nation – Rasse | Grundlagen der Biopolitik

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INHALTSVERZEICHNIS


EIN WORT ZUVOR
Die Politik von morgen

EINLEITUNG
Vergessen und Übertreibung des ethnischen Faktors
Die Biopolitik

DIE RASSE
Der Mensch: Vererbung und Geschichte        
Die Tatsache der Rasse
Der zoologische Begriff der Rasse
Der Irrtum der „reinen Rasse"
Die Vererbung
Die Verbindung der Gene
Der doppelte Effekt der Rassenmischung
Die Mutation
Die Erblichkeit erworbener Eigenschaften
Die erbliche Erinnerung
Die Auswirkung des Milieus
Der doppelte Milieu-Effekt
Wirkungsgrenzen des Milieus
Schöpfung der Rasse

DIE ETHNOPOLITIK
Klassifikation der Rassen
Der Schmelztiegel
Die Ungleichheit der Rassen
Rasse und Gemeinschaft
Die Vielvölkergemeinschaften
Die rassische Spezialisierung in einer organischen Gesellschaft
Die Sklaverei
Die Rassentrennung
Gegensätzlichkeit der Rassen in einer mehrrassischen Gemeinschaft
Gegensätzlichkeit der Rassen in der Welt

DIE GENOPOLITIK
Biopsychologie und Gesellschaftsordnung
Die biopsychische Spezialisierung der Gesellschaft
Die Familie
Die Herkunft
Die Gesellschaftsschicht
Der Ursprung der sozialen Rangordnung
Erbliche Differenzierung und funktionelle Spezialisierung
Erbliche Veränderlichkeit durch die Funktion
Die Bedeutung der funktionellen Differenzierung
Die natürliche Auslese
Die wirtschaftliche Differenzierung
Die negative Auslese
Aristokratie und Eliten
Die biopsychische Ungleichheit der Gemeinschaft
Das Verschwinden der biopsychischen Gesellschaftsordnung

DIE GRÖSSE DER BEVÖLKERUNG
Der demographische Faktor
Die Bevölkerungsdichte
Das natürliche demographische Gleichgewicht:
Seine biologischen Faktoren
Das natürliche demographische Gleichgewicht:
Seine gesellschaftlichen Faktoren
Die demographische Zusammensetzung
Aktive und passive Bevölkerung
Der demographische Rhythmus
Der demographische Druck
Der Lebensraum
Die demographische Planung
Die demographische Konzentration

DIE WANDERUNGEN
Definitionen
Völkerwanderungen und teilweise Wanderungen
Freiwillige und zwangsweise Wanderungen
Die Auswanderung und ihre Ursachen
Die Auswanderung und ihre Folgen
Biotypologie des Auswanderers
Die Einwanderung und der Vorgang der Assimilation
Die Einwanderung und ihre Konsequenzen
Die internen Wanderungen: geosoziale Instabilität
Die internen Wanderungen: Ursachen und Folgen
Die Planung der Wanderungen
Die zeitweisen Wanderungen

ÜBER DEN AUTOR

DER LEBENSBAUM

E-BOOK

EIN WORT ZUVOR

Die Politik von morgen

Augenblicklich betrachtet die Welt mehr denn je die moderne Demokratie mit respektvoller Scheu wie den Messias, von dem sie erhofft, er werde sie vor dem universalen Chaos bewahren. Die liberale Schule verspricht stets eine Wohlstands-Wunder-Welt.

Indessen hat die Demokratie in ihrem Kampf für den Menschen vollkommen versagt. Sie bleibt in Unkenntnis der wahren Werte. Sie kennt den Frieden nicht. Sie hat bedauerlicherweise bei ihrem Versuch Bankrott gemacht, ihre Aufgabe zu rechtfertigen, da sie keine ihrer fälschlich optimistischen Erklärungen umsetzen kann. Die Demokratie hat die Welt von keiner der Geißeln Dummheit, Rassenunruhen und Verbrechen befreien können. Im Gegenteil hört keines von diesen Übeln auf, sich weiter zu verbreiten. Fügen wir diesem noch die Verseuchung von Luft, Wasser, Boden und vor allem Nahrung hinzu.

Man darf sich darüber nicht wundern. Denn die Verfälschung der westlichen Völker mit der Idee vom Profit, dem Begriff der Gleichheit, der Lüge durch Weglassen, der Heilmittelmißbrauch, der moderne Komfort und der Pazifismus um jeden Preis haben ein doppeltes Ergebnis gehabt: Unsere Nationen sind als solche von Unbeweglichkeit und Bewußtlosigkeit überfallen; aber auch als Einzelwesen ist jeder von uns der Entwurzelung und einer moralischen Bastardisierung erlegen, die zum Ziel hat, aus uns einen „folgsamen und wohlfeilen“ Lakaien zu machen, einen Gefangenen seiner Laster, seiner Robotereigenschaften und seiner Wahnvorstellungen. Diese Verfälschung steht im Begriff, aus uns – als Individuen wie als Nationen – elende Schurken, Bastarde, namenlose Völker, den idealen Rohstoff für einen Welttermitenstaat zu machen.

Gleichwohl, die Probe ist gemacht, es hätte auch anders ausgehen können. Seit die (natürliche) Hygiene ihren Platz in der Entwicklung der gesellschaftlichen Gruppen und die Rasse ihre Rolle zurückerhalten haben, sind Gesundheit und Ordnung wiederhergestellt. Nun fehlt nur noch, daß die Politik die Lebensgesetze und die Gebote der biologischen Moral beachtet. Es ist also leicht zu verstehen, daß die Frage des Rassebewußtseins nicht nur der Schlüssel der Geschichte, sondern auch derjenige der menschlichen Kultur ist. Aber wer kann auch heute noch eine solche Aussage begreifen, ohne dabei zu entgleisen? Wir sollten uns anstrengen, die Nebel zu zerreißen, mit denen die Halbgebildeten und Dummköpfe der Literatur eine Frage verhüllt haben, die im Grunde gar nicht so schwer zu beantworten ist.

Die Biopolitik zwingt uns zu einem globalen Bewußtwerden. Jeder einzelne Zweig des Wissens als solcher wird so für uns absolut gleichgültig. Die Biologie beispielsweise erweist sich für unsere Denk- und Lebensweise nur als von hoher Tragweite, wenn sie zur Lösung von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen beiträgt. Welchen Wert hätten für uns tausend Erkenntnisse der Erbgesundheitslehre, wenn sie nicht zu einem tieferen Verständnis der Religion und der Zukunft der Menschheit führten? Niemals wird eine spezielle Wissenschaft innerhalb des Gemeinschaftslebens als Faktor der Organisation wirken, wenn sie sich nicht auf die Höhe einer Politik des ganzen Menschen erhebt.

Dr. Jacques Baugé-Prévost, Psy.M.D., N.D.
Präsident der „Société d’Hygiène Naturelle du Québec“,
Direktor des „Institut Supérieur des Sciences Psychosomatiques,
Biologiques et Raciales“, Quebec (Kanada).

DIE ETHNOPOLITIK

Die rassische Spezialisierung in einer organischen Gesellschaft

Die Liberalen, die die politische Gleichheit predigen, ja oft genug aufnötigen wollen, vergessen, daß – gesetzt den Fall, es sei wahr, daß gewisse Rechte der menschlichen Natur innewohnen – die eigentlich politischen Rechte nicht nur den Pflichten entsprechen, was nur der moralische Gesichtspunkt des Problems wäre, sondern vor allem einer sozialen Funktion. Nun sind die Funktionen im Rahmen einer Gemeinschaft ungleich an Bedeutung und verlangen von denjenigen, die sie erfüllen, ungleiche Fähigkeiten. Wäre es nicht logisch und möglich, sich eine Vielvölkergemeinschaft vorzustellen, in der gewisse Funktionen organisch dieser oder jener rassischen Einheit vorbehalten blieben, die besondere Fähigkeiten für ihre Ausübung bekundet? Die untergeordnete oder auch nur nicht assimilierbare Rasse würde dann den ihr in der politischen Gesellschaft zustehenden Platz einnehmen und die ihr zustehenden Rechte ausüben, aber eben nur diese. Es mangelt nicht an historischen Beispielen für eine derartige Organisation. Die bekannteste ist ohne Frage diejenige der USA vor dem Sezessionskrieg (1861–1865). Die Neger erfüllten gewisse untergeordnete Funktionen. Sie besaßen dafür als Gegenleistung das Recht auf Nahrung, Unterkunft und Kleidung, selbst im Alter; Betreuung im Krankheitsfall und vor allem persönlichen Schutz. Als der Gemeinschaft nützlich, der sie angehörten, dachte niemand daran, sie auszuschließen oder zu hassen. Nachdem der Sieg des liberalen Nordens diese rassische Spezialisierung unterdrückt und die mehrrassische funktionelle Ordnung zerschlagen hatte, erwarben die Neger – wohlverstanden – nicht die Fähigkeiten, deren Nichtvorhandensein bei ihnen keinen anderen Platz auf der sozialen Stufenleiter als den untersten für sie freigelassen hatte; mit einigen wenigen individuellen Ausnahmen sind sie auch heute noch, mehr als ein Jahrhundert danach, Handarbeiter und Hausangestellte. Sie haben also die Funktionen behalten, zu denen sie vorbestimmt waren. Aber sie haben die entsprechenden Rechte verloren: die schwarzen Proletarier kennen keine Sozialversicherung, keine Pension, keine Stabilität ihrer Beschäftigung. Man hat ihnen allerdings die gleichen politischen Rechte wie den Weißen eingeräumt. Sie sind damit zu einer Gefahr für eine Gemeinschaft geworden, in der sie als nicht mehr notwendig erscheinen: daher rühren die oft brutalen Reaktionen, unter deren Auswirkungen sie zu leiden haben. Wie eine Zellrasse4 im Gewebe des menschlichen Körpers, die ihre organische Funktion verloren hat, sind die Neger der USA zu einem wirklich ernsthaften Problem der Gesellschaft geworden. Es ist ebenso vergeblich, ihnen das vorzuwerfen, wie sich darüber zu entrüsten. Es handelt sich weder um Schuld noch um Mitleid, sondern um einen ethnopolitischen Tatbestand, dessen Ursachen wir kennen und den man heilen muß, wenn das noch möglich ist, um eine Gemeinschaft wiederaufzubauen.


Gegensätzlichkeit der Rassen in einer mehrrassischen Gemeinschaft

In jeder aus mehreren Rassen zusammengesetzten Gemeinschaft gibt es also zweierlei gegensätzliche Bewegungen. Einerseits – außer im Fall einer völlig durchorganisierten Gesellschaft – protestiert die untergeordnete oder nicht anpassungsfähige und unter Vormundschaft gestellte Rassengruppe gegen die beherrschende und kämpft für ihre Befreiung oder sogar für ihre politische Vorherrschaft. Aber andererseits neigen die beiden Teile dazu, sich rassisch zu verschmelzen. Dieser Vorgang hat zwei Motive: die sexuelle Anziehungskraft und den Wunsch der Untergeordneten, sich ihren Herren zu nähern. Das erstgenannte Phänomen ist hinreichend bekannt, das andere erfordert eine gewisse Erklärung. In den USA hat man festgestellt, daß die Mulatten im allgemeinen untereinander heiraten, während die Neger Mulattinnen bevorzugen, und zwar solche mit möglichst heller Hautfarbe. Damit vollzieht sich innerhalb der farbigen Gemeinschaft eine Zuchtwahl zugunsten von mehr und mehr dem weißen Typ angenäherten Nachkommen. Man gelangt so immer häufiger zur Geburt von „weißen Negern“, das heißt Mischlingen, die äußerlich von Laien mit Weißen verwechselt werden können. Daraus ergibt sich das Phänomen, das die englische Sprache als „passing“ (Übergang) bezeichnet. Es gestattet diesen Mischlingen, ihren Wohnort zu wechseln, sich als Weiße auszugeben, sich innerhalb der weißen Bevölkerung zu verheiraten und diese mit vermischten Genen zu durchsetzen. Das „passing“ ist offensichtlich nur durch Mangel einer legalen ethnischen Unterscheidung möglich. Die komplette Vermischung wird eine neue Rasse ergeben, die wahrscheinlich eine verstärkte Einbildungskraft haben wird, die die derzeitige weiße Bevölkerung kaum oder gar nicht hat. Aber die Schaffenskraft und die Energie, die derzeit noch die meisten weißen Völker auszeichnen, werden unwiederbringlich verlorengehen. Halten wir außerdem fest, daß dieser Vermischungsprozeß sehr langsam ist, vor allem in den USA, wo das Rassebewußtsein sehr ausgeprägt ist, wo aber die Zeugungsfähigkeit der Neger, die größer als die der Weißen ist, den prozentualen Anteil der Afrikaner an der amerikanischen Gesellschaft ständig wachsen läßt. Wenn nicht die unerläßlichen ethnopolitischen Maßnahmen ergriffen werden, ist der Tag abzusehen, an dem nicht nur ein bedeutender Teil der Weißen in den USA, oder doch derer, die sich als solche bezeichnen, vermischtes Blut in den Adern hat, sondern gar die Mulatten an Zahl die weiße Bevölkerung übertreffen, wie das heute schon in Brasilien der Fall ist.


Gegensätzlichkeit der Rassen in der Welt

Die Fruchtbarkeit der „niederstehenden“ und die relative Sterilität der „höherstehenden“ Rassen sind Tatsachen, die sich nicht nur in mehrrassigen Gemeinschaften, sondern weltweit ergeben. Die gelegentlichen Warnungen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Europa zur Wachsamkeit gegenüber der „gelben Gefahr“ aufriefen, waren lächerlich. Es dauerte nicht lange, bis sich die Wirklichkeit deutlich bekundete. Die weißen Völker befinden sich nicht mehr bloß in der Defensive, sondern auf dem Rückzug. Sie haben alle ihre Kolonialreiche verloren. Eines Tages werden die Weißen auf ihren Ursprungsboden zurückgetrieben sein von Völkern, die ihnen an Qualität unterlegen sind, sie aber an Zahl weit übertreffen. Die Europäer haben die Gelben aus ihrem jahrhundertelangen Schlaf geweckt, sie haben die Neger davon abgehalten, sich gegenseitig massenweise umzubringen (nur ab und an fällt man in Afrika in diese liebe alte Gewohnheit zurück) und haben sie genötigt, mehr und mehr Lebensmittel zu erzeugen. Indem sie die unterlegenen Völker mit Hygiene und Medizin vertraut machten, haben sie die Zahl ihrer Gegner von heute vervielfacht, und morgen werden sie unseren Planeten aus seinem ethnischen Gleichgewicht gebracht haben. Es waren Weiße, die koloniale Aufstände gegen andere Weiße (wie in Südafrika) unterstützten und immer weiter förderten. Aber all dies wäre nicht so schlimm, wenn sich die Weißen die von ihren Vätern ererbten Qualitäten bewahrt hätten. Der Krieg zwischen weißen Nationen müßte durch den zwischen der weißen und der farbigen Welt ersetzt werden. Unglücklicherweise scheint das nicht der Fall zu sein. Die Degeneration der weißen Großrasse ist schon so weit fortgeschritten und die elementarsten Gesetze der Biopolitik sind allgemein – nur nicht bei den Juden – so weit in Vergessenheit geraten, daß man sich mit Recht fragen muß, ob noch genügend Zeit ist, etwas daran zu ändern.


DIE GENOPOLITIK

Die biopsychische Spezialisierung der Gesellschaft

Da man heutzutage die Konsequenzen nicht mehr so einfach hinnimmt, wird der Grundsatz der sozial-biopsychischen Spezialisierung in allen bestehenden Gesellschaften beachtet. Keine Gemeinschaft kann die Altersunterschiede ihrer Mitglieder übersehen. Überall muß die Jugend lernen, der Erwachsene arbeiten und das Alter sich ausruhen. Stellen wir uns doch nur einmal vor, wie absurd das Umgekehrte wäre! Das Alter ist einer der wesentlichen Faktoren der biopsychischen Differenzierung: Das Kind hat nicht dieselben physischen Möglichkeiten und psychischen Neigungen wie der reife Mensch, und dieser tut nicht dasselbe wie der Alte. Allgemeiner ausgedrückt: Die Arbeitsteilung in jeder organisierten Gesellschaft beruht bis zu einem gewissen Grad auf der besonderen Fähigkeit des Individuums. Man wählt den Professor nicht nach dem Umfang seiner Muskeln aus und den Packer nicht nach seiner ästhetischen Empfindsamkeit. Die Gesellschaftsordnung berücksichtigt also notgedrungen die individuellen Anlagen, ja, besser noch, sie stützt sich auf diese und läßt sich durch nichts davon abbringen. Jedoch protestiert man häufig gegen die funktionelle Ungleichheit der Geschlechter, die zumindest ebenso feststeht. Die Funktion der Fortpflanzung ist für die Gemeinschaft wesentlich, einfach schon deswegen, weil sie ohne eine solche in wenigen Jahrzehnten nicht mehr vorhanden wäre. Sie kann nur durch die Verschiedenartigkeit der biologischen Rolle von Mann und Frau erfüllt werden, die auch eine gesellschaftliche Differenzierung bedingt. Die Mutter ist es, die das Kind in ihrem Schoß trägt und ihm dann die Brust gibt. Sie ist daher nicht für eine normale Arbeit in der Produktion bestimmt, und es ist nur natürlich, daß ihr das Heim anvertraut wird. Die körperlichen Formen und die seelischen Qualitäten sind ja bei Frau und Mann ähnlich verschieden wie bei Kuh und Stier, wenn dieser Vergleich gestattet ist. Niemand würde daran denken, eine Kuh zum Kampf in die Arena zu schicken. Warum sollten unter diesen Umständen den Frauen in der menschlichen Gesellschaft die gleichen Funktionen wie den Männern zugeteilt werden? Frauen sind nicht dazu bestimmt, zu kämpfen, zu befehlen, zu erschaffen. Man hat im Bereich der Kunst mit vollem Recht darauf hingewiesen, daß noch nie eine Frau jemals ein großer Komponist gewesen ist, auch wenn das weibliche Geschlecht keineswegs von der musikalischen Kultur ausgeschlossen war. Wir müssen jedoch auch hier denselben Vorbehalt machen wie in bezug auf die Rassengemeinschaften: Es gibt Frauen, die den Männern auch an Kampfesmut, an Befehlsqualität und an Schaffenskraft überlegen sind. Das widerspricht in keiner Wiese der funktionellen Verschiedenheit, die ihrem Geschlecht zukommt.


Die Familie

Diese Spezialisierung bestätigt sich vor allem in der Familie, der theoretisch vollständigen biopsychischen Gruppe, Ergebnis der Vereinigung von Mann und Frau. Die Familie ist eine klar umrissene funktionelle Gruppe: ihre hauptsächliche Aufgabe ist die Zeugung und Erziehung von Kindern. Wir wissen aus unseren Untersuchungen im ersten Kapitel dieses Buches, daß das menschliche Wesen von seinen Eltern die Gesamtheit seines Erbgutes erhält. Der Mensch ist also ein Erbe, nicht nur dessen, was er nach seiner Geburt erhält, sondern auch und vor allem mit dem, was er ist. Nun widmen sich Millionen von Erziehern in der Welt der Aufgabe, das Kind zwischen den guten und den schlechten potentiellen Möglichkeiten seines Lebens auszurichten, aber niemand oder fast niemand beschäftigt sich mit der Auswahl der Eltern, von denen doch diese Möglichkeiten ausgehen, oder diese gründet sich auf wirtschaftlichen Erwägungen, die mit den biopsychischen Realitäten so gut wie nichts zu tun haben, besonders nicht in der modernen Gesellschaft. Die neuere Geschichte hat jedoch verschiedene Formen einer wertvollen Auswahl gekannt, bei denen sich die Tradition in gewissen leider mehr und mehr eingeschränkten Milieus fortsetzte. Unter dem Ancien Régime, der Regierungsform unter dem französischen Absolutismus (also vor 1789), wurde der Adel durch den Vater vererbt; dabei übersah man, daß die Mutter den möglichen Nachkommen genauso viele Gene mitgibt wie der Vater. Aber die Gewohnheit ergänzte im allgemeinen das Gesetz, so daß Mißheiraten, also das, was man „unstandesgemäße Ehen“ nannte, die Ausnahme blieben. Gewisse militärische Orden in Frankreich zeigten sich auf diesem Gebiet besonders streng und verlangten von ihren Mitgliedern den Nachweis des Adels bis zurück in die vierte Generation. Die königlichen Familien verbinden sich noch heutzutage, von gewissen Ausnahmen abgesehen, nur untereinander. Vermerken wir schließlich, daß die ältere Geschichte von gewissen Familien berichtet, die – aus ethnischen oder einfach nur biopsychischen Gründen im Schoß einer niederstehenden Bevölkerung isoliert wie die weißen Inka-Herrscher im vorkolumbianischen Andenhochland und die ebenfalls weißen Pharaonen der letzten Dynastie Ägyptens – durch strikte Einhaltung der Blutgleichheit bei ihren Heiraten sich ihre besonderen Qualitäten erhalten konnten.


Erbliche Differenzierung und funktionelle Spezialisierung

Untersuchen wir den erstgenannten Punkt. Nehmen wir eine in Bildung begriffene Gesellschaft wie an der nordamerikanischen Siedlungsgrenze des 19. Jahrhunderts. Nach dem Westen zogen nur abenteuerlustige und unternehmungsfreudige Menschen. Wer Führungsqualitäten, eine angemessene physische Konstitution und ausreichende Intelligenz besaß, sammelte natürlich um sich starke und mutige Individuen, die jedoch unfähig waren, eine Kampfhandlung gegen die Indianer zu leiten und in der Prärie eine Herrschaft aufzubauen. Andere, die intelligent, aber weniger waghalsig waren und unfähig zu befehlen, richteten Kramläden und Schenken ein. Die Ausrichtung auf eine bestimmte Funktion in einer Umwelt, wo weder das Vermögen noch die Überlieferungen eine Rolle spielten, erfolgte also allein auf der Grundlage der individuellen biopsychischen Fähigkeiten, genauso wie zu Beginn des Mittelalters in Europa. Das ist offensichtlich nicht dasselbe wie in den organisierten – und dabei schlecht organisierten – Gesellschaften von heute. Die bestehende Ordnung lastet auf den kraftvollen Persönlichkeiten, die aufsteigen wollen, während sie die untergeordneten Wesen künstlich auf einem Niveau hält, das nicht ihrer verminderten Leistungsfähigkeit entspricht. Wenn wir jedoch die Gemeinschaften betrachten und nicht bloß die Individuen, werden wir feststellen, daß immer noch eine Übereinstimmung zwischen der Funktion und dem Erbgut desjenigen besteht, der sie ausübt. Und das ergibt sich ganz einfach deswegen, weil in der zeitgenössischen Gesellschaft wie an der Siedlungsgrenze, obwohl nur in geringerem Ausmaß, die Funktion besondere biopsychische Eigenschaften verlangt. Im egalitärsten Regime kann man keinen Schiffsjungen einfach zum Kapitän bestimmen. Die soziale Abstufung gründet sich folglich auf die biopsychische Auslese von Individuen, die den Anforderungen der verschiedenen Funktionen entsprechen. Von diesem Gesichtspunkt aus ist es richtig, mit Vacher de Lapouge zu sagen, daß die gesellschaftlichen Schichten Wesen eines bestimmten Typs „anziehen“.


Die Bedeutung der funktionellen Differenzierung

Die funktionelle Typologie der gesellschaftlichen Einheiten ist so relativ wie diejenige der Rassen: sie beruht auf der Häufigkeit des Erscheinens von Merkmalen, die alle zusammen nur ausnahmsweise bei einer Einzelperson auftreten. Es ist einfach – und Soziologie wie Psychologie haben das oft getan –, das Vorhandensein nicht nur eines funktionellen Typs je Einheit, sondern mehrerer desselben festzustellen, wie auch auf experimenteller Grundlage die Ähnlichkeiten nachzuweisen, die sich auf diesem oder jenem Gebiet zwischen Typen bekunden, die zu verschiedenen Gemeinschaften gehören. Zwischen dem Aristokraten und dem Intellektuellen der „Mittelklasse“ kann es jedenfalls weniger Unterschiede von diesem oder jenem Gesichtspunkt aus geben – und gibt es im allgemeinen auch – als zwischen dem üblichen Aristokraten und dem „Krautjunker“, der in mancherlei Beziehung dem Bauern mehr ähnelt als seinem Standesgenossen. Was hat das zu bedeuten? Einfach, daß jeder Stand oder jede Klasse in Wirklichkeit eine Vielfalt von verschiedenen Berufen umfaßt, die funktionelle Unterkategorien darstellen, denen natürlich auch verschiedene biopsychische Typen entsprechen. Im Adel gibt es Staatsmänner, Militärs, Diplomaten, Intellektuelle, Gutsbesitzer; im Proletariat Stauer, Mechaniker, Zuschneider usw. Der Mittelstand ist noch komplexer. Aber es gibt Berufe, die in mehreren Ständen ausgeübt werden: gemeinsame Merkmale überlagern also die Unterschiede. Vom „Krautjunker“, das heißt dem adligen Kleinlandwirt, sagt man mit Recht: Das ist ein Bauer, aber man wird ihn nie mit einem solchen anderer sozialer Herkunft verwechseln, selbst wenn dieser unendlich viel reicher als er ist. Anders ausgedrückt: der Rang geht über den Beruf, aber deswegen wirkt sich dieser nicht weniger auf die verschiedenen Ebenen der sozialen Stufenleiter aus. Es gibt also eine vertikale Unterscheidung: die hierarchische; und eine horizontale: die berufliche, deren Auswirkungen zusammenkommen. Ganz allgemein ist die erstgenannte die stärkere. Es wird einem Packer leichter sein, Mechaniker zu werden als Diplomat, wie es für einen Krautjunker einfacher ist, Offizier zu werden als Handarbeiter. Wenn man an der erblichen funktionellen Differenzierung zweifelt, möge man sich des von Trotzki mißbrauchten Satzes erinnern: „Die angeborene Unfähigkeit des Proletariates, eine führende Klasse zu werden“, oder man stelle einige willkürlich herausgegriffene Portraits von Angehörigen der alten russischen Aristokratie neben die Fotos irgendwelcher Personen der Sowjetbürokratie, die aus den niederen Bevölkerungsschichten hervorgegangen sind, ohne daß die Zeit schon ihre Wirkung getan haben könnte. Die biopsychische Abstufung der Gesellschaft ist so ausgeprägt, daß sie manchmal sogar die Unterschiede zwischen den Großrassen überwindet, wohlgemerkt jedoch, ohne sie zu zerstören. Ein japanischer Aristokrat von verhältnismäßig hohem Wuchs und langem Schädel, feinen Gesichtszügen, geradestehenden Augen, mit Führungsqualitäten, Mut und Ehrgefühl steht einem europäischen Aristokraten oft schon vom physischen Gesichtspunkt her näher als einem Landsmann von ihm von grobem biopsychischen Typ, von niedrigem Wuchs, schrägen Augen und platter Nase.


Die natürliche Auslese

Es soll jedoch nicht weniger gut verstanden werden, daß die funktionelle Differenzierung nur im Rahmen der fraglichen ethnischen Gemeinschaft wirksam wird. Sie aktualisiert dort, wo sie es anordnet, durch Auswahl und Formung die Möglichkeiten des menschlichen „Rohstoffes“, die wesentlich von der Rasse abhängen. Aber wir müssen hinzufügen: und vom derzeitigen Zustand dieser Rasse. Es ist nämlich nicht gleichgültig, ob diese jung oder alt ist. Eine Rasse ist jung, wenn die Lebensbedingungen ihrer Angehörigen einfach geblieben sind und sie nicht gezwungen haben, sich anzugleichen und daher zu häufig zwischen ihren natürlichen Möglichkeiten wählen zu müssen. Ein Vergleich wird uns das Problem besser verstehen lassen: Ein gut begabtes Kind kann zwischen einer naturwissenschaftlichen Ausbildung und einer humanistischen Bildung wählen, aber ein Mann von 60 Jahren wird nicht in der Lage sein, auf diese Wahl zurückzugreifen, die seinen Geist ein für allemal ausgerichtet hat, und keine funktionelle Änderung würde in dieser Hinsicht positive Ergebnisse bringen. Es ist alles andere als gleichgültig, ob eine Rasse stark oder degeneriert ist, weil ihre herausragenden Eigenschaften einen besonderen qualitativen Grad haben und dieser Grad wie die Eigenschaften selbst nicht bei allen Angehörigen der fraglichen Gemeinschaft in einem bestimmten Augenblick ihrer Geschichte derselbe ist. Einige Individuen sind unterernährt, Alkoholiker, Syphilitiker oder auch einfach nur schwach. Andere dagegen sind im Vollbesitz der Kräfte ihrer Rasse. Unter den Bedingungen eines primitiven Daseins verschwinden die Schwachen, ehe sie das zeugungsfähige Alter erreicht haben. Der „Rohstoff“, auf welchen sich die funktionelle Differenzierung auswirkt, besitzt also dank der natürlichen Auswahl ein Maximum an Möglichkeiten. Das ist heutzutage nicht mehr der Fall. Die biopsychische Gesellschaftsordnung verlangt nicht nur die funktionelle Differenzierung, sondern auch und vor allem die Einschränkung niederstehender Elemente, das heißt der funktionell unbrauchbaren und gesellschaftlich gefährlichen Randgruppen. Ohne eine solche Säuberung degeneriert die Rasse. Die eventuelle Geburt eines durch Syphilis erblich belasteten Genies ist kein Ersatz für die biopsychische Dekadenz der gesamten Gemeinschaft. Es scheint andererseits nicht so, als wären frühere Jahrhunderte, die noch die Wohltaten der natürlichen Auslese genossen, viel ärmer an hervorragenden Menschen gewesen als das unsere.


Die wirtschaftliche Differenzierung

Die zeitgenössische Welt ist weit davon entfernt, in einem Naturzustand zu leben. Ihre gesellschaftliche Struktur mißachtet die Gesetze der Biopolitik, obwohl sich vieles aus einer früheren Ordnung gerettet hat, die sich auf die biopsychische Differenzierung gründete, und obwohl sich die Realitäten der menschlichen Natur häufig als den egalitären Utopien überlegen erweisen. Stellen wir andererseits fest, daß diese letztgenannten dort, wo sie sich durchsetzen können, nur einen destruktiven Charakter haben und sich als unfähig erweisen, die alte Ordnung der Dinge durch eine kohärente Konstruktion zu ersetzen. Die liberale Gesellschaft hat die unmögliche Gleichheit nicht erreichen können. Sie hat sich darauf beschränkt, die biopsychische Differenzierung durch eine wirtschaftliche Differenzierung zu ersetzen, die alle Werte verkehrt hat. Statt daß der Reichtum ein Instrument ist, das der führenden Gesellschaftsschicht zur Verfügung steht, ist er ein Mittel geworden, um Zugang zur gesellschaftlichen Macht zu bekommen. Zu anderen Zeiten war man reich, weil man eine Führungsrolle spielte. Heutzutage, in der liberalen Gesellschaft, befiehlt man, weil man reich ist. Die soziale Rangordnung wird von dem wirtschaftlichen Unterschied bestimmt, der die Klassen voneinander trennt. Das System, daß das Geld nicht zu einem an die Funktion gebundenen Wert, sondern zum Kriterium der gesellschaftlichen Rangordnung macht, stellt vom Gesichtspunkt der Biopolitik aus ohne Zweifel den Höhepunkt der Ungeheuerlichkeiten dar.


Die negative Auslese

So wie der liberale Kapitalismus sich bemüht, die qualitative Ordnung der Gesellschaft zu zerstören, so hat die moderne Pseudozivilisation alle Anstrengungen gemacht, um die natürliche Zuchtwahl zu unterdrücken. Die künstlichen Lebensbedingungen, die sie geschaffen hat, erlauben das Überleben von Individuen, die, da biopsychisch minderwertig, zu anderen Zeiten verschwunden wären. Wenn es der Medizin gelegentlich gelingt, das Leben wertvoller Menschen zu retten, so wendet sie doch den größten Teil ihrer Zeit dafür auf, den Schwachen zu helfen, den Erbkranken und Degenerierten, denen sie weiterzuleben gestattet, was nicht so schlimm wäre, wie daß sie sich vermehren und so künftige Generationen schädigen können. Parallel zu dieser naturwidrigen Betätigung, von welcher die für die Gemeinschaft schädlichen Elemente profitieren, führt die moderne Welt eine regelrechte Negativauslese durch. Die Kriege waren früher längst nicht so blutig wie heute. Sie verlangten von den Kriegführenden körperliche und moralische Qualitäten, deren Nichtvorhandensein den Tod bedeutete. Sie bewirkten also eine gewaltsame natürliche Auslese, besonders unter dem Adel, der so an Kraft gewann, was er vielleicht an Zahl verlor. Heutzutage verlangt der Krieg von dem, der ihn austrägt, immer weniger Mut. Im wahrsten Sinn des Wortes mörderisch, trifft er vor allem die beste Jugend, die sich in den Elitetruppen sammelt. In ihren Reihen ist Mut ein Todesfaktor. Die besten Kräfte werden zugunsten der Schwachen und Feigen geopfert, die bei der Nachhut bleiben. Die als Bürgerkrieg bezeichneten Unruhen, die die Folge davon sind, haben ein noch deutlicheres Ergebnis: Die Aristokratie, das Ergebnis einer Auslese über Jahrtausende hinweg, wird durch Massenmord, Austreibung oder Auferlegung von Lebensbedingungen, die ihre schnelle Degeneration bewirken, ausgerottet. Kurzum: Der Bürgerkrieg tötet die Freiwilligen, die allein durch ihre Gegenwart in vorderster Front ihre moralischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt haben.


Aristokratie und Eliten

Während die durch Krieg oder Klassenkampf – oder beides – dezimierte Aristokratie sich dadurch erneuert, daß sie die höheren Elemente des Bürgertums oder des Proletariats in ihre Reihen aufnimmt, finden viele von denen, die sie sich einverleibt, so den Weg zu ihrer Selbstverwirklichung, aber sie rufen auch die qualitative Verarmung der Schichten hervor, aus denen sie kommen. In jeder organischen Gesellschaft ist jede Gruppe in sich genauso abgestuft wie die Gemeinschaft selbst. Wenn die führende Gesellschaftsschicht die natürlichen Führer der sekundären Gruppen anzieht, bringt sie diese letztgenannten in Unordnung und zerstört sie im Lauf der Zeit. Das ist von jedem Gesichtspunkt aus eine verkehrte Rechnung, denn die rassische Verarmung der unteren Schichten ruft ihre biopsychische Degeneration hervor und eben dadurch die Erschöpfung der Quellen für die unerläßliche Erneuerung der Aristokratie. Wir widersprechen uns damit keineswegs. Es ist normal und notwendig, daß die Aristokratie – oder ganz allgemein die Führungsschicht – die Mutanten aufnimmt, die aus den Eliten der untergeordneten Schichten hervorgehen. Aber es ist schädlich, wenn sie diese Eliten ganz verschlingt, weil deren Existenz für das gute Funktionieren der Gemeinschaft unerläßlich ist.


Das biopsychische Ungleichheit der Gemeinschaft

Die negative Auslese, deren wesentliche Gesichtspunkte wir kurz analysiert haben, ist nicht der einzige Faktor des biopsychischen Ungleichgewichts, den die Auslichtung gehobener Elemente der Bevölkerung hervorruft. Wir müssen auch auf eine Erscheinung hinweisen, die parallel zu dem ist, das wir auf dem Gebiet des Rassenkampfes festgestellt haben: die relative Sterilität der Schichten von höchstem Niveau im Vergleich mit der Fruchtbarkeit der niedrigeren. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die zur Oberschicht gehörenden Familien weniger Kinder haben. Die materiellen Gründe dieses Zustandes sind vielfach: Schwierigkeiten der Unterbringung und Bedienung, ungenügende Mittel im Verhältnis zu den Aufwendungen für eine gehobene Lebensweise, Frauenarbeit usw. Fügen wir noch die Angst vor der Mutterschaft bei Frauen hinzu, die, selbst wenn sie keinen Beruf ausüben, ihre natürliche Rolle aufgeben wollen, die Abschwächung religiöser Vorschriften und Überlieferungen und auch die physiologische Degeneration, ein Ergebnis der städtischen Umwelt. Wenn also die Vermehrung farbiger ethnischer Gemeinschaften schon eine große Gefahr für die Gemeinschaften der weißen Rasse darstellt, so ist die Vermehrung der vom biopsychischen Gesichtspunkt aus minderwertigen Elemente innerhalb der weißen Gemeinschaften bereits eine vollendete Tatsache. Gewiß, es gibt noch zahlreiche nicht degenerierte Nachkommen alter Adelsgeschlechter, und die funktionelle Formung würde im Lauf der Zeit ausreichen, um Führungsschichten wiederaufzubauen, die diesen Namen verdienen. Aber was uns schwerer zu wiegen scheint, ist der doppelte Vorgang des zahlenmäßigen Rückgangs der Aristokratie bzw. der sie ersetzenden bürgerlichen Führungsschichten bei gleichzeitiger Vermehrung der minderwertigen Elemente; ein Prozeß, der mit beschleunigtem Rhythmus verläuft, ohne daß irgend jemand sein baldiges Ende vorhersagen könnte und ohne daß etwas getan würde, um ihn aufzuhalten – eher schon im Gegenteil. Unsere liberale Gesellschaft geht einem einförmigen Zustand der Mittelmäßigkeit entgegen, einer allgemeinen Verwirrung, die der Vorherrschaft der weißen Rasse eine definitive Grenze setzen und, sind die organischen Gemeinschaften erst einmal zu Herden geworden, zu ihrem Ende führen wird.


Das Verschwinden der biopsychischen Gesellschaftsordnung

Gobineau sah in der Bastardisierung den einzigen Faktor der Dekadenz ethnischer Verbände und des Zerfalls der Zivilisationen. Wir wissen inzwischen, daß die biopsychische Degeneration sich einfach durch die Veränderung der Umwelt ergeben kann. Weiße, die sich in den Tropen ansiedeln, degenerieren. Gemeinschaften, die ihre biopsychische Gesellschaftsordnung zerstören, degenerieren. Unsere Zeit leidet nicht nur unter der Bastardisierung, sondern auch unter der funktionellen Gleichstellung der Geschlechter, der Vermengung der Gesellschaftsschichten, der Re-Absorbierung der Eliten und des seiner Funktion beraubten Adels. Wie das Maurras schon vor mehr als einem halben Jahrhundert ankündigte, besiegt das Gold das Blut. Ist also alles verloren? Nein! Denn die weiße Rasse ist nicht das Opfer eines Verhängnisses, sondern das ihrer eigenen Gewissenlosigkeit. Die schlechte Politik ist die Ursache des Unterganges der natürlichen Ordnung. Eine gute Politik würde ausreichen, die Bedingungen einer Regeneration wiederherzustellen.


DIE GRÖSSE DER BEVÖLKERUNG

Der Lebensraum

Unsere bisherigen Feststellungen sind – wohlverstanden – gültig für autonome Gemeinschaften bei ihren möglichen gewaltsamen Auseinandersetzungen. Diejenigen, die eine höhere Bevölkerungsdichte als die normale haben, versuchen, das Gleichgewicht durch Auswanderung oder Eroberung neuer Gebiete wiederherzustellen. Das bedeutet den – friedlichen oder bewaffneten – Einmarsch in fremdes Gebiet von geringerer Bevölkerungsdichte. Diese Feststellung zwingt uns, unsere früheren Untersuchungen in einem neuen Licht zu vervollständigen. Als wir sie machten, gingen wir vom Raum aus, um zu dem Konzept der optimalen Bevölkerungsdichte zu gelangen. Die Methode, die wir dabei angewendet haben, ist nicht willkürlich, da sie der natürlichen Wirklichkeit des ökologischen Gleichgewichtes entspricht. Aber wir wissen durchaus, daß man das Ausmaß der erwünschten Bevölkerung ebensogut entsprechend dem verfügbaren Raum festsetzen kann wie den notwendigen Raum für eine gegebene Bevölkerung berechnen. Theoretisch ist dies letztgenannte Vorgehen befriedigender, da der Mensch natürlich zuerst seinen geographischen Rahmen hat. Aber in der Praxis entspricht er nicht immer seinen reellen Möglichkeiten. Der Raum eines Staates ist im allgemeinen nicht dehnbar, obwohl sich der Fall ergeben kann, daß einst ungenutzte Gebiete durch neue Formen der Technik besiedelt werden können, und die Gebiete von geringerer Bevölkerungsdichte stehen nicht immer der Einwanderung offen und sind noch weniger für eine Abtretung der Souveränität verfügbar. Daher die kriegerischen Konflikte, die sich unter bestimmten Umständen zwischen übervölkerten Staaten und anderen ergeben, deren Bevölkerungsdichte unter dem optimalen Punkt liegt, der vielleicht nicht ihrem eigenen technischen Niveau, wohl aber demjenigen der erstgenannten entspricht. Von der Bevölkerung ausgehend, können wir also das Gebiet bestimmen, das für eine Gemeinschaft notwendig ist, um eine optimale Bevölkerungsdichte zu erlangen, für die sie sich voll einsetzen kann. Der Besitz und möglicherweise – im Rahmen der bestehenden Verfügbarkeit – die Eroberung dieses Lebensraumes entspricht also einem natürlichen Recht. Dies bedeutet nicht, daß die Verwirklichung dieses Rechtes von sich aus gültig ist, noch daß sein Vorhandensein notwendigerweise das Recht gleicher Art beseitigt, das einem anderen Staat von geringerer Dichte zustehen könnte. Vergessen wir nämlich nicht, daß die optimale Bevölkerungsdichte sich relativ zum Niveau der Technik verhält und mit diesem ansteigt. Ein Staat, der beispielsweise von Ackerbau und Viehzucht lebt, hat einen anderen Bedarf an Grund und Boden als ein industrialisierter, der für halb leer gilt. Deutschland suchte 1941 seinen Lebensraum in der Sowjetunion, wo die Bevölkerungsdichte beträchtlich geringer war. Doch dieses Land hatte auf Grund einer optimalen Dichte, die vom niedrigen Niveau seiner Technik herrührte, das weit unter dem des Reiches lag, keinen Raum mehr, der ihm nicht gefehlt hätte. Es handelte sich also um einen Konflikt zwischen zwei Naturrechten, von denen eines so respektabel ist wie das andere, wenn wir qualitative Betrachtungen anderer Art außer acht lassen. Dies Beispiel Deutschlands ist am besten geeignet, um uns zu zeigen, wie relativ der Lebensraum ist. Mit einer Bevölkerungsdichte, die wesentlich höher ist als vor dem Krieg, ist sein westlicher Teil Einwanderungsland geworden: Der technische Fortschritt hat seine optimale Dichte so weit anwachsen lassen, daß seine derzeitige Bevölkerung ungenügend ist. Das innere demographische Ungleichgewicht, eine Folge des Krieges, trägt fraglos dazu bei, das Phänomen zu verstärken. Aber dies ist nicht die einzige oder auch nur die wichtigste Ursache, da Schweden und die Schweiz, die außerhalb des Konfliktes blieben, gleichfalls Arbeitskraft importieren.


Die demographische Planung

Wenn ein Staat seine optimale Bevölkerungsdichte überschreitet oder doch dazu neigt, ohne den Lebensraum erobern zu können oder zu wollen, der seinen gegenwärtigen und zukünftigen Notwendigkeiten entspricht, ist die einzige Lösung, die ihm übrig bleibt, um mit dem Problem fertigzuwerden, die künstliche Beschränkung seiner Bevölkerungszahl. Den natürlichen Faktoren – biologischen und sozialen – des demographischen Gleichgewichtes gesellt sich so ein verstandesmäßiger Faktor hinzu, der die anderen ergänzt und ihre eventuellen Mängel behebt. Die freiwillige Begrenzung des Bevölkerungsumfanges ist keineswegs eine Errungenschaft unseres Jahrhunderts und ergibt sich auch nicht zum ersten Mal als Folge der grob vereinfachenden Theorien von Malthus8. Das Imstichlassen der Alten – als unproduktive Verbraucher – wurde und wird noch immer von zahlreichen primitiven Völkern gehandhabt, besonders bei Nomadenstämmen, die sich im Bemühen um ihre Existenzmöglichkeiten ohne Hindernisse bewegen müssen. Im alten China war es gebräuchlich und erlaubt, Säuglinge weiblichen Geschlechtes umzubringen, um die künftigen Geburtenzahlen herabzudrücken. Unabhängig von diesen Beispielen ist es eine wohlbekannte statistische Tatsache, daß bei zivilisierten Völkern innerhalb der städtischen Bevölkerung die Fortpflanzung künstlich eingeschränkt wird, im allgemeinen aus wirtschaftlichen Gründen und in den Schichten von höchstem kulturellem Niveau zwecks Lustgewinn, oft mit sehr negativen Folgen. Was aus dem Werk von Malthus zunächst auf ideellem Gebiet und danach auch in der Praxis hervorgeht, ist die demographische Planung durch Geburtenkontrolle. Halten wir sofort fest, daß das Prinzip und die Methode, die in Frage kommen, alles andere als untrennbar von einander sind. Da es feststeht, daß der Mensch ein denkendes und politisch handelndes Wesen ist, ist es durchaus normal, daß er von seinen intellektuellen Fähigkeiten Gebrauch macht, um ein so schweres Problem zu lösen, vor allem, wenn man berücksichtigt, daß es sich weitgehend deswegen stellt, weil die biologischen Faktoren des demographischen Gleichgewichtes künstlich beseitigt worden sind. Die Bevölkerungsplanung will die reduzierende Wirkung dieser Faktoren durch die verstandesmäßige Anwendung sozialer Faktoren ausgleichen. Nichts ist natürlicher als dies. Die Geburtenkontrolle dagegen, wenn es auch wahr ist, daß sie unter gewissen Umständen, wie in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg, den Umfang der Bevölkerung stabilisieren kann, ruft ernsthafte Ungleichheiten qualitativer Art hervor, deren Folgen auf lange Sicht schlimmer sind als diejenigen, die vom zahlenmäßigen Ungleichgewicht herrühren. Durch die Sterilisierung, die Verbreitung von empfängnisverhütenden Methoden und Mitteln und die gesetzlich erlaubte Abtreibung will die Geburtenkontrolle nämlich – und das gelingt ihr häufig – den Anteil der Kinder innerhalb der Bevölkerung niedrig halten. Unter diesen Umständen altert die Gesellschaft. Die Eskimos, die ihre Alten auf dem Eis liegen lassen, beseitigen damit Individuen, die ihre Funktion im Gemeinwesen bereits erfüllt haben und von denen in diesem Sinn nichts mehr zu erwarten ist, die also endgültig unproduktive Verbraucher geworden sind. Die Geburtenbeschränkung bedeutet dagegen die Beseitigung von nur vorübergehend unproduktiven Verbrauchern, das heißt potentiellen Erzeugern. Von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet, betrifft die Geburtenkontrolle vor allem die Bevölkerungsschichten von höchstem verstandesmäßigen Niveau und – weltweit betrachtet – die Rassen von höchster geistiger Tüchtigkeit, weil die Anwendung der zur Geburtenbeschränkung empfohlenen Methoden so schwer zu erklären und noch schwerer zu begreifen ist. Das bewirkt ein qualitatives Ungleichgewicht von tragischen Folgen. Es wäre viel befriedigender, aus dem einen oder anderen Grund unnütze Individuen zu beseitigen. Aber merkwürdig genug: Die sich heute zivilisiert nennen, befürworten die Abtreibung, also den Mord an einem Lebewesen im Mutterleib, und weisen voller Abscheu die Euthanasie, also den Gnadentod von unheilbar Kranken, zurück. Sie erhalten menschliche Ungeheuer künstlich am Leben, aber verhindern gleichzeitig die Geburt von gesunden Kindern, unter ihnen auch solche von vielleicht höchstem potentiellen Wert. Das ist die schlimmste der Irrungen. Wir haben in diesem Absatz bisher nicht davon gesprochen, daß die Bevölkerungsplanung auf den Bevölkerungsüberschuß zurückzuführen ist. Wohl verstanden: es gibt auch das Gegenteil davon. Die Länder, deren Bevölkerungsdichte unter der optimalen Grenze liegt, haben zweierlei Vorgehen zur Auswahl, um ihre Unzulänglichkeit auf diesem Gebiet zu beheben: die Erhöhung der Geburtenfreudigkeit durch wirtschaftliche, psychologische und soziale Maßnahmen, wie das Italien und Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg machten, und Einwanderung. Das erstgenannte schafft keine Probleme. Das zweite werden wir im nächsten Abschnitt behandeln.


DIE WANDERUNGEN

Die Auswanderung und ihre Folgen

Wenn sich der Soziologe für alle Gründe, sogar die persönlichen, des Wanderungsphänomens interessiert, da nun einmal von ihnen der fragliche Prozeß abhängt, zieht er nur die gesellschaftlichen Folgen desselben in Betracht. Vom Gesichtspunkt des Ursprungslandes aus hat jede Auswanderung eine grundsätzliche Wirkung, die immer dieselbe ist, deren Bedeutung aber mit den Umständen beträchtlich wechselt: einen quantitativen Verlust an Bevölkerung. In dem Grenzfall einer Gesamtverschiebung oder einer völligen Zerstreuung leert sich das von der Gemeinschaft bisher bewohnte Gebiet und bleibt zur Verfügung derjenigen, die diese Entwicklung hervorgerufen haben oder eines später kommenden Volkes von Kolonisten. Weiteres wäre nicht hinzuzufügen. Aber wenn das Phänomen im Gegenteil nur partiell ist, muß das Problem seiner positiven und negativen Folgen behandelt werden. Es ist vor allem offensichtlich, daß jedes menschliche Wesen, von Krankheitsfällen einmal abgesehen, eine gewisse tatsächliche oder potentielle Produktionskapazität besitzt. Wenn es derzeit aktive Erzeuger sind, die auswandern, sind die Folgen natürlich negativ, was in noch stärkerem Maß bei auswandernden Kindern der Fall ist – potentiellen Erzeugern, die nur augenblicklich noch unproduktiv sind –, obwohl zunächst eine gewisse Steigerung des Wohlstandes dadurch möglich ist, daß Verbraucher verschwinden, die ihre Bedürfnisse nicht durch eigene produktive Arbeit befriedigen. Vom quantitativen Gesichtspunkt aus ist die Auswanderung nur insofern positiv zu bewerten, als sie gestattet, die optimale Bevölkerungsdichte wiederherzustellen oder zu bewahren, oder weil sie die Gemeinschaft um potentielle Erzeuger erleichtert, die aus Mangel an den dazu nötigen Mitteln nie wirkliche Erzeuger werden könnten und also unproduktive Verbraucher bleiben würden. Wir haben jedoch bereits gesehen, daß die optimale Bevölkerungsdichte eine Funktion des Entwicklungsniveaus ist. Was wir hier festgestellt haben, gilt also für eine Gemeinschaft, die aus diesem oder jenem Grund keine Möglichkeit hat, ihren Nutzungsindex der vorhandenen Hilfsquellen zu verbessern oder auf diesem Gebiet neue zu erschließen. Indem das vorfaschistische Italien die Auswanderung erlaubte oder gar förderte, löste es so das Problem der Arbeitslosigkeit teilweise, verlor aber Möglichkeiten, deren Verwirklichung erlaubt hätte, wie das die Geschichte später bewies, die erwerbslosen Arbeitskräfte wieder in den Produktionsprozeß einzugliedern und das Entwicklungsniveau des Landes zu verbessern. Der quantitative Gesichtspunkt des Prozesses ist jedoch nicht der wichtigste. Sei sie nun von diesem letztgenannten Standpunkt aus positiv oder negativ zu werten, hat die Auswanderung doch sehr verschiedene Auswirkungen auf qualitativem Gebiet je nach der Höhe des Niveaus derjenigen, die die Heimat verlassen. Es ist für ein Staatswesen nicht dasselbe, Handarbeiter zu verlieren, die bei ihrer Arbeit an immer selbständiger arbeitenden Maschinen relativ leicht zu ersetzen sind, oder Intellektuelle und Techniker, die nicht auswechselbaren Faktoren jeden Fortschrittes, auf welchem Gebiet auch immer es sei. Die qualifizierte Auswanderung, die es seit der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen aus Europa und Argentinien nach den USA gab, wog für die Ursprungsländer gewiß viel schwerer als die Verschiebung von Arbeitskräften mit dem gleichen Ziel im vorigen Jahrhundert, selbst wenn diese, wie im Fall Deutschlands, demographische Hohlräume schuf, die niemand wieder auffüllte. Die Abwanderung jener Schicht, die man als den Abfall der Gesellschaft bezeichnen kann, ist in jedem Fall positiv zu bewerten. Diese Menschen können sich assimilieren oder nicht, das kümmert niemanden. Wenn das die „Verwirklicher“ und „Schöpfer“ tun, wie Vacher de Lapouge die hochwertigen Elemente der fraglichen Wanderungsbewegung nennt, dann ist das in jedem Fall katastrophal, besonders in unserer Zeit, wo die Masse im Begriff steht, viel von ihrer Bedeutung als Machtfaktor einzubüßen.


Biotypologie des Auswanderers

Man müßte wissen, ob es gesellschaftliche Gesetze gibt, die auf qualitative Kennzeichen von Auswanderern angewendet werden, oder ob die freiwillige Auswanderung von menschlichen Wesen sich nach subjektiven Faktoren richtet, die unterschiedslos auf alle biosozialen Typen einwirken. Man ist es gewohnt, auf diesem Gebiet scharfen, aber nicht sonderlich begründeten Meinungen zu begegnen, und niemand wird jemals genau feststellen können, warum die keltischen Völker als erste die Küsten des Atlantischen Ozeans erreichten: weil sie die kühnsten waren – oder weil sie schneller fliehen konnten als alle anderen… Lassen wir bei dieser unserer Untersuchung menschliche Nomadengruppen außer acht, deren territoriale Unbeständigkeit von ständigen wirtschaftlichen Erfordernissen hervorgerufen wird, und auch die zwangsweisen Auswanderer, deren Ortswechsel Ursachen gehorcht, die nichts mit ihrer Natur zu tun haben. Betrachten wir also ausschließlich Einzelpersonen, die sich, obwohl sie in ihrem Geburtsland hätten bleiben können, ausländischen Staaten einzeln oder in Begleitung ihrer Familien eingliedern wollen. Heben wir gleich hervor, daß sie alle eine Besonderheit gemeinsam haben: sie sind entwurzelt, gleichzeitig ihren neuen Lebensbedingungen nicht angepaßt und bereit, die Bande zu durchschneiden, die sie mit ihrem bisherigen geosozialen Milieu vereinen. Sie sind in doppelter Weise, materiell und psychisch, unabhängig von der Gemeinschaft, deren Bestandteil sie sind, sei es, weil sie sich verschieden von den anderen Mitgliedern fühlen, sei es, weil sie – berechtigt oder nicht – den Eindruck haben, von diesen abgewiesen zu werden. Es wandern also zwei Typen von Menschen aus: der Abenteurer und der Außenseiter. Der Abenteurer, oft vom großen, schlanken Typ, wandert aus, um, fern einer Umgebung, die seine Möglichkeiten der Selbstbestätigung begrenzt, gesellschaftliche Bedingungen anzutreffen, die ihm gestatten, seinen Machtwillen voll zu verwirklichen. Als „Schöpfer“ oder „Verwirklicher“ findet er in seiner Herkunftsgemeinschaft nicht den Platz, der ihm – seiner Ansicht nach – zukommt, und er zögert daher nicht, ihn woanders zu suchen. Es waren Abenteurer: der Eroberer, der Abkömmling einer Adelsfamilie und der Freibeuter, die aus sehr unterschiedlichen Gründen vor einigen Jahrhunderten nach Amerika gingen. Heute ist der Abenteurer ein – im weitesten Sinn des Wortes – Intellektueller, der außerhalb seines Landes ein günstigeres Feld für seine Forschungen finden möchte. Es erscheint auch der politische Flüchtling, im allgemeinen vom gleichen Biotyp, auch wenn das Abenteuer nicht das Ziel, sondern die Ursache für die Verfolgung ist, die er erleidet. Das gilt auch für den Nonkonformisten in religiösen Dingen. Der Außenseiter repräsentiert fast das völlige Gegenteil des vorhergehenden Typs. Er ist ein „Assimilant“ oder manchmal ganz einfach gesellschaftlicher Abfall, im allgemeinen von gedrungener Körperform, der infolge seiner relativen Unfähigkeit auswandert, von äußerster Minderwertigkeit, die ihn hindert, seine Stellung zu bewahren oder sogar – in Grenzfällen – auf seiner Heimaterde zu überleben. Wenn sich eine Katastrophe natürlicher Art ereignet wie zum Beispiel die Kartoffelkrankheit in Irland (die dort 1845/46 Hungersnöte hervorrief) oder wenn das Bevölkerungswachstum schneller vor sich geht als die technische Entwicklung, so daß auf einem bestimmten Gebiet ein Bevölkerungsüberschuß entsteht, dann sind diejenigen, die keine andere Wahl haben als das Feld zu räumen, auch die, die nicht in der Lage sind, sich wirksam im Lebenskampf gegen die Tüchtigeren mit Erfolg zu verteidigen: die schlechtesten Bauern, die schlechtesten Arbeiter, die schlechtesten Kaufleute und auch die Handarbeiter ohne jegliche berufliche Ausbildung, die auch schon zu normalen Zeiten gescheitert wären. Die doppelte Siebwirkung der Wanderung bringt also überragende und sehr minderwertige Individuen in die Einwanderungsländer, fast ohne alle Mittelwerte. Da es sich dabei meist um Kolonien oder von der Hauptstadt weit entfernte Provinzen handelt, werden die erstgenannten durch von der Regierung entsandte Funktionäre verstärkt und die anderen manchmal durch Kriminelle, die zur Strafe deportiert wurden. Zwischen der Elite und der Masse der Emigranten gibt es, wohlverstanden, keinerlei ständige Beziehung. Aber es versteht sich von selbst, daß die erste der beiden Schichten zahlenmäßig immer winzig bleibt, wenn man sie mit der anderen vergleicht.


Die Einwanderung und der Vorgang der Assimilation

An seinem Bestimmungsort angelangt, befindet sich der Auswanderer – jetzt bereits Einwanderer – plötzlich in einer neuen Welt, der er sich eingliedern, das heißt anpassen muß. Wenn er nicht von einer ethnischen oder nationalen Minderheit der gleichen Herkunft wie er im fremden Land aufgenommen wird, muß er seine Art zu leben und in gewissem Grad auch seine Art zu denken ändern, um mit der einheimischen Bevölkerung in Harmonie zusammenleben zu können und in der Gemeinschaft einen befriedigenden Platz einzunehmen. So beginnt für ihn ein mehr oder weniger langer und von mehr oder weniger Erfolg gekrönter Vorgang der Assimilation. Der Rhythmus und die Ergebnisse dieses Prozesses hängen grundsätzlich von dem Grad der Wesensverwandtschaft ab, die zwischen dem Einwanderer und der menschlichen Umwelt besteht, in der er seinen Platz finden muß. Die Rasse stellt auf diesem Gebiet eine fast unüberwindbare Schranke dar, wenn es sich um grundverschiedene ethnische Gemeinschaften handelt – wie im Fall von Großbritannien bei der Einwanderung von den Antillen nach dem Zweiten Weltkrieg –, wobei sich spontan ein Regime strenger Rassentrennung ergibt, das nur durch einen langen Vorgang der Vermischung überwunden werden kann. Zivilisation und Kultur – und besonders die Sprache – wirken erst in zweiter Linie mit, zumindest für vor der Einwanderung gebildete Familiengruppen. In Boston assimilieren sich Engländer leichter als Italiener – genau das Gegenteil gilt für Buenos Aires. Und Deutsche ordnen sich der einheimischen Bevölkerung in den USA leichter ein als in Brasilien. Aber alle den Strukturen übergeordneten Faktoren werden von der Religion übertroffen, jedenfalls was die Unverheirateten unter den Einwanderern und insbesondere die folgende Generation betrifft, denn die Religion bestimmt in vielen Fällen die Heirat. Gegen Assimilierung wirkt, wenn überhaupt etwas, der Nationalstolz der Einwanderer, besonders wenn sie bedeutende Kolonien bilden wie die Japaner in Brasilien. Die Propaganda des Herkunftslandes kann auf den Prozeß einwirken wie im Fall der italienischen und deutschen Einwanderer vor dem Zweiten Weltkrieg, aber sie stellt ihn nicht in Frage. Die Französisch-Amerikaner der Neuengland-Staaten in den USA, Nachkommen der Einwanderer aus Quebec9, haben sich ihre Sprache bewahrt und nennen sich Franzosen, obwohl sie Bürger der Vereinigten Staaten und seit zwei Jahrhunderten von ihrem Vaterland getrennt sind. Sie vermischen sich nicht einmal mit den Nordamerikanern irischer Herkunft, obwohl diese katholisch sind wie sie. Schließlich spielen auch noch die persönlichen Verhältnisse des Einwanderers eine Rolle. Die Männer gleichen sich leichter an als die Frauen, die Kinder eher als die Erwachsenen, die weltoffenen Typen eher als die verschlossenen, während die Assimilationsfähigkeit der schöpferischen Typen äußerst verschieden ist. Bei der aufnehmenden Gemeinschaft spielt auch die Aufgeschlossenheit gegenüber den Neuankömmlingen vom strukturellen Standpunkt aus wie auf dem Gebiet der psychosozialen Bereitschaft eine Rolle. Aber ganz allgemein sind die Einwanderungsländer offen und aufnahmebereit. Sie sind es jedoch viel mehr gegenüber den Niederstehenden – und daher „Besser-zu-Gebrauchenden“ – als gegenüber den Höherstehenden, deren Tüchtigkeit die örtliche Oberschicht fürchtet. Die Hausherren bevorzugen logischerweise Domestiken statt Gleichstehender, die ihnen in der Herrschaft Konkurrenz machen könnten.


Die Einwanderung und ihre Konsequenzen

Die Einwanderung zieht also schwere Gefahren für die demologische Einheitlichkeit des Aufnahmelandes nach sich. Wesentlich differenzierte rassische Gruppen können in die Bevölkerung eindringen, wie das mit den Negern in den USA <…> der Fall ist, ohne einen anderen Erfolg als eine mögliche Bastardisierung, die das Niveau der ethnischen Substanz des Staates mindert. Halten wir jedoch fest, daß die substantielle Umformung eines Aufnahmelandes durch eine Wanderungswelle nicht immer negativ ist. Die nahezu gänzlich europäischstämmige Bevölkerung des heutigen Argentinien hat zum Glück kaum mehr irgend etwas mit dem zu tun, was sie – fast völlig bastardisiert – vor mehr als hundert Jahren war, ehe die Masseneinwanderung von Italienern und Spaniern begann. Außer den möglichen Gefahren der Veruneinheitlichung und der Möglichkeit grundsätzlicher demologischer Veränderungen hat die Einwanderung fast immer Folgen, die ebenso schädlich wie unvermeidlich sind. Die erste ist die qualitative Minderung. Das Zahlenverhältnis zwischen höherstehenden und niederstehenden Individuen liegt nämlich bei jeder Wanderungswelle nicht nur stets erheblich unter demjenigen in diesem oder jenem Herkunftsland, sondern auch unter demjenigen des Aufnahmelandes, wo man die Menschenmassen früher durch den doppelten Vorgang von Einwanderung und Auswahl formte. Anfangs scheint der menschlich niederstehende Beitrag die Macht der Gemeinschaft zugunsten der bereits früher vorhandenen Mitglieder derselben, insbesondere ihrer Führungsschicht, zu heben. Aber indem sich die Einwanderer assimilieren, mischen sich die niederstehenden Elemente unter die ursprüngliche Bevölkerung. Schließlich bilden sie eine untergeordnete Schicht unterhalb des eigentlichen Gesellschaftskörpers in der Art der Sklaven in Rom, und sie fügen sich wie die Freigelassenen dem Ganzen ein, wenn sie dieses nicht sogar absorbieren. Das qualitative Niveau der Bevölkerung sinkt, und es wird nur durch einen langen Prozeß der Bildung und Auswahl möglich sein, es wieder zu heben. Die andere negative Folge, und zwar eine unvermeidliche, ist die Zertrümmerung der Sozialstrukturen. Der Einwanderer hat keine Bindung welcher Art auch immer, an die Bevölkerung, der er sich physisch einordnet. Im allgemeinen kommt er mit Frau und Kindern an, oder er heiratet eine Landsmännin. Er kapselt sich dann in seinem Familienkreis ein, ohne andere Kontakte mit den Nachbarn als seine berufliche Tätigkeit. Selbst wenn er sich einer Kolonie seiner Landsleute anschließt, befindet er sich unter Unbekannten, und die Beziehungen, die er mit ihnen unterhält, sind weit davon entfernt, diejenigen zu ersetzen, die er in seinem heimatlichen Dorf zurückgelassen hat, wo alle ein bißchen miteinander verwandt waren. So droht die Gemeinschaft, ein Mosaik fast isolierter Familien zu werden. Die gesellschaftliche Zertrümmerung bekundet sich noch mehr auf dem Gebiet der überstrukturellen Beziehungen. Der Einwanderer kennt die Geschichte des Landes nicht, oder er hält sie zumindest nicht für die eigene. Er neigt dazu, die Sitten und Gebräuche zu kritisieren, die ihm fremd sind, und er bleibt ein Fremder in einer überlieferten Kultur, die er nicht aufzunehmen vermag. Noch schlimmer: Die Zeit verschönt die Erinnerung an das verlorene Vaterland, und das Heimweh bemächtigt sich des Einwanderers. Das tägliche Leben der Gemeinschaft, zu der er wie zu einer Art Fremdenlegion gehört, läßt ihn gleichgültig, und mehr noch seine eigene Zukunft. Und die Kinder, zwischen dem elterlichen Heim und der Schulbank hin- und hergerissen, entscheiden sich entweder für das erstgenannte und fühlen sich darum weiter als Fremde, oder sie lassen sich von der Erziehung in der Schule beeindrucken und gelangen so weit, ihre „Gringo“-Eltern, wie man in den spanischsprachigen Ländern Amerikas sagt, geringzuschätzen und die Bande zu zerreißen oder doch wenigstens zu lockern, die sie mit der einzigen Gruppe verbinden, die fähig wäre, ihnen eine strukturelle Grundlage zu geben. Daher die gleichgültige Einstellung und die Neigung zum sozialen Parasitentum, die so charakteristisch für so viele Nachkommen von Einwanderern sind – Fremde im eigenen Land.


Die internen Wanderungen: geosoziale Instabilität

Die zwischenstaatlichen Bevölkerungsbewegungen sind nicht das einzige, das uns erlaubt, historische Beobachtungen und Analysen anzustellen. So bedeutend sie auch sein mögen, kann man sie doch als Ausnahmen betrachten, wenn man sie mit den Verschiebungen vergleicht, die sich im Innern jedes Landes vollziehen. Abgesehen von einem Fall der Verfolgung ist es für jemand, der die Notwendigkeit oder auch nur das Bedürfnis empfindet, den Boden, auf dem er geboren wurde, zu verlassen, einfacher, bloß die regionale Umgebung zu wechseln und so die Vorteile seiner ererbten Angleichung und der erworbenen kulturellen Lebensbedingungen zu bewahren, die sich nur in geringem Umfang verändern. Dies, ohne von der viel größeren Leichtigkeit eines Ortswechsels auf kurze Entfernung zu sprechen. Unabhängig von ihren unmittelbaren Ursachen, die wir später untersuchen werden, hängen die internen Wanderungsbewegungen zum einen grundsätzlich von erblichen Eigenschaften – ethnischen oder erworbenen – der menschlichen Gruppe ab, in deren Schoß sie sich ergeben, und andererseits von der mehr oder weniger ausgeprägten strukturellen Härte derselben. Ebenso wie es Wandervölker gibt, die insgesamt oder einzeln dazu neigen, von Land zu Land zu ziehen, so gibt es Unbeständige auch innerhalb der eigenen Grenzen, sei der Grund dafür ein biopsychisches Nomadentum oder das Fehlen einer Bindung an geosoziale Gruppen oder Gemeinschaften, die sie bilden. Es braucht nur noch hinzugefügt zu werden, daß das, was wir über die Völker gesagt haben, ebenso innerhalb jedes einzelnen von ihnen für die verschiedenen biotypologischen Schichten gilt. Es ist kein Zufall, daß unter allen seßhaften Völkern des Abendlandes vom geosozialen Gesichtspunkt aus das nordamerikanische das instabilste ist. In den USA ist die Bevölkerungsverschiebung beinahe die allgemeine Regel. Man wechselt dort das Haus, die Stadt und den Bundesstaat mit der größten Leichtigkeit und mit erstaunlicher Häufigkeit. Nichts logischer als das. Es handelt sich nämlich um eine Bevölkerung von großenteils Söhnen, Enkeln und Urenkeln von Einwanderern, die das Nomadentum im Blut haben. Das Vorherrschen der nordischen Rasse, die mehr zur örtlichen Veränderung neigt als die alpine, stellt einen weiteren erblichen Faktor von gleicher Tendenz dar. Die Unterschiedslosigkeit der sozialen Formen und die strukturelle Gestaltlosigkeit wirken gleichfalls zugunsten der geosozialen Unbeständigkeit. Ein Volk von hoher Kultur und langer Geschichte wird immer durch die große Verschiedenheit seiner Gruppen und seiner Zwischengemeinschaften einerseits und seiner Gebräuche andererseits gekennzeichnet. Der Mensch ist nicht einfach ein Einzelteil eines undifferenzierten Ganzen, und es ist ihm nicht gleichgültig, in dieser oder jener Umgebung zu leben, denn jede solche, die anders ist als seine eigene, verlangt von ihm die Anstrengung der Anpassung, das heißt eine Anstrengung, die nicht notwendigerweise von Erfolg gekrönt sein muß. Wenn dagegen die Gleichförmigkeit regiert, wird die geographische Veränderung keinen spürbaren Wechsel der Lebensbedingungen bringen. Der Mann aus der französischen Provence wird in der Bretagne eine neue Welt antreffen. Der Yankee, der aus New York nach Chicago oder sogar nach San Francisco kommt, merkt kaum eine Auswirkung seines Umzuges, so als ob er nur die Wohnung innerhalb der gleichen Stadt gewechselt hätte. Wenn es außerdem keine anderen festen gesellschaftlichen Beziehungen als diejenigen gibt, die ihn – bis zu einem gewissen Grad – an andere Mitglieder einer auf den ehelichen Herd beschränkten Familie binden, läßt er nichts hinter sich, und sein Wohnort ist ihm gleichgültig. Das ist der Grund, warum der Landarbeiter eher auswandert als der Besitzer von Grund und Boden, der Lohnempfänger als der Betriebsleiter, der Intellektuelle als der Beamte, die verkrachte Existenz als jemand, der einen freigewählten Platz in seiner örtlichen Umwelt einnimmt. Es ist kein Zufall, wie wir in der Geschichte feststellen können, daß interne Wanderungsbewegungen stets umgekehrt proportional zur Festigkeit der jeweiligen Gesellschaftsstruktur sind. Im Mittelalter gab es sie gar nicht, es sei denn bei Katastrophen, da jedermann seine ererbte Funktion ausübte, bei strengem, nämlich gesetzlichem Verbot, sie aufzugeben.


Die internen Wanderungen: Ursachen und Folgen

Abgesehen von ständigen Faktoren, wie wir sie untersucht haben, entsprechen die internen Wanderungen – wohlgemerkt: in jedem Fall – unmittelbaren Ursachen. Es sind im allgemeinen die gleichen, die wir weiter oben in bezug auf die Wanderungen von Land zu Land erwähnt haben, mit Ausnahme der politischen: Suche nach neuen Hilfsmitteln und Bevölkerungsdruck. Motive anderer Art, die vollkommen unvorhersehbar sind, können jedoch zufällig auftauchen. Zum Beispiel: die Gesetze über zwangsweise Erbschaftsteilung, die eine übermäßige Aufteilung des Bodens bewirkt und dadurch mächtig dazu beigetragen haben, das ländliche Europa zu entvölkern, die Mechanisierung der Landwirtschaft, die den Bedarf an ländlichen Handarbeitern eingeschränkt hat, und in den Vereinigten Staaten Klimaanlagen in den Fabriken, die die Industrialisierung der Südstaaten ermöglichten. Es ist angebracht, die ländlichen Wanderungen in die Städte, jenes Phänomen, das seit zwei Jahrhunderten anhält, wegen seines Umfanges und seiner Kennzeichen gesondert zu behandeln. Ihre unmittelbare Ursache ist die Industrialisierung kapitalistischen Typs, die einen immer größeren Bedarf an Arbeitskräften durch die Errichtung von Fabriken in den städtischen Zentren schafft. Vom Licht der Stadt angelockt, verzichtet der Bauer auf sein traditionelles Leben, bricht mit seiner sozialen Umwelt – einschließlich seines familiären Milieus – und richtet sich in einer traurigen und unsauberen Mietskaserne einer Arbeitervorstadt ein. Die ländlichen Provinzen entvölkern sich oder wachsen doch nicht mehr, demographisch gesehen, im gewohnten Rhythmus des Landes. Die großen Städte, in denen Fabriken mit Vorzug errichtet werden, um einem großen Markt von Verbrauchern möglichst nahe zu sein und über die notwendigen Verkehrsmittel zu verfügen, blähen sich in monströser Form auf. Aus dieser doppelten Folgeerscheinung geht eine andere Form von Wanderung hervor: sie saugt aus ländlichen und kleinstädtischen Gebieten junge Menschen der Mittelklassen ab, die dort vermeintlich günstigere Lebensbedingungen anzutreffen hoffen. Die Erhöhung der industriellen Tätigkeit und die immer bedeutender werdende Bevölkerungskonzentration bewirken tatsächlich ein ständiges Angebot von Stellungen in Verwaltung und Technik und einen wachsenden Bedarf an Dienstleistungen aller Art, die alle zum großen Teil von der internen Wanderung befriedigt werden. Diese Bevölkerungsverschiebungen haben so, wie wir sie seit zwei Jahrhunderten kennen, eine in doppelter Hinsicht katastrophale Folge: die qualitative Verarmung der ländlichen Gebiete und das mehr und mehr hervortretende Ungleichgewicht der großen Städte. Auf der einen Seite entfernen sich die begabtesten und bestausgebildeten jungen Menschen jeder Generation von ihren Heimatorten und lassen die örtliche Bevölkerung möglicherweise ohne Führung zurück. Auf der anderen Seite und von Ausnahmen abgesehen, gelingt es ihnen nicht, einen befriedigenden Platz in den Aufnahmezentren zu erobern, so daß sie nur um den Preis ihres Scheiterns die schon übergroßen und oft parasitären Mittelklassen vermehren. In den großen Industrieländern stellt man indessen seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg eine Neigung zur Dezentralisierung fest, die, wenn es ihr nicht gelingt, die großen Zentren von ihrer Verstopfung zu heilen, doch wenigstens ihren Riesenwuchs bremst. Kleinstädte industrialisieren sich, während Großunternehmen aufs flache Land verlagert werden. Diese Erscheinung erlaubt, eine Rückkehr zum geo-ökonomischen Gleichgewicht vorherzusehen, und folglich auch eine befriedigendere Bevölkerungsverteilung. Die einzige nicht mehr umkehrbare Tatsache scheint die Verringerung der durch die Maschine ersetzten landwirtschaftlichen Arbeitskraft zu sein.


Die Planung der Wanderungen

Der Wanderungsvorgang ist in der Lage, die menschliche Substanz eines Staates in bezug auf Menge und Güte zu verändern. Im Fall eines Einwanderungslandes kann er sogar sein rassisches Substrat verändern: das geschieht in Argentinien auf Grund des massenhaften Zuzugs von Indianern und Mischlingen aus den Nachbarländern. Es ist deshalb nur folgerichtig, daß die Staaten versucht haben, die Bevölkerungsverschiebungen durch Planung in den Griff zu bekommen. Wohl verstanden: Die Interessen der einen sind denen der anderen entgegengesetzt; ein Auswanderungsland wird versuchen, seine wertvollen Elemente zu Hause zu behalten, während ein Einwanderungsland die Neuankömmlinge sieben wird. Im erstgenannten Fall werden jedoch die polizeilichen Zwangsmaßnahmen im allgemeinen wirkungslos bleiben, und nur befriedigende Lebens- und Arbeitsbedingungen werden erlauben, das gewünschte Ergebnis zu erlangen. Dagegen kann die Einwanderung durch ein verwaltungsmäßig korrektes Sieben der Bewerber kontrolliert werden. Die Möglichkeit, die erbliche Ausstattung einer Gemeinschaft durch die Hinzufügung hochwertiger Elemente zu verbessern, besteht zumindest in den Ländern, auf welche sich ein Wanderungsstrom spontan richtet. Die Versuchung der Quantität und vor allem der preiswerten Arbeitskraft – folglich also von geringerer Qualität – wirkt sich leider sehr oft in negativer Weise aus. Aber auch ohne diese sind die zu beachtenden Maßstäbe der Auswahl – Rasse, Biotyp, Kultur, Sprache, Religion, Berufsausbildung, Gesundheitszustand und Anpassungsfähigkeit – so zahlreich und stellen sich manchmal so widerspruchsvoll dar, daß die Aufgabe gewiß nicht leicht ist. Es ist jedoch nicht zu bezweifeln, daß es unter den fraglichen Faktoren eine notwendige Rangordnung gibt und daß dabei die Rasse an erster Stelle steht. Man kann einen Kranken heilen, einen Analphabeten unterrichten, einem Fremden die Landessprache beibringen, einen Andersgläubigen zur rechten Religion bekehren. Man könnte, mit mehr Zeitaufwand natürlich, aus einer qualitativ niederstehenden Bevölkerung eine Elite auswählen; aber es wird nie gelingen, aus einem Neger einen Weißen zu machen und umgekehrt. Der Sizilianer paßt sich in Argentinien vollkommen an, aber er führt – mit allen damit verbundenen Folgen – in die Erbausstattung des Landes Gene semitischer, folglich negrider Herkunft ein. Vom wesentlichen Standpunkt der ethnischen Auswahl stehen sich zwei Schulen gegenüber. Die eine stellt den Grundsatz der Blutsverwandtschaft auf. Eine bestehende oder in Bildung begriffene rassische Gemeinschaft dürfe ihren bereits vorhandenen Elementen nur ähnliche oder gleiche hinzufügen. Auf dieser Grundlage wurde das bis 1966 gültige Einwanderungsgesetz der USA formuliert, das die Zulassung nicht-nordischer weißer Einwanderer beträchtlich einschränkte und eine solche von Farbigen verbot. Halten wir jedoch fest, daß bei der praktischen Umsetzung in bezug auf die Weißen die bisherige Staatsangehörigkeit, nicht die Rasse berücksichtigt wurde, was die paradoxe Folge einer beträchtlichen jüdischen Einwanderung im Schutz von gesetzlichen Normen hatte, die zugunsten von britischen und deutschen Einwanderern aufgestellt worden waren. Die andere Schule ist die des rassischen Ausgleichs. Dieses Prinzip gibt bei Laien oftmals Raum für Schätzungen einer phantastischen Chemie. Aber, wissenschaftlich ausgedrückt, stellt es die Tatsache fest, daß eine rassische Gemeinschaft durch einen andersartigen, aber höherwertigen Beitrag verbessert werden kann. Einerseits herrscht also die Sorge um rassische Einheitlichkeit und folglich diejenige nach Assimilation vor, andererseits diejenige um den wirklichen Wert des gewünschten Beitrags. Stellen wir indessen fest, daß die Theorie der Verwandtschaft Vielvölkerstaaten wie die USA und sogar Brasilien nicht daran hindert, deren Anwendung auf die höherstehende Rasse zu beschränken, und daß die These vom Ausgleich in keiner Weise die Gefahr der Einverleibung zu vieler andersartiger Elemente verkennt. Die beiden Prinzipien ergänzen sich also, wobei, je nachdem, mal das eine, mal das andere vorherrscht.


Die zeitweisen Wanderungen

Am Rande der Wanderungen, die wir in unserem Geschichtsabschnitt als endgültig bezeichnen können, hat es immer zeitweise Verschiebungen von Einzelnen und von Personengruppen gegeben, für die der landläufige Ausdruck „Reisen“ gebraucht wird. Das Phänomen hat seit der Verwendung der Dampfmaschine für Verkehrszwecke eine quantitative Bedeutung angenommen, die sich nach den beiden Weltkriegen noch beträchtlich gesteigert hat. Sein demologischer Einfluß ist heute derartig, daß wir ihn hier nicht analysieren können. Die zeitweisen Wanderungen sind von dreierlei Typ, definiert nach ihren Ursachen. Die einen sind die Folge des modernen Krieges, ausgeführt durch Armeen von Wehrpflichtigen. Im Verlauf der großen Konflikte unseres Jahrhunderts wurden Millionen von Kriegsgefangenen in Feindesland im Zustand einer halben Freiheit oder einfach eines Zwangsaufenthaltes jahrelang als landwirtschaftliche und industrielle Arbeitskraft genutzt. Es ist unvermeidlich, daß junge Männer, die unter eine fast völlig weibliche Bevölkerung gemischt werden – weil die Männer im wehrfähigen Alter zu den Waffen gerufen wurden –, beachtliche Spuren in der Erbausstattung der aufnehmenden gesellschaftlichen Einheit hinterlassen. Die Besetzung des besiegten Landes, die in unserer Zeit mehrere Jahrzehnte, ja in einigen Teilen Deutschlands rund ein halbes Jahrhundert dauern kann, hat die gleiche Wirkung. Die Anwesenheit farbiger französischer Truppen nach dem Ersten Weltkrieg im Rheinland hat durch die große Anzahl von Mulatten, die in diesem Gebiet geboren wurden, ihre rassischen Folgen unübersehbar hinterlassen. Aber das ist nur ein Aspekt – wahrlich der schwerste – in der Situation einer allgemeinen Ordnung, der sich nach 1945 in fast ganz Europa verstärkt wiederholt hat. Die zeitweisen Wanderungen des zweiten Typs erfolgen aus Gründen der Arbeitssuche und haben ähnliche Folgen wie die vorher behandelten: die bolivianischen, paraguayischen und chilenischen Arbeiter, die jedes Jahr zur Zuckerrohrernte oder zur Schafschur für einige Wochen nach Argentinien kommen, die Algerier, die sich für einige Jahre als Fabrikarbeiter in Frankreich verdingen, und die Portugiesen, Spanier, Griechen und Türken, die nach Deutschland, der Schweiz, Schweden usw. kommen und mit einem Arbeitsvertrag für eine bestimmte Zeitdauer inmitten der einheimischen Bevölkerung leben und deren sexuelle Beziehungen mit den Frauen ihrer Umgebung unvermeidlich sind, ohne von denen zu sprechen, die – legal oder nicht – endgültig ständige Einwohner des Gastlandes werden. Fremde Elemente dringen so in die Erbausstattung der Aufnahmevölker ein, deren Rasse sich mehr oder weniger langsam, aber unwiderruflich verändert. Bleiben schließlich noch die zeitweisen Wanderungen, die in sehr verschiedener Weise ein Ergebnis des Fremdenverkehrs sind. Bis 1950 waren diese Art von Bevölkerungsbewegungen zahlenmäßig sehr beschränkt und betrafen nur einige wenige Städte und Gebiete Europas – Paris, Rom, die Schweiz, die Côte d’Azur, die italienische Riviera –, wohin sich ausschließlich Familien gehobenen gesellschaftlichen Niveaus begaben. Heute sind es dagegen Millionen von Reisenden, die jedes Jahr für einige Wochen in die Aufnahmeländer einfallen. Der „gehobene“ Fremdenverkehr hatte keine gesellschaftlichen Folgen für die davon betroffenen Gebiete. Aber er trug zur Bildung in den Ursprungsländern bei, denen er wertvolle kulturelle Elemente – psychische und materielle – verschaffte: ein Vorgang, der sich in bezug auf den amerikanischen Kontinent auf niedrigerer Stufe fortsetzt. Der „Massentourismus“ dagegen hat keinerlei Einfluß auf diejenigen, die ihn betreiben, aber er wirkt sich auf die Bevölkerung der Aufnahmeländer aus. Nicht so sehr vom biologischen Gesichtspunkt aus, obwohl man gewisse Veränderungen auf diesem Gebiet nicht leugnen kann, als was die unbestreitbar psychosozialen Modifikationen betrifft. Es ist der Fremdenverkehr, der die Schweizer aus Kriegern in Hoteliers verwandelt hat und ihnen eine Mentalität von Lakaien verlieh. Die Länder, die neuerdings begonnen haben, wirtschaftlichen Nutzen aus der Fremdenverkehrs-„Industrie“ zu ziehen, werden in mehr oder weniger großem Ausmaß je nach dem Grad ihrer Widerstandsfähigkeit eine ähnliche Umgestaltung erleiden.


ÜBER DEN AUTOR

Jacques de Mahieu

Prof. Dr. Jacques de Mahieu wurde 1915 als Sproß eines alten normannischen Adelsgeschlechtes in Paris geboren. Als Student der Politik- und Wirtschaftswissenschaften promovierte er und wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg in seiner französischen Heimat habilitiert. Sodann genügte er seiner Wehrpflicht als einfacher Soldat der Bespannten Artillerie. Nach dem am 22. Juni 1940 im Wald von Compiègne geschlossenen Waffenstillstand meldete er sich als Freiwilliger zur Waffen-SS, in deren Reihen er als Angehöriger der französischen Division „Charlemagne“ den ganzen weiteren Zweiten Weltkrieg mitmachte, wobei er bis zum Dienstgrad eines Untersturmführers (Leutnant) befördert wurde.

Nach dem Zusammenbruch Deutschlands gelangte er mit seiner Familie auf abenteuerliche Weise nach Argentinien, während er in seinem Vaterland, dem er immer treu blieb, nicht weniger als vierzehn Mal zum Tode verurteilt wurde, ohne daß seine unversöhnlichen Feinde auch nur ein einziges dieser Urteile hätten vollstrecken können. Perón nahm den politischen Flüchtling wie so viele andere europäische Wissenschaftler mit offenen Armen auf und ermöglichte ihm die Fortsetzung seiner wichtigen Arbeit nicht nur zum Vorteil des eigenen Landes.

So konnte de Mahieu als Lehrstuhlinhaber und Rektor verschiedener argentinischer Universitäten in Buenos Aires und anderen Teilen des Landes weiter lehren und forschen. Eine wichtige politische Stellung übertrug ihm Perón, als er ihn zum Präsidenten der Partei-Hochschule des Peronismus ernannte, womit er ihm die Schlüsselposition zur politischen und weltanschaulichen Ausrichtung der Staatspartei anvertraute, die auch heute noch – obwohl von anderen Kräften infiltriert und weitgehend beherrscht und zum Instrument des Yankee-Imperialismus gemacht – am Rio de la Plata regiert.

Seine Arbeit als Wissenschaftler und Schriftsteller richtete er frühzeitig und erfolgreich auf die Früh- und Vorgeschichte Amerikas. Er ging bei mehreren Expeditionen mit wissenschaftlicher Akribie den Spuren europäischer Kulturbringer nach, die schon viele Jahrhunderte vor dem Schwindler Kolumbus (in einem der Bücher de Mahieus als solcher entlarvt) die Wurzeln der uralten südamerikanischen Hochkulturen legten. Das segensreiche Wirken der Wikinger und Megalithiker, das bis ins zweite Jahrtausend v.d.Zw. zurückgeht, ist Gegenstand zahlreicher Bücher in französischer, italienischer, portugiesischer, spanischer und deutscher Sprache, von denen allein ein rundes Dutzend beim Grabert-Verlag in Tübingen erschien. Laffont (Paris) besorgte mehrere französische Ausgaben. In Argentinien wurde de Mahieu in akademischen Kreisen vor allem durch seine zahlreichen Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Sozialpolitik bekannt. Einige Monate vor seinem Tod beabsichtigte er noch, sich zur Sammlung von Material und Informationen auf die Osterinsel zu begeben. Das vorliegende Werk über die Grundlagen der Biopolitik erschien zuerst in französischer Sprache bei Editions Celtiques in Montreal (Kanada).

Jacques de Mahieu, der während vier Jahrzehnten in Argentinien und anderen Ländern Amerikas einen großen Kreis von Schülern und Anhängern gewinnen und maßgeblich beeinflussen konnte, starb kurz vor Vollendung seines 75. Lebensjahres in Buenos Aires eines natürlichen Todes.

Wilfred von Oven, Buenos Aires (1994)


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